Schmerzmittel

In Reinbek wird die Geburt mit Lachgas leichter

Die Hebammen Kailash Fiedler (li.) und Kerstin Noack demonstrieren Pressesprecherin Andrea Schulz-Colberg im Kreißsaal, wie sie bei einer Geburt vorgehen würden – im Test allerdings ohne Lachgas.

Die Hebammen Kailash Fiedler (li.) und Kerstin Noack demonstrieren Pressesprecherin Andrea Schulz-Colberg im Kreißsaal, wie sie bei einer Geburt vorgehen würden – im Test allerdings ohne Lachgas.

Foto: St. Adolf-Stift

Reinbek. Im St. Adolf-Stift kamen im vergangenen Jahr 859 Babys zur Welt. 550 Frauen inhalierten bei der Geburt Lachgas.

Reinbek.  Im Krankenhaus St. Adolf-Stift haben Emilia und Elias eindeutig die Nase vorn. Acht Mütter und Väter gaben ihren neugeborenen Kindern 2018 diese Namen. Ebenso beliebt sind in Reinbek Elias (achtmal), Mila und Emily (jeweils siebenmal), Greta (sechsmal) sowie Anton und Mia (jeweils fünfmal). Damit setzen sich die Eltern aus der Region durchaus vom bundesweiten Trend ab. Denn dort heißen die meisten Mädchen mit Geburtsjahr 2018 Emma und Hannah, bei den Jungen gibt es aktuell viele Bens und Leons auf den Kinderspielplätzen.

Insgesamt wurden im Reinbeker Krankenhaus 452 Jungen und 407 Mädchen geboren – und damit genau ein Kind mehr als 2017. Der geburtenstärkste Monat war der Februar, da erblickten 89 Babys das Licht der Welt – auch mit Hilfe von Lachgas, das Chefarzt Prof. Dr. Jörg Schwarz im Kreißsaal eingeführt hat.

Kaiserschnittrate um 13 Prozent gesenkt

Seit sieben Jahren leitet der 54-Jährige die Frauenklinik, hat mit seinem Ärzteteam die vormals sehr hohe Kaiserschnittrate von 43 Prozent auf unter 30 Prozent senken können. „Die Senkung betrifft vor allem die ungeplanten Kaiserschnitte unter der Geburt. Damit sind wir besser als der deutsche Durchschnitt und auch als einige Perinatalzentren der Umgebung“, sagt er.

Prof. Schwarz setzt das Lachgas seit fünf Jahren verstärkt ein. „Im vergangenen Jahr haben rund 550 der 859 bei uns gebärenden Frauen Lachgas genutzt. Das sind 75 Prozent aller Frauen, die keinen geplanten Kaiserschnitt hatten, also eine spontane Geburt zumindest angestrebt haben“, erklärt der Chefarzt. Früher haben circa 75 Prozent aller Frauen in Reinbek unter der Geburt – wie in anderen Kliniken auch – starke Schmerzmittel genommen, also Opiate.

Ziel: Opiate aus dem Kreißsaal verbannen

„Mir war wichtig, die leichten und starken Opiate ganz aus dem Kreißsaal zu verbannen, da sie sowohl den Zustand der Gebärenden beeinträchtigen, als auch zu Atemschwierigkeiten bei den Neugeborenen nach der Geburt führen können“, begründet Schwarz. Das Lachgas komme bei den Gebärenden sehr gut an, da es viele Vorteile habe: Zum einen wirke es schnell und könne von den Frauen selbst dosiert werden. Zum anderen sei es für Mutter und Kind vollkommen ungefährlich.

Schmerzlinderung ohne PDA kommt bei Müttern an

Das im St. Adolf-Stift verwendete Gas ist ein Gemisch aus 50 Prozent Lachgas (N2O) und 50 Prozent Sauerstoff (O2). „Es ist besser verträglich als reines Lachgas, das vor 150 Jahren für zahnärztliche Untersuchungen eingeführt wurde. Es ist geschmacks- und geruchslos und führt bei 75 Prozent der Frauen zu vollständiger oder zumindest zufriedenstellender Schmerzlinderung, und das ohne PDA“, sagt der Professor.

Lachgas nun in jedem Kreißsaal vorhanden

Einziger Haken: Bislang musste das Lachgasgemisch in einer schweren Metallflasche von Zimmer zu Zimmer gerollt werden. Nun hat das Krankenhaus für jeden der drei Kreißsäle eine eigene stationäre Vorrichtung angeschafft, sodass nun jederzeit allen Gebärenden die alternative Schmerzlinderung zur Verfügung steht.