Mini-Fahrerin prallt gegen Eiche

| Lesedauer: 3 Minuten

Von Anne Müller

Reinbek.
Gestern Morgen kurz vor 9 Uhr: Ein grünes Mini-Cabriolet biegt von der Möllner Landstraße in die Große Straße ein. Hinterm Steuer sitzt eine junge Frau. Die 31-Jährige aus Großensee ist auf dem Weg zur Arbeit, kennt die Strecke Richtung Alt-Reinbek aus dem Effeff. Kurz vor der Ortseinfahrt Ohe - hier ist auf der Kreisstraße noch Tempo 100 erlaubt - überholt sie nach eigenen Angaben einen sehr langsam fahrenden dunkelroten VW Golf II. Doch als sie fast neben ihm fährt, zieht dieser plötzlich nach links in die Mitte der Straße.

Sie weicht aus, ebenfalls nach links. Dabei schleudert sie mit dem Mini in den Grünstreifen, verliert die Kontrolle über das Fahrzeug und prallt frontal gegen eine Eiche. Der rote Golf braust davon.

Die junge Frau kann sich selbst aus dem Autowrack befreien. Nach etwa zwei Minuten kommt ein anderer Autofahrer vorbei und alarmiert die Rettungskräfte. "Gott sei Dank", sagte ihr Vater gestern gegenüber unserer Zeitung. Er hofft nun, dass die Polizei den unfallflüchtigen Fahrer rasch ausfindig machen kann. "Meine Tochter konnte sich an den dunkelroten VW Golf II so gut erinnern, weil ihre Oma so ein Auto fuhr", sagte er. So ein auffälliges Auto, mit mehr als 20 Jahren schon fast ein Oldtimer, dürfte nicht häufig auf den Straßen zu sehen sein. Wer Hinweise auf den Halter geben kann, sollte sich unter (040) 7 27 70 70 an die Polizei wenden.

Die 31-Jährige erlitt zahlreiche Prellungen, wurde vorsorglich im Reinbeker Krankenhaus auf Brüche und innere Verletzungen untersucht. Der Mini wurde beim Aufprall total zerstört. Den Schaden schätzt die Polizei auf 7000 Euro. Die Straße musste 45 Minuten gesperrt werden.

Was die genaue Unfallursache war, warum der Überholte nach links ausscherte, ob er den Mini vielleicht sogar bewusst abgedrängt hat, muss nun geklärt werden. Die Polizei hat Anzeige wegen Verkehrsunfallflucht gegen Unbekannt gestellt.

Rasen, Drängeln und Pöbeln - generell geht es auf Deutschlands Straßen aggressiv zu. "Die Aggressionsdelikte im Straßenverkehr sind auf hohem Niveau", sagt Sonja Kurz, Sprecherin der Polizeidirektion Ratzeburg. Der Verkehrssicherheitsbericht 2014 weist allein für Stormarn 50 Anzeigen gegen Drängler aus. 28 608 Mal mussten sich Fahrer wegen Geschwindigkeitsübertretungen verantworten. "Die Verfehlungen am Steuer sind um ein Vielfaches höher, weil nicht jeder Verstoß angezeigt wird", schätzt Kurz. Die meisten ärgerten sich, erstatten aber keine Anzeige. Drängler könnten nur bestraft werden, wenn Betroffene Beweise wie Fotos oder Zeugenaussagen vorlegen.

Die Zahlen der regionalen Verkehrsstatistik zur Verrohung im Straßenverkehr entsprechen nach einer ADAC-Umfrage aus dem Jahr 2012 auch dem bundesweiten Trend. Danach fühlten sich 93 Prozent der befragten Autofahrer schon mehrfach als Opfer einer Nötigung.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Reinbek