Seniorenbeirat

Reinbek soll zur inklusiven Stadt werden

| Lesedauer: 3 Minuten
Ann-Kathrin Schweers
Die Bordsteine an der Verkehrsinsel am Landhausplatz sind zwar vorbildlich abgesenkt, doch auf der Straße laufen Sehbehinderte ins Leere: Leitlinien über die Straße fehlen.

Die Bordsteine an der Verkehrsinsel am Landhausplatz sind zwar vorbildlich abgesenkt, doch auf der Straße laufen Sehbehinderte ins Leere: Leitlinien über die Straße fehlen.

Foto: Susanne Tamm

Reinbek. Der Seniorenbeirat Reinbek bringt mit einem Antrag Probleme körperlich Beeinträchtigter in die politische Diskussion.

Reinbek.  Gerade an den zentralen Orten der Stadt, dort, wo sich das Leben abspielt, wo Jung und Alt zusammenkommen, sind oft regelrechte Stolperfallen für körperlich Beeinträchtigte. Der Senioren- und der Behindertenbeirat wollen das ändern und Reinbek Schritt für Schritt zur inklusiven Stadt machen.

Im Antrag des Seniorenbeirats aus dem Juli 2018, der heute um 19.30 Uhr im Bau- und Planungsausschuss auf den Tisch kommt, werden wesentliche Problemstellen der Stadt unter die Lupe genommen. Aufgeführt sind hier Schloss, Rathaus, Jürgen-Rickertsen-Haus und Landhausplatz.

Lebensgefahr am Landhausplatz

Wege sind nicht beleuchtet, Orientierungskennzeichnungen an Stufen, Wegen und Türen sowie Führungshilfen fehlen. Besonders dringlich ist jedoch für den Seniorenbeiratsvorsitzenden Dr. Heinz-Dieter Weigert die Situation am Landhausplatz. Dort sind zwar Ampeln mit akustischen Signalschaltern ausgestattet und Fußgängerüberwege für einen barrierefreien Überweg abgesenkt, doch diese sind nicht durch Rippenplatten von der Fahrbahn abgegrenzt. Für Menschen, die im Sehen eingeschränkt sind, könne das lebensgefährlich sein. Diese Platten können Sehbehinderte mit einem Stock ertasten. Sie seien ohne großen Aufwand nachzurüsten.

Aus der Stellungnahme der Stadt geht hervor, der gesamte Kreuzungsbereich soll im Zuge des Umbaus der Bushaltestelle Bergstraße barrierefrei ausgebaut werden. Auch sogenannte Bodenindikatoren sollen dabei eingebaut und die Ampelschaltung für Fußgänger verbessert werden. „Generell ist von der Stadt geplant, mit dem Senioren- und dem Behindertenbeirat zusammen die Infrastruktur zu verbessern“, heißt es weiter. Ein Treffen soll vor der Sommerpause anberaumt werden.

„Stadt muss etwas für Behinderte tun“

Volker Müller von der SPD Reinbek ist selbst nahezu blind und kennt die Probleme aus seinem Alltag. Er war im Zuge der Antragstellung mit Senioren- und Behindertenbeirat im Gespräch. In Reinbek sei noch nicht „sonderlich viel“ passiert, um den Alltag für gehandicapte Menschen zu erleichtern. 44 Jahre lang habe es im Rathaus beispielsweise keinen behindertengerechten Fahrstuhl gegeben. Das änderte sich erst 2017. „So langsam muss die Stadt etwas für behinderte Menschen tun“, sagt Müller.

Er räumt aber ein, das Bauamt berücksichtige bei neuen Projekten bereits die Barrierefreiheit. Und kleine Maßnahmen setzte die Stadt seit dem Antrag 2018 schon um. Das Parkdeck des Rathauses ist besser ausgeleuchtet. Eine Beleuchtung des Weges zum Jürgen-Rickertsen-Haus ist laut Verwaltung auf den Weg gebracht worden. Umgestaltungen am Schloss seien geplant. Bei Ortsbegehungen mit dem Seniorenbeirat sollen weitere Probleme gelöst werden.

Finanziell schwieriger Zeitpunkt

Volker Müller ist zuversichtlich: „Im Umweltausschuss haben sich bereits alle dafür ausgesprochen, dass etwas gemacht werden muss.“ Der Antrag sei nur zu einem finanziell schwierigen Zeitpunkt eingegangen, da bereits die Grundsanierung des Schulzentrums sowie die neue Feuerwache in Planung sind. „Ich hätte mir eher eine Lösung gewünscht, aber ich habe Verständnis. Wir werden am Ball bleiben und haben weitere Anträge vor. Reinbek soll eine inklusive Stadt werden. Neue Ideen werden wir im August vorstellen“, sagt Weigert.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Reinbek