Nachverdichtung

Reinbek will Charakter der Stadtteile erhalten

Anwohnerärger in Prahlsdorf: Angelika Bengelsdorf, Christoph Kleine und Christina Nikolovna-Kleine erklärten bereits im Juni im Gespräch mit unserer Zeitung ihre Sorge um die bauliche Entwicklung in Prahlsdorf.

Anwohnerärger in Prahlsdorf: Angelika Bengelsdorf, Christoph Kleine und Christina Nikolovna-Kleine erklärten bereits im Juni im Gespräch mit unserer Zeitung ihre Sorge um die bauliche Entwicklung in Prahlsdorf.

Foto: Susanne Tamm

Die Politik fordert Bebauungspläne, um Nachverdichtung in vielen Reinbeker Gebieten steuern zu können. Der Beginn ist in Prahlsdorf.

Reinbek. Dass sich das Ortsbild in Prahlsdorf durch etliche Neubauten nach und nach stark verändert, das stört viele Anwohner. Deren Unmut war jetzt während der Sitzung des Bauausschusses wieder zu spüren, wo die Anwohnerfragestunde fast komplett unter der Überschrift Prahlsdorf stand. Zwar können die Politiker „unpassende“ Häuser nicht zurückbauen lassen, doch wollen sie durch eine Überarbeitung beziehungsweise die Aufstellung von Bebauungsplänen Rahmenbedingungen für eine Nachverdichtung vorgeben. So soll der Charakter der jeweiligen Reinbeker Stadtteile erhalten bleiben.

Der Holsteinsaal des Sachsenwald-Forums war gut besucht. Das drängende Thema im Bauausschuss: Entwicklungen in Prahlsdorf. Einen Anwohner interessierte die Motivation für die Nachverdichtung. Christoph Kölsch (CDU) antwortete: „Es ist der Wunsch der Grundstückseigentümer, die beispielsweise für ihre Kinder bauen wollen. Die CDU-Fraktion ist für eine maßvolle Nachverdichtung. Wir sehen auch die Notwendigkeit, Wohnraum zu schaffen.“

„Wohnraum ist ein dringendes Thema“

Wie der Vorsitzende des Seniorenbeirats, Dr. Heinz-Dieter Weigert, erklärte, ist Wohnraum auch ein dringendes Thema für ältere Reinbeker, die sich hohe Mieten nicht mehr leisten könnten. Er appellierte an die Prahlsdorfer: „Wir haben in gewissem Maß auch eine soziale Verantwortung als Bürger.“

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Bernd Uwe Rasch saß während der Sitzung in den Reihen der Zuschauer. Er erklärte den Anwohnern, die Stadt sei auch rechtlich verpflichtet, Nachverdichtung zu ermöglichen: Wo es keinen Bebauungsplan gibt, muss sich ein Neubau nur in die umliegende Bebauung einfügen. Seine Fraktion wolle die Einwohnerzahl in Reinbek aber nicht in die Höhe treiben und setze sich schon lange dafür ein, dass eine Einwohnerzahl von 30.000 nicht überschritten werde. Derzeit leben 28.049 Menschen in der Stadt.

Klare Vorgaben für die künftige Bebauung

Das aktuelle Chaos an der Schützenstraße, bedingt durch Bauarbeiten, bemängelte Anwohner Christoph Kleine. „Es gibt kein Bauschild, und Lkw fahren auf Fußwegen“, berichtete er. Er sorge sich dabei auch um Kinder. Michael Vogt aus dem Bauamt will das Thema ins Rathaus tragen.

Während der Sitzung wurde klar: Die Anwohner wollen einbezogen werden, und vor allem, sie sorgen sich um ihren Stadtteil. Die Politik antwortet jetzt, indem sie die Verwaltung beauftragt, Aufstellungsbeschlüsse für Bebauungspläne oder Erhaltungssatzungen für sieben Stadtteile und Gebiete zu erarbeiten. „Für Wohngebiete mit besonderer Wohnbaudynamik sollen neue B-Pläne aufgestellt werden, die klare Vorgaben für die künftige Bebauung beinhalten. So wissen Anwohner, Verwaltung und Investoren, was in einem Wohngebiet möglich ist und was nicht“, erklärte Bernd Uwe Rasch.

Geschossflächenanzahl, Gebäudehöhe und Baumbestände berücksichtigen

Der interfraktionelle Beschluss zur Steuerung der Nachverdichtung ist seit Ende 2019 in Vorbereitung. Dafür hat sich ein Arbeitskreis aus Vertretern aller Fraktionen sowie der Verwaltung zusammengefunden. Der Zusammenschluss beruht auf Anträgen der FDP, die das Thema seit 2018 verfolgt.

Zu den Aufstellungsbeschlüssen sollen jeweils Veränderungssperren ausgesprochen werden, um die Gebiete während des Bebauungsplan-Verfahrens zu sichern. Beim Aufstellen der B-Pläne will die Politik sich unter anderem auf Grund- und Geschossflächenanzahl, die Mindestgröße von Baugrundstücken, die Anzahl von Parkplätzen, auf Gebäudehöhen und den Erhalt von Baumbestand verständigen.

Kosten von 30.000 bis 50.000 Euro pro B-Plan

Das Aufstellen von B-Plänen ist für die Stadt mit Kosten verbunden, die im Hinblick auf die Größe sowie die Beschaffenheit der Gebiete variieren, wie der stellvertretende Vorsitzende des Bauausschusses, Volker Dahms (FDP), erklärte. Es müsse mit Kosten von 30.000 bis 50.000 Euro pro B-Plan gerechnet werden.

Die Stadtverwaltung ist nun beauftragt, bis zur Novembersitzung der Stadtverordnetenversammlung den Aufstellungsbeschluss für einen B-Plan für Prahlsdorf vorzubereiten. Danach soll es in chronologischer Reihenfolge noch 2021 mit Hinschendorf, dem Gebiet Sophienstraße/Waldstraße, dem Vorwerksbusch im Bereich Kückallee mit Nebenstraßen, einem Teil von Neuschönningstedt, Ohe sowie dem Gebiet Großer Scharnhorst zwischen Bogenstraße, Eichenbusch, Glinder Weg und der Fußwegverlängerung Kurzer Rehm weitergehen. Nach einem Aufstellungsbeschluss dauert es üblicherweise gut zwei Jahre, bis ein B-Plan fertig ist und verabschiedet werden kann.