Wildkameras

Nur der Wolf lässt sich nicht fotografieren

| Lesedauer: 4 Minuten
Franziska Klotz
Wolfsbetreuer Gunther Esther stellt Fotofallen für Wölfe auf. Viele Tiere, hier Wildschweine, tappen nacht hinein - bislang nur keine Wölfe

Wolfsbetreuer Gunther Esther stellt Fotofallen für Wölfe auf. Viele Tiere, hier Wildschweine, tappen nacht hinein - bislang nur keine Wölfe

Foto: Franziska Klotz / BGZ

Wentorf. Wolfsbetreuer Gunther Esther will den Wolf vor die Kamera locken – doch das scheue Tier ziert sich.

Wentorf. „Ahuuuu!“ ruft Gunther Esther in den Wald hinein, die Hände zum Trichter geformt. „Ahuuuu“ schallt es aus zwanzig Kindermündern zurück. So heult sonst nur der Wolf. Heute hat sich eine Gruppe Kinder aus dem Wildniscamp in dem urtümlichen Wald zwischen der Wentorfer Golfstraße und der Bille eingefunden, um von Gunther Esther mehr über das scheue Tier zu erfahren, das sich seit Kurzem auch im südlichen Schleswig-Holstein und dem Raum Bergedorf immer öfter blicken lässt.

Ein Wolf in Bergedorf

Kaum zu glauben, aber wahr: Zuletzt wurde ein Wolf vor zwei Wochen, ungefähr gegen 21.30 Uhr, in Bergedorf gesehen. „Er zog mitten durch die Holtenklinker Straße“, sagt Gunther Esther. Der Jäger aus Wentorf ist offiziell vom Land Schleswig-Holstein bestellter ehrenamtlicher Wolfsbetreuer. Er selbst war zwar nicht dabei. Doch die Auswertung der Schilderung mehrerer Augenzeugen ergab: Es war kein Hund, der da aus Richtung Mohnhof stadtauswärts lief. „Es war tatsächlich ein Wolf“, ist sich Esther sicher.

Auch da, wo Gunther Esther heute die Kinder vom Wildniscamp unterrichtet, ist mit höchster Wahrscheinlichkeit schon ein Wolf entlanggelaufen. Gesehen hat Esther ihn nicht, aber drei Abdrücke von Wolfspfoten hat er gefunden.

Bislang noch kein Wolf geknipst

Deshalb hat der Wolfsbetreuer vor ein paar Wochen genau an dieser Stelle eine sogenannte „Wolfsfotofalle“ aufgebaut. Dabei handelt es sich allerdings nur um eine an einem Baum befestigte Kamera, die von allem, was vorbeiläuft, eine Aufnahme macht.

Seither hat Esther schon so manches Tier vor der Linse gehabt: eine Katze, einen Fuchs, Meisen, Rehe – und immer wieder Wildschweine. Ein Wolf war noch nicht dabei. Dennoch ist sich Esther sicher: An dieser Stelle kommt er vorbei.

Tier schwimmen durch die Elbe

Denn die Tiere, von denen mittlerweile wieder 350 in Deutschland leben, folgen einer ganz bestimmten Route von Süd-Osten in Richtung Norden, schwimmen durch die Elbe und kommen zwangsläufig am Stadtrand von Hamburg vorbei. „Auf der Wentorfer Lohe, in Börnsen, an der Bahnlinie zwischen Reinbek und Wohltorf, in Escheburg, am Brookdeich und auf der Holtenklinker Straße – überall dort wurden bereits Wölfe gesehen“, berichtet der Wolfsbetreuer.

Erst vorige Woche wurde ein Tier in einem Wohngebiet in Buchholz gesehen. „Bei Hamburg laufen sie manchmal in die Stadt hinein und geraten in eine Sackgasse auf dem Weg in den Sachsenwald.“

Kameras lauern auf der Nord-Route

„Warum ziehen die Wölfe denn in Richtung Norden?“, will Wildniscamp-Teilnehmer Phillip (8) wissen. „Das können wir nicht genau sagen“, meint Esther. „Wir wissen nur, dass es so ist. Mit den drei Kameras, die der Wolfsbetreuer in seinem Gebiet aufgestellt hat, versucht er, den Wolf auf seinem mutmaßlichen Weg in Richtung Nord oder Nord-West zu erfassen.

Eine zweite Fotofalle steht zwischen Buchtallee und Grübben beim letzten Haus Wohltorfs und die dritte hat Esther beim Kraftwerk in Krümmel aufgestellt. „Da das gesamte Gebiet entlang des Elbhangs eingezäunt ist, ist hier der einzige Durchlass weit und breit.“

75 Kilometer in einer Nacht

Die Kinder lernen an diesem Nachmittag in Wentorf, dass der Wolf in einer Nacht schon mal 75 Kilometer zurücklegen kann und eine ausgezeichnete Wahrnehmung hat. Dass er gut sehen und hören kann, aber nicht so gut fühlen. Dass er sogar Knochen zermahlen kann, wie man an seinem Kot sieht, der Reste davon enthält.

„Angst muss man vor ihm aber eigentlich nicht haben“, weiß Phillip. „Er hat mehr Angst vor uns als wir vor ihm. Denn er macht am liebsten einen großen Bogen um uns.“ So wie um die drei aufgestellten Wolfsfallen in der Umgebung bisher auch.

Infos an die Wolfshotline

Auf der Seite www.wildkamera-sh.de sind alle Kameras eingezeichnet. Wer meint, einen Wolf gesehen oder gehört zu haben, erreicht den hauptamtlichen Wolfskoordinator in Schleswig-Holstein, Jens Matzen, unter 0174 / 633 03 35 oder ruft die Wolfshotline an: (043 47) 70 43 25.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Reinbek