Tagespflege

Die „neuen Alten“ hören Rock ’n’ Roll

| Lesedauer: 3 Minuten
Von Susanne Holz
Michael Schwarz, Vorstand der Südstormarner Vereinigung, freut sich über den Anbau (re.) an das alte Bürgermeisterhaus am Völckers Park.

Michael Schwarz, Vorstand der Südstormarner Vereinigung, freut sich über den Anbau (re.) an das alte Bürgermeisterhaus am Völckers Park.

Foto: Susanne Holz / BGZ

Reinbek. Die SVS hat ihre Tagespflege für 1,8 Millionen Euro erweitert. Unter den Gästen zeichnet sich ein Generationswechsel ab.

Reinbek.  Das neue Atrium der Sozialstation Reinbek verwandelt sich täglich in einen Fitnessparcours. Wer mehrmals dort seine Runden gedreht hat, hat seinen Kreislauf schon am frühen Morgen ordentlich in Schwung gebracht. Damit die kleine Trainingseinheit auch jene meistern können, die nicht mehr ganz so sicher auf den Beinen sind, sind an den Seiten Handläufe zum Festhalten angebracht. Wer den neuen Anbau der Sozialstation betritt, merkt schnell, dass alles barrierefrei und bis in den letzten Winkel durchdacht ist.

Rickertsen-Stiftung gibt 800 000 Euro dazu

1,8 Millionen Euro hat die Südstormarner Vereinigung in das neue Gebäude investiert, das die Gesamtfläche von 400 auf 850 Quadratmeter vergrößert. 800 000 Euro davon hat die Georg- und Jürgen-Rickertsen-Stiftung zur Verfügung gestellt. Dass der gesamte Anbau in nur fünf Monaten fertig geworden ist, erfüllt Michael Schwarz, Vorstand der Südstormarner Vereinigung und Chef über mehr als 140 Mitarbeiter, mit Stolz.

In der Tagespflege in Reinbek werden derzeit 14 Gäste, wie Schwarz und sein Team die Männer und Frauen nennen, betreut. Perspektivisch können es bis zu 25 Gäste in zwei bis drei Gruppen werden. Der Platz ist nun da. Von morgens bis nachmittags geht es dem Team vor allem um eins: „Jeder Gast soll individuell und liebevoll betreut werden. Einen Fernseher gibt es bei uns nicht“, sagt Schwarz.

Sportprogramm im Atrium

Sobald der Fahrdienst alle Gäste morgens abgeholt hat, wird gemeinsam gefrühstückt. Im Anschluss werden die neusten Nachrichten aus der Tageszeitung vorgelesen. Die älteren Menschen, viele von ihnen an Demenz erkrankt, beteiligen sich zum Teil rege, denn Lokalnachrichten rufen Erinnerungen wach. Nach dem Sportprogramm im Atrium oder auf Stühlen wird gemeinsam musiziert, gemalt, gebastelt, vorgelesen und geklönt. Wer mag, legt sich nach dem gemeinsamen Mittagessen ein wenig hin. Danach folgen Gedächtnisübungen, Kaffeetrinken und vieles mehr.

Statt Marianne Rosenberg gibt’s Rock ‘n’ Roll

Pflegedienstleiterin Claudia Matthießen ist seit rund 30 Jahren dabei und stellt fest: Es gibt derzeit einen Generationswechsel. Die „neuen“ Alten sind anders. „Wenn wir singen, ist Marianne Rosenberg out. Jetzt sind Deep Purple und Rock ’n’ Roll angesagt“, nennt sie ein Beispiel. Plüschige Sessel und schwere, antike Schränke weichen modernem Mobiliar. Matthießen ist sicher, dass in Kürze auch der Computer zum Einsatz kommen wird. Denn für die kommenden Alten gehört er zum Leben dazu. Warum also nicht das Gedächtnistraining auf dem Labtop absolvieren?

Möglicherweise tun sich auch die Männer in Zukunft anfangs ein bisschen weniger schwer bei der Eingewöhnung, denn auch ihre Rolle hat sich in der Gesellschaft verändert. „Derzeit fühlen sich die Männer als Macher, sie sind Chef im Ring. Wir müssen viel Charme einsetzen, um sie auf unsere Seite zu ziehen. Aber dann läuft’s“, erzählt die Pflegedienstleiterin. Wie auch immer sich die Gesellschaft noch verändern wird: „Wir gehen mit der Zeit und bleiben am Ball“, verspricht Michael Schwarz.

Die Tagespflege (Völckers Park 8) sieht sich als Alternative zum Umzug in ein Heim sowie als Ergänzung zur ambulanten Pflege. Die Gäste können wählen, wie oft sie kommen möchten. Kontakt: (040) 72 73 84 10

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Reinbek