Trennungsritual

Sie findet bei Scheidungen die passenden Worte

Roswitha Menke ist Trau(er)-Rednerin und schreibt jetzt auch Reden für Scheidungen.

Roswitha Menke ist Trau(er)-Rednerin und schreibt jetzt auch Reden für Scheidungen.

Foto: Susanne Holz

Wentorf. Keine Paukenschlag und keine Schlammschlacht, sondern ein versöhnliches Ende – das sollen die Scheidungsreden sein.

Wentorf.  Roswitha Menke ist an den Wendepunkten des Lebens dabei – bei Hochzeiten und Beerdigungen. Neuerdings auch bei Scheidungen, denn auch danach sei nichts mehr wie es vorher war, sagt die versierte Redenschreiberin. Auf die Idee, auch bei Trennungen die richtigen Worte zu finden, hat die Trau(er)-Rednerin der Großvater einer Braut nach einer romantischen Trauung gebracht. Nicht, dass er seine Enkelin schon vor dem Scheidungsrichter sah, aber: „Er hat mich nach der Traurede gefragt, ob ich eigentlich auch das Gegenteil mache. Ich dachte sofort an Scheidungen, er allerdings an Beerdigungen.“ Man lachte über das kleine Missverständnis – die Idee war von diesem Zeitpunkt an aber nicht mehr wegzudenken.

Klientel ist da: Scheidungsrate bei 37 Prozent

Rein statistisch gesehen ist für die Wentorferin ein großer Kundenkreis vorhanden. Allein im vergangenen Jahr ließen sich 153 501 Paare in Deutschland scheiden – durchschnittlich nach 15 Jahren Ehe. Die Scheidungsquote lag damit bei rund 37,67 Prozent, das heißt auf eine Eheschließung kamen rechnerisch circa 0,4 Scheidungen. In Amerika sind Scheidungspartys schon lange ein Trend. Statt Tränen und Taschentuch gibt es Torte und Tamm-Tamm. Ob große Party oder ausgefeilte Rede, Roswitha Menke ist von einem überzeugt: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, jedem Ende aber auch.“

Professionelle Erzählerausbildung

Dass in ihr eine einfühlsame Rednerin schlummert, kam eher durch Zufall heraus, als sie einmal für Freunde ein Märchen vorlas. „Alle spiegelten mir, dass ich eine gute Erzählerin sei“, erinnert sich die 60-Jährige, die Industriekauffrau und studierte Informatikerin ist. Kurz nach dem positiven Feedback machte sie tatsächlich eine Erzählerausbildung und hatte ihren ersten großen Auftritt bei Freunden. Die hatten heimlich geheiratet und wollten das ihren Gästen auf ungewöhnliche Weise mitteilen.

„Ich habe die Nachricht in ein Märchen gekleidet und am Ende die Trauringe aus der Tasche geholt. Als alle die Botschaft verstanden hatten, ging ein Raunen durch die Menge, viele Menschen hatten Tränen in den Augen“, erinnert sich die Wentorferin, die 23 Jahre der Liebe wegen in Bern in der Schweiz gelebt hat. Ab diesem Zeitpunkt wurde das Redenschreiben und Erzählen vom Hobby langsam zum Beruf.

Scheidungsreden als Ritual

Dass Sie nun auch Scheidungsreden anbietet, hat auch etwas mit ihrer eigenen Vita zu tun. „Als mein Mann und ich uns trennten, schlug ich am Scheidungstag vor, noch gemeinsam einen Kaffee trinken zu gehen. Er wollte das nicht, obwohl wir uns im Guten getrennt haben“, bedauert sie noch heute. Viele, viele Jahre später hat sie ihren Ehering an einem schönen Platz vergraben – ein Ritual, das einige seltsam finden könnten, ihr aber irgendwie geholfen hat, sagt sie. Ein kleiner Schritt auf dem Weg des Loslassens.

Statt Schlammschlacht ein versöhnliches Ende

Genau das sollen auch die Scheidungsreden sein. Kein Paukenschlag, keine Schlammschlacht, keine Abrechnung, sondern ein in Worte gefasstes Ende einer Beziehung, die mal mit Liebe begonnen hat. Damit sie ihre Rede schreiben kann, muss sie etwas über die Beziehung erfahren. „Ich würde nach drei positiven Punkten fragen und drei negativen“, erklärt sie. Naturgemäß habe dazu jeder Partner seine eigene Ansicht, auch das würde in die Rede einfließen. Wenn nur ein Partner das Ende der Ehe mit einer Rede besiegeln möchte, sei das auch kein Problem. Das Ziel der Scheidungsrede sei ein versöhnliches Ende. Und wenn sich die Geschiedenen im Gespräch plötzlich wieder näher kommen? Bestens, denn Roswitha Menke kann ja auch Traureden . . .