Reinbek

Organspende rettet Leben - immer weniger haben Ausweis

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Ethiktag: Experten-Diskussion zum Thema im St. Adolf-Stift

In Deutschland trägt nur eine Minderheit einen Organspendeausweis bei sich, auf dem der eigene Wille für oder gegen eine Spende im Falle eines Hirntods dokumentiert ist. "Vielen Menschen fällt es schwer, bei diesem komplexen Thema eine Entscheidung zu treffen", sagt Pastor Florian-Sebastian Ehlert, Seelsorger am Krankenhaus St. Adolf-Stift und sogenannter "Ombudsmann für Ethik". Er widmet dem Thema Organspende nun eine Informationsveranstaltung.

Anlass für die Wahl des Themas sei die sinkende Bereitschaft in Deutschland, nach dem Hirntod von Angehörigen deren Organe zu spenden. Spendeten in Deutschland 2010 noch 1300 Betroffene, waren es 2014 nur noch 864.

"Inzwischen warten schon rund 12 000 deutsche Patienten auf ein Spenderorgan, und die Zahl derjenigen, die versterben, wird aufgrund der sinkenden Spendenbereitschaft weiter steigen", sagt Dr. Christian Hillert, Transplantationsmediziner im St. Adolf-Stift. Beim Thema Organspende gehe es auch um Solidarität in der Gesellschaft. Rein rechnerisch gäbe es für jeden todkranken Patienten in Deutschland ein passendes Organ, wenn mehr Menschen einen Organspendeausweis bei sich trügen.

Wer mehr über das Thema erfahren möchte, ist bei der Informationsveranstaltung "Organspende - was geht mich das an?" am Sonnabend, 21. März, willkommen. Als Gäste sind ein organtransplantierter Mann, die Angehörigen eines Organspenders, ein aktiver Transplantations-Chirurg, Dr. Hillert sowie eine Seelsorgerin dabei. Sie ist Mitglied im Ethikkomitee eines Transplantationszentrums. Zudem wird eine Mitarbeiterin der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) anwesend sein, die im Auftrag des Gesetzgebers die Organspende organisiert. Nach einem Kurzvortrag über die Fakten zur Organspende durch die DSO gibt "Visite"-Moderatorin Vera Cordes den Betroffenen Raum, in Einzelinterviews von ihren Erfahrungen zu berichten. Es schließt sich eine Fragerunde mit dem Publikum an.

"Der Ethiktag soll keine Systemdebatte zum Inhalt haben, sondern die Möglichkeit bieten, sich mit Aspekten auseinanderzusetzen, die in der Medienberichterstattung oft zu kurz kommen", sagt Pastor Ehlert. Vor allem die menschliche Seite hinter den Zahlen soll aufgezeigt werden. Der zweite Reinbeker Ethiktag ist von 10 bis 13 Uhr in der Aula der Pflegeschule anberaumt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Es wird ein Imbiss gereicht. Die Aula befindet sich in der Nähe der Parkpalette an der Loddenallee.

( (sho). )

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