Entsorgung

Elektroschrott: Annahmemenge wächst nur langsam

Marc-André Wieglow zeigt Katja Junge, wo sie ihren Elektroschrott hinstellen kann.

Marc-André Wieglow zeigt Katja Junge, wo sie ihren Elektroschrott hinstellen kann.

Foto: dörte hoffmann / Dörte Hoffmann

Reinbek. Es wird mehr Elektroschrott zum Reyceln abgegeben, doch längst noch nicht genug. Das wird auch in Reinbek deutlich.

Reinbek.  Die blinkenden Schuhe der Kinder, Badschränke mit Beleuchtung oder auch der Sessel mit Massagefunktion – sie alle fallen unter das neue Elektrogesetz, das im August 2018 in Kraft trat. Und damit gilt, lassen sich die elektronischen Bauteile nicht einfach demontieren, gehören auch diese Kleidungsstücke und Möbel zum Elektroschrott.

Nicht jeder Kunde auf dem Recyclinghof der Abfallwirtschaft Südholstein (AWSH) in Schönningstedt weiß das.

Vier große Container für Elektrogeräte

Vier große Container, die bis zu 33 Kubikmeter fassen, stehen dort bereit, um die aussortierten Teile aufzunehmen. „Neben der Unterscheidung Monitore und TV sowie Groß-, Klein- und Kühlgeräten haben wir noch eine Box für Lichterketten oder Akku-Kleingeräte wie etwa Handstaubsauger“, sagt Marc-André Wieglow (29, Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft. Geduldig beantwortet er Fragen der Kunden, weist auf die richtigen Container: „In der Regel arbeiten die Leute sehr gut mit und haben auch Verständnis, wenn die Wartezeiten mal etwas dauern.“

Am Dienstag stand er abwechselnd mit den Kollegen Stephan Tratz und Patrick Bähr am Eingang des Hofes, um die wartenden Autofahrer einzuweisen. Während Katja Junge aus Wohltorf einen Anrufbeantworter, ein altes Telefon sowie diverse Kabel in den Container für Elektro-Kleingeräte brachte, wuchtete Klaus Schellhas eine Mikrowelle zu den anderen Teilen. Der 72-jährige Glinder kommt regelmäßig, um Ausrangiertes zu entsorgen. „Wie ein Leipziger Allerlei, alles, was so im Haushalt anfällt“, verriet er. Innerhalb von nur einer Stunde war der Container fast zur Hälfte gefüllt.

Bislang keine Mehrarbeit durch neues Elektrogesetz

Auch wenn Elektroschrott immer mehr zunimmt, sind es doch am häufigsten Gartenabfälle, die zum Reinbeker Recyclinghof gebracht werden, sagt Marc-André Wieglow. So gebe es auch bislang durch das neue Elektrogesetz keine Mehrarbeit: „Obwohl es immer wieder mal vorkommt, dass Leuchtschuhe bei den Altkleidern landen.“ Ärgerlicher findet er, dass manche Leute ihren kleinteiligen Elektroschrott in einer Pappkiste sammeln und sie dann einfach so komplett in den entsprechenden Container stellen. „Die Pappe gehört hier natürlich nicht hin.“

Mehr als 160.000 Kunden jährlich besuchen den Recyclinghof der AWSH in Reinbek. „Er ist auch mit Abstand der größte“, weiß Marc-André Wieglow. An einem schönen Sommertag seien es manchmal bis zu 800 zahlende Kunden täglich. Anders als bei Grünabfall (1,80 €/100 lt.) ist die Abgabe von Elektroschrott für private Anlieferer kostenfrei.

Elektroschrott - ein weltweites Problem

Nach Angaben des Umweltbundesamtes (UBA) werden 59 Prozent der ausrangierten Kühlschränke, Waschmaschinen und Geschirrspüler in Deutschland nicht ordnungsgemäß gesammelt. Sie verschwinden in illegalen Sammlungen oder nicht zertifizierten Behandlungsanlagen. Eine Ressourcenverschwendung, denn die Geräte seien „wahre Schatzkisten an wiederverwendbaren Rohstoffen“. Die Deutschen kaufen nach UBA-Angaben fast zwei Millionen Tonnen neue Elektrogeräte im Jahr. Von 2019 an müssen die EU-Staaten 65 Prozent der Elektro-Altgeräte (berechnet nach Gewicht) einsammeln – dafür müssten in Deutschland etwa 350.000 Tonnen Elektroschrott zusätzlich pro Jahr erfasst werden. Alle Experten gehen davon aus, dass dies nicht erreicht wird.Nach einer aktuellen Studie produziert die Menschheit jährlich 50 Millionen Tonnen Elektroschrott – Tendenz stark steigend. Ein Großteil wird nicht fachgerecht recycelt. Recyclinghof Reinbek, Glinder Str. 30; Geöffnet: Mo.-Fr. 10-13 u. 13.45-16 Uhr (ab März 18 Uhr), Sa. 9-14 Uhr