Feuer

Feuer im "Waldhaus" - Hotel evakuiert

| Lesedauer: 5 Minuten

Reinbek. Abruptes Ende einer Weihnachtsfeier im "Waldhaus" Reinbek: Am 1. Weihnachtsfeiertag gegen 12.30 Uhr schlugen plötzlich Flammen am Dachstuhl empor. 650 Gäste und Angestellte mussten Hotel und Restaurant verlassen.

„Das war wirklich knapp“, sagt Reinbeks Feuerwehrchef Christian Niemann. Gemeinsam mit mehr als 100 Kameraden aus Reinbek, Ohe, Schönningstedt und Glinde bewahrte er am ersten Weihnachtstag das Romantikhotel „Waldhaus Reinbek“ an der Loddenallee vor einem größeren Schaden, löschte einen brennenden Dachstuhl. Unvergessen bleibt der Brand, der vor 20 Jahren den gesamten Gebäudekomplex in Schutt und Asche gelegt hatte.

Die gute Nachricht vom Wochenende: Die meisten Gäste blieben unverletzt, allerdings musste ein Koch vom Rettungsdienst ins Krankenhaus gebracht werden, weil er von einem Dachziegel am Kopf getroffen wurde, sieben Menschen wurden wegen leichter Rauchvergiftungen ambulant behandelt. Bis auf drei jetzt renovierungsbedürftige Zimmer nahm das Hotel keinen Schaden. Davon überzeugte sich auch Reinbeks Bürgermeister Axel Bärendorf, der sofort seine Weihnachtsfeier unterbrach, um sich vor Ort über die Lage informieren zu lassen.

Dass es diesmal nicht so schlimm gekommen ist, ist dem schnellen und professionellen Einsatz der Feuerwehrleute zu verdanken. Die hatten aber mit einigen Problemen zu kämpfen. Etwa 600 Gäste und 50 Mitarbeiter des Hotels und Restaurants mussten in Sicherheit und vom Einsatzort weg gebracht werden. Auf demselben Weg mussten die Retter aber auch mit ihren tonnenschweren Löschfahrzeugen anrücken. Bei den frostigen Temperaturen gefror dann auch noch das Löschwasser.

„Das Feuer hat ganz klein begonnen“, schildert Norman Kerle. Der 39-Jährige aus Münster war Gast im „Waldhaus“ und gönnte sich gegen 12.30 Uhr gerade vor der Tür eine Zigarette. „Da habe ich gesehen, wie der Hausmeister mit einem Gasbrenner Eis am Dach über der Eingangstür abtauen wollte“, berichtet Kerle, der wenig später das Feuer entdeckte. Das Feuer fraß sich schnell in dem dreigeschossigen Dach des Gebäudes empor, in einem Bereich, der vor einigen Jahren schon einmal gebrannt hatte. „Wir hatten dasselbe Problem wie damals, mit unserer Drehleiter vernünftig ans Dach zu gelangen“, sagt Feuerwehrchef Niemann. Deshalb forderte er aus Glinde eine zweite Drehleiter an. Doch auch die musste mehrfach umgesetzt werden. Parkende Autos ließen den Maschinisten kaum Spielraum beim Rangieren, zusätzlich behinderten Bäume im Vorgarten den Einsatz. Kurzerhand wurden einige Äste abgesägt. Um verborgene Brandnester aufzuspüren, deckten die Feuerwehrleute das Dach großflächig ab. Darunter wurden verkohlte Teile der Unterkonstruktion sichtbar. Mit vier Strahlrohren wurden die Flammen gelöscht.

Andere Feuerwehrleute und die hinzu gerufenen Helfer der Schnell-Einsatz-Gruppe (SEG) des Kreises brachten währenddessen die Gäste in Sicherheit. „Wir haben sie durch den Küchenausgang gelotst, unsere Mitarbeiter haben zusammen mit Feuerwehrleuten ein Spalier gebildet“, erzählt Moritz Kurzmann, stellvertretender Hoteldirektor. Die Einsatzleitung hatte telefonisch beim Krankenhaus St.-Adolf-Stift nach einer vorübergehenden Aufnahme der Menschen angefragt und eine positive Rückmeldung bekommen. Dort erhielten die durchgefrorenen Gäste, die nicht dem Wetter entsprechend gekleidet waren, heiße Getränke von den SEG-Helfern.

„Das war wunderbar, der Schreck war groß, als wir plötzlich alle raus mussten“, berichtete Rita Maibohm aus Barsbüttel. Auch Peter Kleinert aus Hamburg gehörte zu den Gästen, die sich im „Waldhaus“ ein festliches Buffet gönnten. „Plötzlich kamen die Mitarbeiter und die Feuerwehrmänner rein und haben uns aufgefordert, sofort das Haus zu verlassen. Über dem Eingang loderten da bereits Flammen“, sagt er.

Während das Weihnachtsessen für die Gäste abrupt beendet war, konnten die Hotelgäste am späten Nachmittag wieder in ihre Zimmer zurück. Nur die Zimmer im direkten Brandbereich waren durch Rauch und Löschwasser etwas in Mitleidenschaft gezogen und unbewohnbar. „Wir konnten unsere Gäste in anderen Zimmern unterbringen. Der Restaurantbetrieb ging am Sonnabend schon um 16 Uhr weiter“, sagte Kurzmann gestern. Die 50 Zimmer und Suiten in dem 5-Sterne-Luxushotel an der Loddenallee kosten bis zu 435 Euro pro Nacht.

„Ich bin sehr froh, dass die Feuerwehr so schnell hier war und das Haus gerettet hat“, sagte „Waldhaus“-Chef Dieter Schunke, der die Löscharbeiten verfolgte. „Wir machen das alles schnell wieder fertig und es geht weiter“, sagte er.

Die Kriminalpolizei hat jetzt die Ermittlungen aufgenommen, um den genauen Brandverlauf zu rekonstruieren. Ob der Hausmeister mit dem Versuch, Eiszapfen abzutauen, das Feuer in Gang setzte, oder ob es eine andere Brandursache gibt, muss sie nun klären. Der Schaden, den das Feuer auslöste – allein durch den Ausfall im zwei Mal voll ausgebuchten Restaurant – beträgt mehrere 10.000 Euro. „Das ist jetzt nebensächlich“, sagte Schunke. Seine Gäste bittet er um Entschuldigung.

( tja )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Reinbek