Azubi-Suche

Reinbeker Firmen locken mit E-Bike und Führerschein

Unternehmen gehen neue Wege auf der Azubi-Suche: Betriebe und Bewerber finden auch im Corona-Lockdown zusammen.

Reinbek. Fachkräftemangel ist nach wie vor in aller Munde. Die Krise hat den Bedarf an Mitarbeitenden mit guten Ausbildungen nicht reduziert. Die demografische Entwicklung und ebenso die steigenden Ansprüche im Zeitalter der Digitalisierung sorgen eher für noch höhere Nachfrage nach Fachkräften.

Praktika, Berufsmessen, Präsentationen in Schulen – Wege, die viele Unternehmen auch in Reinbek gehen, um mit potenziellen Azubis in Kontakt zu kommen. Gerade in der Hochphase der Suche kam Corona. Kontaktverbot, Hygieneverordnungen, keine öffentlichen Veranstaltungen – nicht nur für Schüler, besonders für Firmen wurde es noch schwieriger, die richtigen Bewerber zu finden.

Amandus Kahl überdenkt Ausbildungsplanung

Kerstin Suhr ist Personalreferentin beim Maschinen- und Anlagenbauer Amandus Kahl in Reinbek. „Die Geschäftsleitung hat sich Gedanken gemacht, wie es mit den Ausbildungsplätzen in diesem Jahr weitergehen soll, doch das Unternehmen setzt weiter auf die Ausbildung.“ Die möglichen Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung aufgrund der Pandemie hatten dazu geführt, die Ausbildungsplanung zu überdenken.

Mechatroniker, Zerspanungsmechaniker oder auch Wirtschaftsingenieure und Industriekaufleute wurden gesucht. Sieben neue Mitarbeiter hat das Unternehmen nun im gewerblichen Bereich eingestellt, vier im kaufmännischen. „Wir bieten gern Schülerpraktika an, um die jungen Leute kennenzulernen Doch dies war in den Corona-Zeiten nicht möglich“, so die Personalreferentin. „Wir stellen zudem seit einem Jahr fest, dass sich weniger Schüler für eine duale Ausbildung bewerben.“

Soziale Medien gewinnen an Bedeutung für den Stellenmarkt

Berufsmessen oder Berufsinformationstage wurden im Lockdown abgesagt. Amandus Kahl hatte seine Azubisuche zwangsweise für einige Wochen auf Eis gelegt. Nach den Lockerungen wurden Gespräche nachgeholt. „Der persönliche Kontakt ist uns wichtig, daher ist ein Bewerbungsgespräch per Videokonferenz für uns nicht die erste Option“, so Suhr.

Sie ist sicher, in Zukunft wird es neue Wege geben. Nicht nur, dass die sozialen Medien für den Stellenmarkt an Bedeutung zunehmen werden, auch die Beteiligung an virtuellen Berufsmessen ist denkbar.

Auch das Angebot der Unternehmen muss stimmen

Bei Grossmann Feinkost wird in der Suche nach Auszubildenden ebenso auf Schülerpraktika gesetzt. Doch auch hier hat Corona Folgen gezeigt. „Die Schulen haben die Praktika zurückgefahren, sodass sich kaum Schüler gemeldet haben“, sagt die Personalleiterin Celina-Isabelle Brüggmann. Industriekaufleute, Lagerlogistiker aber auch Maschinen- und Anlagenführer, werden hier ausgebildet. 15 bis 20 Azubis beginnen hier jährlich ihre Berufslaufbahn. Auch in diesem Jahr. „Ein Teil der Azubis konnten wir noch vor der Corona-Zeit kennenlernen, einige sind jedoch auch abgesprungen, da es nicht zum geplanten Bewerbungsgespräch gekommen ist“, so die Personalchefin. Doch die Plätze wurden besetzt, auch ohne Praktikum. Der Bedarf seitens des Unternehmens ist da, die Zahl der Interessenten geht zurück.

Bei Elektrobau Henry Kaulfuß ist das Praktikum nahezu Voraussetzung für einen Ausbildungsplatz – bisher. In diesem Jahr wurde vom klassischen Weg abgewichen. „Wir hatten keine Probleme, Nachwuchs zu finden“, sagt Volker Trute, Ausbildungs- und Betriebsleiter der Firma. Doch er weiß, das Angebot muss stimmen. Und so gibt es zum Ausbildungsvertrag Führerschein, Bahncard oder ein E-Bike obendrauf. Robin Lezins (17) und Nazir Ahmad Niazy (22) sind Auszubildende im ersten und dritten Lehrjahr. Auch bei ihnen ist das Unternehmen vom klassischen Weg abgewichen und hat die beiden von anderen Betrieben übernommen. Das Thema Fachkräftemangel habe sich in der Krise nicht verändert. Eine neue Internetseite und die Nutzung von Ausbildungsportalen wurden daher jüngst angestoßen. Am 1. September geht es mit vier neuen Nachwuchstechnikern los.

Trend geht zu Ausbildungsportalen, Online-Bewerbungsgesprächen und Homeoffice

Beraten wurde das Elektrounternehmen von Office Alpha, einem Spezialisten für Webseiten, der auch zur Azubisuche einige Tipps gegeben hat. „Wir sehen einen klaren Trend zu Ausbildungsportalen, Online-Bewerbungsgesprächen bis hin zu Homeoffice-Lösungen“, sagt Jan Meißner, Chef des Barsbütteler Beratungsunternehmens. „Der Bedarf an Azubis wird bleiben. Doch das ein oder andere Unternehmen wird sich aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheiten erstmal in Zurückhaltung üben.“