Chronist

Uwe Plog erfasst Reinbeks Geschichte in einer Chronik

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Online: 1000 Seiten hat der Archivar seit 1974 geschrieben

Er ist mit Herz und Seele Reinbeker: Uwe Plog (78), Ehrenvorsitzender der TSV und Namensgeber der Sporthalle, ist ein akribischer Leser unserer Zeitung. Seit 1974 führt er eine Chronik, in der er Ereignisse, Geburtstage, Jubiläen und Todesfälle mit Datum vermerkt. Jetzt hat er sie an die Stadtverwaltung übergeben, die sie online nach Jahrgängen sortiert auf die Reinbek-Homepage gestellt und so jedermann zugänglich gemacht hat.

"Jeden Morgen vermerke ich die wichtigsten Ereignisse mit der Seitenzahl auf dem Titel - zuerst der Reinbeker-, dann der Bergedorfer Zeitung", berichtet Plog. "Was ist so passiert? Wer hat was gesagt?" Für einige Ereignisse habe er weitere Blätter hinzugezogen. Wenn sich 15, 20 Zeitungen angehäuft haben, bringt er die Notizen zu Papier. "Die längste Zeit habe ich sie zusammengefasst in die Schreibmaschine getippt. Schließlich habe ich mich noch ein bisschen mit dem PC angefreundet", erzählt "Mr. TSV". Pro Monat kommen so durchschnittlich zwei DIN-A4-Seiten zusammen.

Die Idee kam dem einstigen Archivar an seinem Arbeitsplatz, dem Staatsarchiv Hamburg. Ein Kollege wertete dort die Hamburger Tageszeitungen für ein chronologisches Register aus. "So etwas wollte ich auch für Reinbek."

In der ersten Zeit habe er die fertige Chronik dem Bürgermeister zum Neujahrsempfang überreicht. "Doch ich bin nicht immer pünktlich fertig geworden. Dann habe ich die 30 Seiten an den Stadtarchivar weitergegeben."

1000 Seiten sind es im Laufe der Jahrzehnte geworden. Bremsen musste er sich bei seinen privaten Interessenschwerpunkten: "Ich konnte ja nicht jedes Fußballspiel von Seite neun samt Ergebnis aufnehmen." Bürgermeisterwahlen, Großbrände oder Richtfeste öffentlicher Bauten fehlen jedoch nicht. "Das habe ich lange Zeit mit viel Freude und Interesse gemacht", sagt Plog. "Aber mit 78 Jahren wird es doch ein bisschen viel." Doch ihn drückte die Sorge, dass niemand seine Aufgabe weiterführt und vor allem fragte er sich: "Wer soll an die Chronik herankommen, wenn niemand davon weiß?"

Die Lösung wusste schließlich Bürgermeister Bärendorf: Er sorgte dafür, dass die Chronik jetzt auf der Homepage der Stadt www.reinbek.de (unter dem Register "Stadt/Politik") zu finden ist. "Jetzt habe ich Ihnen ein Problem beschert", befürchtet Plog, der auch die Auswertung der Zeitung ab Anfang 2014 der Verwaltung überlassen will.

Bärendorf winkt ab: "Die Zeitungen lesen meine Mitarbeiter und ich ohnehin." Jetzt würden die angestrichenen Stellen erfasst und eingepflegt. "Wir werden aus datenschutzrechtlichen Gründen aber einiges ändern müssen." So würden wahrscheinlich beispielsweise 100. Geburtstage nicht mehr namentlich aufgeführt werden. Plog: "Aber die Bergedorfer Zeitung lesen wir selbstverständlich weiter. Wir müssen doch wissen, was in unserem Reinbek passiert."

( (st). )

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