Hoffnung auf Lösung

Lärmschutz an der K 80 in Glinde wird immer löchriger

| Lesedauer: 3 Minuten
Ann-Kathrin Schweers
Inge Gehrke zeigt, aus welcher Richtung der Lärm kommt. An ihrer Grundstücksgrenze an der Stübbenkoppel fehlt die Lärmschutzwand seit März komplett.

Inge Gehrke zeigt, aus welcher Richtung der Lärm kommt. An ihrer Grundstücksgrenze an der Stübbenkoppel fehlt die Lärmschutzwand seit März komplett.

Foto: Ann-Kathrin Schweers / BGZ

Für die Anwohner in der Stübenkoppel wird der Lärm der Kreisstraße immer unerträglicher. Anwohner hoffen auf eine Lösung.

Glinde. Ein gemütlicher Platz im Grünen mit Blumen und Vogelgezwitscher – eine tolle Terrasse eben, um im Sommer draußen zu sitzen und Besuch zu empfangen. 44 Jahre lang fühlten sich Inge und Horst Gehrke wohl an der Stübenkoppel. Der Lärm der Kreisstraße 80, die an den Acker hinter ihrem Grundstück angrenzt, war erträglich. Eine Lärmschutzwand sorgte für Ruhe.

Ein großer Teil des mürbe gewordenen Flechtzauns ist nun jedoch seit Monaten abgebaut. „Da sollte man eigentlich meinen, dass sich dann etwas tut“, findet Inge Gehrke. Besuch möchte sie erst einmal nicht auf ihre Terrasse einladen. Die Seniorin (82) setzt jetzt auf den heutigen Bauausschuss. Dort werden Ergebnisse einer Untersuchung der Lärmschutzwand vorgestellt.

Anwohner des Oher Weg hören Lärm der K 80

Besonders betroffen ist auch ihr Nachbar Stefan Flint (41). Er hat erst Anfang 2019 sein Eigentum an der Stübenkoppel bezogen. „Die ersten Monate war alles schön ruhig“, erklärt er. Doch im Mai 2019 hat die Stadt begonnen, marode Teile der Lärmschutzwand zu demontieren, sie jedoch nur in Teilen ersetzt. Folge: Große Lücken klaffen seitdem in der Wand. Die Idylle am Stadtrand ist passé.

„Ich habe unzählige Mails an den Bürgermeister geschickt, er hat
nie geantwortet“, erklärt Flint. Seine Freundin habe 150 Unterschriften in der Nachbarschaft gesammelt und festgestellt: Selbst Anwohner des Oher Weg hören mittlerweile den Lärm von der K 80. Als selbstständiger IT-Berater, der von zu Hause aus arbeitet, belaste ihn der Geräuschpegel immens: „Dazu kommt, dass ich schlecht schlafe.“

Stillstand seit März

Seit März ist das Grundstück der Gehrkes komplett ungeschützt, nur die Fundamente sowie die Halterung der Schutzwand stehen noch. Der Stadt war aufgefallen, dass Teile der Lärmschutzwand nicht mehr tragfähig waren. Wandteile seien auf die K 80 gefallen. „Aus Gründen der Verkehrssicherung“ mussten deshalb weitere Wandelemente auf gut 100 Meter Länge demontiert werden, erklärt die Stadtverwaltung. „Und seitdem herrscht Stillstand“, klagt Gehrke.

Besonders Lkw-Lärm dringt in die Gärten und Wohnhäuser. Wenn Schwerlaster über Huckel brettern, schrecken auch schon mal die Anwohner an der Stübenkoppel nachts aus ihren Betten hoch, weiß Inge Gehrke.

Drei Wandhöhen zur Auswahl – Stadt präferiert Acht-Meter-Steilwall

Die Stadtverwaltung hat mittlerweile Kosten sowie mögliche Varianten für einen neuen Lärmschutz geprüft. Sie stellt diese heute um 19 Uhr im Bauausschuss im Bürgerhaus (Markt 2) vor. Zur Debatte stehen Höhen von neun, acht und 5,5 Metern über Fahrbahnniveau. Wo sie noch steht , misst die alte Wand 5,5 Meter. Vom Kosten-Nutzen-Verhältnis wird eine acht Meter hohe Anlage präferiert. Die Verwaltung schlägt einen mit Boden gefüllten Steilwall vor. Der habe nicht nur eine lange Nutzungsdauer von gut 60 Jahren, auch sei der Wall in der Unterhaltung pflegeleicht.

Für den Bau müsste eine Zufahrt geschaffen werden, die Stadt müsste Baugrund erwerben. Die Kosten für die Maßnahme sind mit gut 1,2 Millionen Euro veranschlagt. Viele Jahre Streitpunkt: Erschließungsbeiträge sollen von den Anliegern nun doch nicht erhoben werden.

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