Technik

Baden ist das "reine" Vergnügen

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Susanne Holz

Reinbek. Sie haben Badehosen oder Bikini an, rutschen mit anderen um die Wette, ziehen im Becken ihre Bahnen oder hauchen gut gelaunt bunten Schwimmflügeln Leben ein. Exakt 210 748 Menschen waren im vergangenen Jahr zu Gast im Freizeitbad Reinbek.

Im Freizeitbad sorgt ein großes Filtersystem dafür, dass das Wasser höchster Qualität entspricht.

Nicht wenige von ihnen stellten Badleiter Holger Kehl und seinem Team dieselbe Frage: "Wie oft wird das Wasser in den Becken komplett abgelassen und wieder aufgefüllt?" Die Verwunderung ist immer groß, wenn die Antwort lautet: "Eigentlich nie." Ein ausgeklügeltes Filtersystem im 2753 Quadratmeter großen Keller sorgt für eine hohe Wasserqualität - und dafür, dass die Badegäste in glasklarem Wasser schwimmen.

Die Gesamtwasserfläche des Freizeitbades ist so groß wie neun kleinere Einfamilienhäuser - 910 Quadratmeter. Allein das Hauptbecken fasst eine Million Liter Wasser. Insgesamt sind es 1 256 000 Liter. Viel Nass, das täglich gefiltert werden muss. Aber wie geht das?

Jeder Schwimmer, ob Kind oder Senior, verdrängt in den Becken Wasser (Nummer 10 auf der Skizze), das die Überlaufrinnen (1) durchströmt und in die Schwallwasserbehälter im Keller (2) fließt. Diese dienen als Zwischenspeicher, die das Wasser zunächst sammeln. In diese Behälter wird auch das Frischwasser aus dem Stadtnetz eingespeist. Pro Tag kommt da eine stattliche Menge zusammen, es gilt die Regel: Für jeden Gast müssen 30 Liter Frischwasser zugeführt werden. Damit im Keller nicht "still ruht der See" gespielt wird, sorgen spezielle Umwälzpumpen (4) dafür, dass das Wasser aus den Schwallwasserbehältern über die Aufbereitungsanlage wieder in die Becken befördert wird. Doch soweit ist es noch lange nicht.

"Zunächst werden die kleinen Reste von Gummitieren, Taucherbrillen oder Haare und Badeanzugflusen durch sogenannte Faserfänger geschleust", erklärt Badleiter Holger Kehl. Sie sehen aus wie übergroße Stand-Käsereiben und werden einmal in der Woche gereinigt. Nach dieser Prozedur erfüllt das Wasser jedoch noch lange nicht die strengen Kriterien. Denn auch wenn sich jeder Badegast vor dem Sprung vom Beckenrand mit Seife und Bürste abschrubbt, bleiben Mikroorganismen auf der Haut, landen im Wasser und müssen laut DIN 19643 abgetötet werden. Genauer gesagt 10 000 Stück eines speziellen Keimes binnen 30 Sekunden.

Nach der ersten groben Reinigung ist nun die Filteranlage (6) gefragt. Allein deren Stahl-Behälter sind so groß, dass man darin gemütlich ein Bad nehmen könnte: Sie haben einen Durchmesser von 2,8 Metern und sind drei Meter hoch. "Als Filtermaterial dient hier Quarzsand und Spezialkohle", erklärt Kehl. Der Fachangestellte für Bädertechnik ist viel mehr als der klassische Schwimmmeister, den viele in ihm sehen. Er ist nicht nur Schwimmlehrer und Retter in der Not, sondern kennt sich zusätzlich noch mit der gesamten Technik aus. "Wir überwachen das komplette Filtersystem, und wenn etwas kaputt geht, wissen wir auch, wie wir es warten und reparieren müssen."

Um auch die kleinsten Belastungsstoffe aus dem Wasser zu entfernen, wird vor den Filtern ein Flockungsmittel zugegeben (5), das kleinste Bestandteile, die man mit dem bloßen Auge nicht sehen würde, vergrößert. "Ansonsten wäre das Wasser schnell trüb", so Kehl. Die nun sichtbaren Schmutzpartikel werden schließlich ausgefiltert. Das jedoch gelingt nicht mit allen Stoffen. Um die Wasserqualität zu gewährleisten, wird das Frischwasser zugeführt.

Damit niemand im eiskalten Wasser baden muss, wird ein Teil des Wassers mit Hilfe des Wärmetauschers (7) auf 50 bis 60 Grad geheizt und nach Zugabe von Desinfektionsmittel (8) mit dem Rest des kälteren Wassers gemischt. Durch die Zugabe von Lauge oder Säure erfolgt die ph-Wert-Korrektur (9). "Der Badegast soll sich wohlfühlen, deswegen peilen wir einen ph-Wert von sieben an. Das ist nahezu neutral. Erst dann wird das Wasser wieder in die Becken gepumpt", sagt der Wasserexperte.

Wenn seine Maschinen richtig Vollgas geben, können sie inerhalb von drei Stunden das komplette Wasser des Freizeitbades einmal umwälzen. Damit mehr als 200 000 kleinen und großen Gästen 365 Tage im Jahr das Abtauchen jederzeit Spaß macht. . .

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