Reinbek

Seifenkisten: Wilder Kampf um Sekunden

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Carsten Neff

Ladestraße wird zur Rennstrecke

„Platz da, aus dem Weg!“ schallen die Rufe durch die Ladestraße – und dann rollt es heran: das hölzerne Krokodil mit den zwei runden Kulleraugen, die rot-weißen Zähne angsteinflößend gefletscht. Das Gefährt des „Team Kroko“ hat sich schon nach dem ersten Lauf mächtig Respekt im Feld der Seifenkistenfahrer verschafft. 32 Kilometer pro Stunde zeigt die Radarpistole eines Zuschauers an – absolut rekordverdächtig.

Der grünen Krokodilskiste kann nur noch der rote Flitzer der Jugend-Feuerwehr Reinbek gefährlich werden. Das 16- köpfige Team ist noch mit letzten Tuningtricks beschäftigt. Dann stülpt sich Niklas Abel (12) den Helm über den Kopf und macht sich im Cockpit ganz klein: „Möglichst wenig Windwiderstand, keine Lenkausschläge“, das ist Niklas Plan. Die Männer schieben an, die Menge johlt, dem Moderator überschlägt die Stimme: „Das ist eine ganz andere Klasse, der Rennwagen unter den Seifenkisten.“ Jubel bei der Zieldurchfahrt: 22,09 Sekunden – Streckenrekord. Damit sahnt der rote Feuerwehr- Flitzer gleich den ersten und den zweiten Platz bei den unter 14-jährigen Fahrern ab.

Das Team Kroko landet auf Rang drei (23,7 Sek.), und Fahrer Sascha Bachmann muss eine kleine Krokodilsträne unterdrücken: „Die Feuerwehr ist ja auch mit einer gekauften industriellen Seifenkiste gestartet, wir haben unser Kroko immerhin selbst gebaut.“

Wie auch die anderen der 20 gemeldeten Teams. Die Konstruktionen waren kreativ, witzig – aber nicht alle wirklich schnell und robust. Die Seifenkiste des Frauenteams aus der Stadtverwaltung meldete schon einen Radbruch, bevor es überhaupt losging. Die „Pink Torpedo Ladys“ kamen daher nur geschoben übers Ziel. Im zweiten Lauf landete ausgerechnet Pilotin Jenny Laue von der Verkehrsaufsicht als einzige in der Strohbande – Totalschaden. Die Männer um Bauamtsleiter Sven Noetzel waren mit ihrem Doppelfahrrad zwar schneller, aber für einen Sieg nicht schnell genug. Der ging bei den über 14-Jährigen an Fahrer Jan Borjan von MC Hartgas (29,8 Sek.) und in der gemischten Klasse an das Team Blaulichthasen (29,4 Sek.).

Organisator Michel Richter- Brehm zeigte sich vom „ersten Reinbeker Seifenkistenrennen der Neuzeit“ begeistert und kündigte für das nächste Jahr eine Neuauflage an. „Dann gibt es vielleicht auch einen Preis für den kreativsten Eigenbau“, so der Leiter des JUZ Reinbek.

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