Reinbek

Rowohlt erfindet das E-Book neu

| Lesedauer: 3 Minuten
Anne Müller

Digitale Bücher: Serien-Krimi sorgt ab heute im und um das Internet für neue Leseerfahrungen

Das ist nichts für schwache Nerven: Leser des neuen Rowohlt E-Book-Krimis "Deathbook" können die Spannung von heute an auf Wunsch noch steigern - Anrufe vom Killer inklusive. Mit einem Fingerdruck wurde dafür gestern im Verlagshaus ein neues digitales Zeitalter eingeleitet. Um 18 Uhr aktivierte Georg Buß per Mausklick in Googles Play-Store eine neue App. Und das ist nur ein Baustein, mit dem das Buch auf Smartphones und Tablets geladen werden kann (siehe Kasten). Der Projektmanager für E-Books bei Rowohlt und ein 20-köpfiges Team des Verlages haben ein Jahr an der Vorbereitung des Internetprojektes gearbeitet.

Kurz nach dem Klick war die erste Episode des Serien-Thrillers online. Das transmediale Krimiabenteuer soll vor allem junge Leser zwischen 16 und 26 ansprechen. Der Gruselstoff rankt sich um Themen, die in der Internet-Community diskutiert werden. "Das Thema Tod und die Beschäftigung damit ist offensichtlich ein Bedürfnis", hatte der Autor Andreas Winkelmann bei Recherchen herausgefunden.

Die Story ist abwechselnd in Textpassagen und Filmen erzählt. Dabei bleibt der Verlag seiner Tradition treu, gute und spannende Bücher zu verlegen: "Wir möchten nicht in Konkurrenz zu Entwicklern von Internet-Spielen treten", betont Buß.

Außer auf den Bestsellerautor Andreas Winkelmann setzt Rowohlt auf die Kommunikationsplattformen des Internets, etwa Facebook, Twitter und Blogs. Leser können, moderiert von Krimiautor Winkelmann, mitspielen, erhalten dafür E-Mails oder Anrufe. Eine weitere Plattform bietet eine Internetseite ("posten und sterben") für deren Gestaltung die Bloggerin Insa Kohler ausgesucht wurde. Sie wird Teil der real-fiktiven Erzählwelt - denn auch im Krimi spielt ein Blogger eine zentrale Rolle.

Der Autor übernimmt die Rolle des Ermittlers. Nach einem schockierenden Todesfall in der Familie beginnt er zu recherchieren und stößt auf ein Netzwerk der Toten im Internet. "Fiktion und Realität sollen sich vermischen. Wer kann schon wirklich sagen, was im Internet real oder nicht real ist", sagt Winkelmann. Ein zentrales Thema ist der Umgang mit privaten Daten im Netz. "Wir haben vor dem Start der Live-Phase Internetnutzer angeschrieben und sie mit Details aus ihrem Privatleben konfrontiert. Viele waren erschrocken über das detaillierte Profil, welches sie von sich bereits preisgegeben haben." Die Details zur Geschichte hat Winkelmann mit dem Produzenten Gregor Middendorf entwickelt.

Seit drei Jahren bringt der Rowohlt-Verlag E-Books heraus. Seit Herbst 2010 gibt es die ersten mit Filmelementen angereicherten Monografien. Jetzt ist der Verlag mit dem Pilotprojekt einen Schritt weiter gegangen. "Wenn wir damit Erfolg haben, soll es fortgesetzt werden", kündigte E-Book-Koordinator Dr. Uwe Naumann an. Rowohlt rechnet mit sechsstelligen Downloads. Von heute an kann sich jeder auf das Abenteuer einlassen.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Reinbek