Reinbek

Filmring nimmt Abschied von der guten alten Rolle

| Lesedauer: 3 Minuten

Technik: Cineasten führen heute Abend erstmals digital vor

Was 1956 mit einem Schülerprojekt am Gymnasium Reinbek begann, stellt sich nun den großen Herausforderungen der Moderne: Der Filmring Reinbek, das ehrenamtlich organisierte Programmkino, stellt heute Abend von seiner 35-Millimeter-Filmmaschine auf ein digitales Modell um. Das zuvor auf einer Spule laufende Band wird bei der Vorstellung am Montag also durch eine Festplatte ersetzt.

"Wir sind gezwungen, diesen Schritt zu wagen", erklärt Thomas Hoeck, erster Vorsitzender des Filmrings, mit Wehmut. Er weiß, dass viele Besucher im Sachsenwaldforum, dem Austragungsort der Filme, vor allem das nostalgisch anmutende Rattern der Maschine schätzen, denn gerade dies gebe der ganzen Sache doch seinen Charme. Aber die Umstellung sei schlichtweg unausweichlich: "Mittlerweile haben wohl rund 90 Prozent aller Deutschen Kinos auf digitale Maschinen umgestellt", sagt der 44-Jährige. Die Folge: Aktuelle Filme seien von den Verleihern auf einer Spule gar nicht mehr zu bekommen. "Aber wir möchten eben auch keine alten Filme zeigen", betont er.

Also musste eine neue Maschine her. Ein Jahr lang hat Hoeck nach einem geeigneten Modell gesucht. Möglichst gebraucht und eben nicht zu teuer sollte das neue Gerät sein. Der Etat des Filmrings sei schließlich nicht groß. Vor einigen Wochen kam dann das Angebot. Der Filmring könne eine Digitalmaschine der Serie zwei bekommen. Über den Kaufpreis schweigt Hoeck, erzählt aber begeistert: "Die Maschine diente zuvor nur für Pressevorführungen beim Filmverleih Warner. Somit ist sie zwar gebraucht, aber nicht viel gelaufen."

Schon einmal stand das Programmkino vor einer ähnlichen Herausforderung. Im Jahr 2002 - der Filmring zeigte Actionkracher und Komödien bis dato auf einer 16-Millimeter-Maschine - wurden die neuesten Streifen in dieser Größenordnung nicht mehr angeboten. "Das war die Zeit, in der DVDs im Kommen waren", sagt Hoeck. Der Filmring investierte in eine Maschine für 35-Millimeter-Bänder. Mit dieser Anschaffung reihte sich das Programmkino technisch gesehen in die Riege von Programmkinos wie dem Hamburger Abaton oder dem Passagekino ein. Bei der Erstvorstellung am 30. September 2002 wurde "Die fabelhafte Welt der Amelie" gezeigt. "Bei der Premiere der neuen Maschine ging alles schief", erinnert sich Hoeck und lacht laut auf. Abgesagt werden musste die Vorstellung damals trotzdem nicht.

Nun, elf Jahre später, steht dem Cineasten ein solcher Abend erneut bevor. Und noch zittert der Neuschönningstedter: "Wir holen die Digitalmaschine am Montagmorgen aus Jenfeld ab, im Sachsenwaldforum montiert ein Techniker die Anlage und am Abend um 19.30 Uhr soll es losgehen. Hoffentlich klappt das alles." Gezeigt wird der Film "Papadopoulos und Söhne", der Eintritt für Nichtmitglieder beträgt 5 Euro, Mitglieder zahlen 2,50 Euro.

Und übrigens: Die alte Filmmaschine darf im kommenden Jahr beim Open-Air-Kino vielleicht noch ein allerletztes Mal rattern.

( (lr). )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Reinbek