Reinbek

Eltern fordern nun einen unparteiischen Vermittler

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Protest: Gemeinde kämpft weiter für ihren Jugenddiakon - Er war auf den Friedhof versetzt worden

Das Gemeindehaus der Maria-Magdalenen-Kirche war Mittwochabend rappelvoll, die Menschen standen bis in den Flur. Alle wollten wissen, wie es mit der Jugendarbeit in ihrer Kirchengemeinde weitergeht. Hintergrund: Der beliebte Jugenddiakon Sven Jörß hatte eine Änderungskündigung erhalten und wird seit Oktober auf dem Friedhof eingesetzt. Eine Entscheidung, die Eltern und Jugendliche nicht hinnehmen wollen. Mit einer Unterschriftensammlung hatten sie nun die Gemeindeversammlung erwirkt.

Viele der Gemeindemitglieder schüttelten schon beim Betreten des Raumes den Kopf. Die Zukunft des Reinbeker Diakons und seiner erfolgreichen Jugendarbeit wurde zwischen Umzugs- und Obstkartons diskutiert. Selbige stapelten sich hinter den zwölf Vertretern des Kirchengemeinderats als Überbleibsel vom letzten Basar.

Durch die Bank fand die Gemeinde flammende Worte für ihren Diakon, den alle liebevoll "Petz" nennen. "Petz fehlt an allen Ecken. Er war immer mit einem Rat zur Stelle", sagt Birte Groos (18). Die Pfadfinderin kündigte den Kirchenvertretern an, dass sie ohne Petz nicht beim geplanten Sommerlager in Schweden dabei sein wird. "Wir sind doch selber alle noch Jugendliche, bei Petz konnten wir uns darauf verlassen, Hilfe zu bekommen", begründet die Gruppenleiterin ihren Entschluss. Die Eltern räumten zwar ein, dass Petz sicher etwas unkonventionell sei, betonten aber, dass sie dies besonders an ihm schätzen, da so ein Arbeiten mit den Kindern auf Augenhöhe möglich sei. "Ich wage zu beurteilen, dass der Kirchengemeinderat nicht so beurteilen kann, wie wir Eltern", appellierte Ulrike Pallmeier-Gross, deren drei Kinder durch Petz betreut wurden. Dies sieht Eckhard Gabersek, Vater eines Sohnes (14), ebenso. "Wer kann besser beurteilen, ob Petz qualifiziert ist Kinder zu betreuen als die Eltern selbst."

Die Frage nach den genauen Hintergründen für die Änderungskündigung wurde durch den Kirchengemeinderat nicht beantwortet. Aus rechtlichen Gründen seien die Eltern auch erst durch den Gemeindebrief von der Versetzung informiert worden. "Wir können die Eltern schließlich nicht vor dem Arbeitnehmer informieren", so Pastor Rolf Kemper. Sven Jörß räumte ein, dass er die geforderte Weiterbildung zum kirchlich anerkannten Heimerzieher nicht absolviert habe, da er in seiner Kindheit sehr schlechte Erfahrung mit der Schule gemacht habe. "Ich habe dazu nicht den Mut gehabt." Die Gemeinde, aber auch Menschen aus Wentorf, Bergedorf und sogar Flensburg setzten sich für Jörß ein. "Er hat Großartiges für die Ökumene geleistet. Es ist krass zu sehen, dass Jörß Hunderte von Jugendlichen zusammenbringt", sagte Jan Wiltschek (22), der die Katholische Jugend in Harrislee bei Flensburg leitet. Antworten nach dem Warum haben die aufgebrachten Eltern zwar noch nicht. Verständigt haben sie sich aber darauf, dass nun ein kleiner Kreis am 18. Dezember weiterdiskutieren wird - möglicherweise mit einem externen Vermittler.

( (daf). )

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