Corona

Gemeinschaftspraxis will Tests in die Villa Tesch verlegen

Bürgermeister Björn Warmer, Dr. Kai Michael Kompisch und Dr. Jens Christiansen  (v. li.) halten das Souterrain der Villa Tesch für sehr geeignet für Corona-Tests.

Bürgermeister Björn Warmer, Dr. Kai Michael Kompisch und Dr. Jens Christiansen (v. li.) halten das Souterrain der Villa Tesch für sehr geeignet für Corona-Tests.

Foto: Susanne Tamm

Stadt hilft rasch, die Genehmigung der Kassenärztlichen Vereinigung steht allerdings noch aus.

Reinbek. Jetzt muss nur noch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) zustimmen: Wie berichtet musste die Gemeinschaftspraxis am Rosenplatz ihre Infektionssprechstunde unter freiem Himmel auf einem rückwärtigen Parkplatz vergangenen Mittwoch schließen. Ein Anwohner hatte sich im Ordnungsamt beschwert. Auf dem Areal, das auch Sitz der Praxis ist, hatten sich Patienten und Reinbeker auf das Corona-Virus testen lassen können, ohne andere Patienten zu gefährden. Jetzt bahnt sich eine Lösung für neue Räume an.

Die ist dringend nötig, wird Rückkehrern aus dem Auslandsurlaub doch geraten, sich auf Covid-19 testen zu lassen. Wer aus einem Risikogebiet kommt, muss ansonsten 14 Tage in Quarantäne bleiben. Die Frage ist nur, wo kann man sich testen lassen? Im Kreis Stormarn gibt es kein Corona-Testzentrum für Reiserückkehrer.

Das nächste liegt in Lübeck. Zudem lehnen viele Hausarzt-Praxen Tests ab. Ein Mediziner erhält etwa 15 Euro für jeden Abstrich, und der Aufwand ist immens. Hinzu kommt das Gesundheitsrisiko für andere Patienten und Mitarbeiter. Das Gesundheitsamt des Kreises Stormarn hat die Initiative der Gemeinschaftspraxis ausdrücklich begrüßt.

Pragmatische Lösung gefordert

„Wir sind die größte Allgemeinärztliche Praxis in Reinbek und wir haben auch einen Versorgungsauftrag“, sagt Dr. Jens Christiansen. Er und Dr. Kai Michael Kompisch, beide Internisten und Hausärzte sowie Mitinhaber der Praxis, haben sich in der Not an Reinbeks Bürgermeister Björn Warner gewendet. „Wir brauchen eine pragmatische Lösung“, sagte Kompisch.

Die hatte der Bürgermeister auch parat: Er führte die Ärzte durch das Souterrain der zurzeit leerstehenden Villa Tesch (Hamburger Straße 3) neben dem Rathaus. Die Stadt stellt es den Medizinern für die Tests zur Verfügung.

„Diese vorbildliche Initiative ist wichtig für uns alle“, sagt Björn Warmer. „Aus dem Alltag wissen wir, wie schwierig es sein kann, selbst bei berechtigten Befürchtungen zu einem Test zu kommen. Deshalb möchten wir nun unkompliziert und schnell eine Alternative anbieten – möglichst kurzfristig.“

Gebäude größtenteils leer

Die Eigentümerin hat das Gebäude samt Parkplatz der Stadt überlassen. Zurzeit steht es bis auf einige Räume im Erdgeschoss, die als „Jugendladen“ genutzt werden, noch leer. Denn die Politik muss erst eine Nutzungsänderung beschließen. „Die Räume erscheinen uns sehr gut geeignet für unsere Zwecke“, sagt Kompisch. „Hier haben wir die Möglichkeit, ohne Kontakt zu anderen Personen einen Abstrich zu nehmen. Wir beantragen bei der KV dort als Außenstelle unserer Praxis arbeiten zu dürfen.“

Vorgespräche seien positiv verlaufen. Laut Kompisch könnten er und seine sieben Kollegen bereits Mitte oder Ende der kommenden Woche erneut mit ihrer Infektionssprechstunde von 8 bis 9 Uhr am neuen Standort durchstarten, wenn denn alles genehmigt sei.

Selbstverständlich sei auch hier die Zahl der Tests begrenzt: Die Gemeinschaftspraxis könne dort durch ihr angestammtes Labor etwa 50 Patienten in der Woche auf das Virus testen. Zwingende Voraussetzung für alle Patienten der Praxis und Reinbeker Bürger ist die Anmeldung unter www.gpar.info. „Dort wird ein Link eingerichtet, unter dem man sich einfach anmelden kann“, erläutert Kai Kompisch.

Solange kann die Praxis mit acht Medizinern und 18 weiteren Mitarbeitern nur bis zu drei Patienten pro Tag auf Sars-CoV-2 testen. „Deshalb wollen wir möglichst bald am neuen Standort loslegen können“, sagt Bürgermeister Warmer.