Wildschwein-Übergriffe

Auf dem Bolzplatz ist die Sau los

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Anne Müller

Wenn Fußballer sagen, "wir pflügen den Rasen um", legen sie sich besonders ins Zeug. Das hat sich auch eine Wildschwein-Rotte in Ohe zum Motto gemacht. Allerdings mit weniger sportlichen und dafür kostspieligen Konsequenzen für die Stadt.

Stadt reagiert auf nächtliche Wildschwein-Übergriffe. Der Spielrasen wird eingezäunt.

. Der Bolzplatz in Ohe gleicht nach dem jüngsten Besuch einer Mondlandschaft. Den nächtlichen Fitnessstunden der Schwarzborsten soll deshalb Einhalt geboten werden, kündigte Bürgermeister Axel Bärendorf an. Ein Wildzaun wird die hungrigen Tiere künftig davon abhalten, unter den Grassoden nach Würmern und Engerlingen zu suchen.

Eigentlich könnte nur ein Elektrozaun die intelligenten Säue fernhalten, sagt Bärendorf, doch der Platz werde von Kindern genutzt und das wäre zu gefährlich. 12 000 Euro kostet die "Abwehrflanke". Ein Teil des Rasens ist zudem so zerstört, dass er neu angelegt werden muss. Der Zaun wird mit Ankern gesichert, damit sich die Schweine nicht durchbuddeln können.

Zwar lassen die Tiere noch nicht ganz so extrem wie in Wentorf die Sau raus, doch auch in Reinbek nimmt der "Druck aus den Wäldern" auf die bewohnten Gebiete zu, hat Ordnungsamtsleiter Manfred Eggert festgestellt. "In den vergangenen zehn Jahren hatten wir so gut wie keine Vorfälle. In diesem Jahr wurden schon zwei Wildschäden gemeldet." Hauptsächlich aus Ohe, Büchsenschinken und Gärten an der Bille. Landwirt Kai Dusenschön wurde von der Stadt als Wildschadenschätzer eingesetzt und hat jüngst bei Kollegen den Verlust für umgepflügte vier Hektar Weideland mit 2500 Euro beziffert. "Aber längst nicht jeder Schaden wird auch gemeldet", weiß er. Für ganz Reinbek komme schon ein fünfstelliger Betrag zusammen. Eine Chance auf Schadensersatz gibt es nur in Jagdgebieten, in denen der Pächter die Jagd vernachlässigt hat. Vor allem auf Maisfelder hat es die "Feinschmeckersau" abgesehen. "Das ist ein Magnet für Schwarzwild", sagt Helmut Karstens, der für das Gebiet um Schönningstedt als Jagdpächter eingesetzt wurde. "Wenn die Mais wittern, sind sie sofort da." Auch hat er beobachtet, dass die Tiere den Respekt vor Menschen verloren haben. Die kleinen Rotten durchstreifen Reinbeker zum Beispiel von Sachsenwaldau kommend über den Kattenbaum bis zur K 80. Etwa in Höhe des Schönningstedter Neubaugebietes überqueren sie beim Kreisel die Königstraße. In der Nähe sind im vergangenen Jahr drei Tiere von Autofahrern "erlegt" worden. Wie viele Trupps auf nächtlichen Futterzügen unterwegs sind, kann Karstens nicht schätzen. Die Tiere sind sehr unstet. Daten gibt es nur über die zur Strecke gebrachten. In Stormarn waren es nach Auskunft der Jagdbehörde im vergangenen Jagdjahr 879.

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