Standortsuche

Wentorfer Politik streitet um neuen Platz für Kita

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Susanne Tamm
Die Kita Lütte Lüüd befindet sich auf dem Gelände der Grundschule. Noch läuft die Standortsuche.

Die Kita Lütte Lüüd befindet sich auf dem Gelände der Grundschule. Noch läuft die Standortsuche.

Foto: Susanne Tamm

Das Gebäude der Kita Lütte Lüüd soll für die Offene Ganztagsschule der benachbarten Grundschule um zwei Etagen aufgestockt werden.

Wentorf. Blockade-Politik werfen die Wentorfer Liberalen jetzt CDU und Grünen vor: Den Vorschlag der Verwaltung, Standortsuche zu betreiben und einen Kita-Neubau zu errichten, um perspektivisch eine weitere Betreuungsgruppe für die kleinsten Wentorfer einrichten zu können und vor allem der Offenen Ganztagsschule (OGS) eigene Räume in der alten Kita zu bescheren, hätten Christdemokraten und Grüne sabotiert.

CDU und Grüne: Aufstockung als Alternative zur Standortsuche

Statt sich für einen neuen Standort der Kita zu entscheiden, habe die CDU nun im Liegenschaftsausschuss einen Antrag eingebracht, der die Aufstockung der Kita Lütte Lüüd um zwei Etagen vorsieht – notfalls im laufenden Kita-Betrieb. In diese soll später die OGS einziehen.

„Als Partei der Bildung setzen wir uns für beste Betreuung schon im frühkindlichen Alter ein“, sagt Günter Weblus (FDP). „Die unheilige Allianz aus CDU und Grünen verhindert weiterhin eine zeitnahe Entscheidung für dringend benötigte neue Räume. Und das nach mittlerweile zwei Jahren Diskussion.“

Spielplatz Petersilienberg als Kita-Platz wurde abgelehnt

Wie berichtet, hatte die Verwaltung einen Neubau auf dem Spielplatz Petersilienberg vorgeschlagen, damit die Offene Ganztagsschule in die heutigen Räume der Kita Lütte Lüüd auf dem Gelände der Grundschule ziehen könnte.

Den Standort auf dem Spielplatz hatten Grüne, CDU und SPD entschieden abgelehnt. Der Planungsausschuss hat 27 Vorschläge für andere Standorte gesammelt, von denen nur zwei realistisch sind: der Containerplatz am Wohltorfer Weg, der allerdings zu klein ist, und die Grünfläche an Amandas Garten.

SPD will das Verfahren beschleunigen

Im Liegenschaftsausschuss jedoch hat die CDU dem Thema eine neue Richtung gegeben und einen Antrag gestellt, der von FDP und Zukunft Wentorf anscheinend missverstanden worden ist. „Dabei geht es nicht darum, dass wir keinen neuen Standort mehr für die Kita wollen“, bekräftigt Ilhan Farrenkopf (SPD).

Als Vorsitzender des Liegenschaftsausschusses habe er sich beim Beschluss enthalten. „Wir wollen parallel zur Standortsuche einen Versuchsballon starten, um das Verfahren zu beschleunigen.“

Umbau während des laufenden Betriebs lehnt Kita-Leitung ab

Gegen das Ansinnen hat auch Sabine Denß, Leiterin der Kita Lütte Lüüd seit 2005, starke Bedenken: „Den Umbau während des laufenden Betriebs finde ich absolut besorgniserregend“, sagt sie.

„Zumindest eine Institution, entweder unsere Kita oder die Grundschule, müsste während der Bauarbeiten viel Außenfläche abgeben. Die Eltern müssten sich durch eine Baustelle bewegen, um ihre Kinder zu bringen und abzuholen.“

Durch Aufstockung würde die Kita an Luft und Licht verlieren

Der Lärm würde den Alltag der Kleinen, die auch in der Kita Mittagsschlaf halten, erheblich beeinträchtigen. Die baulichen Veränderungen würden auf jeden Fall eine Verschlechterung für die 113 Kinder von ein bis sechs Jahren, bedeuten, sagt Sabine Denß. „Das Licht von oben macht bislang den Charme unserer Räume aus“, erzählt sie.

Die Aufstockung würde eine komplette Verdichtung mit sich bringen, die Einrichtung würde an Freiheit, Luft und Licht verlieren. „Aber abgesehen von meinen persönlichen Bedenken gibt es einfach gesetzliche Auflagen, die erfüllt werden müssen“, erklärt Denß.

Kreis untersagt Baumaßnahmen im laufenden Kita-Betrieb

Die Antwort der Heimaufsicht für Kindertageseinrichtungen des Kreises Herzogtum Lauenburg ist eindeutig: „Bauarbeiten auf einem Kita-Gebäude wären nur während der Schließzeiten möglich. Bei laufendem Kita-Betrieb könnte sich unsere Kita-Aufsicht so etwas aus Sicherheits- und aus Lärmschutzgründen nicht vorstellen“, sagt dazu Kreissprecher Tobias Frohnert.

FDP und Zukunft Wentorf haben die Aufstockung bei laufendem Betrieb abgelehnt. „Sie ist nicht durchführbar“, erklärt Günter Weblus und fragt: „Wie glaubwürdig ist Politik, die rhetorisch die herausragende Bedeutung von Schule, OGS und Kita für die Gemeinde betont, ihre drängenden Probleme aber nicht zu lösen gewillt ist?“

Holzständerbauweise ist im Gespräch

Der Versuch der Verwaltung, im Liegenschaftsausschuss endlich die seit Langem bekannte Standortfrage für den Neubau der Kita Lütte Lüüd einer Lösung zuzuführen, sei durch Mehrheitsbeschluss von Grünen und CDU kurzerhand – ohne Aussprache – abgewürgt worden. „Was halten wohl die Bürgerinnen und Bürger, Eltern und Pädagogen von diesem merkwürdigen Vorgang?

Ilhan Farrenkopf beschwichtigt: „Die Verwaltung soll den Umbau in Holzständerbauweise nur ausschreiben, um zu schauen, wie schnell so etwas möglich wäre.“ Denn bei dieser Bauweise könne ein beauftragtes Unternehmen die Wände andernorts vorbereiten und in vergleichsweise überraschend kurzer Zeit vor Ort errichten. Die CDU hat dafür die dreiwöchige Schließzeit während der Sommerferien vorgeschlagen, notfalls noch eine kurze Zeit darüber hinaus.

CDU und Grüne haben ihren Willen durchgesetzt

„Das ist doch Kokolores, ein undurchdachter Schnellschuss“, sagt Jens Gehringer, einer der beiden Fraktionsvorsitzenden von Zukunft Wentorf. „Auch der Innenausbau macht Lärm und bräuchte die Außenflächen während der Arbeiten. Uns geht es vor allem um das Kindeswohl. Eine Kindergartenzeit auf der Baustelle zu verbringen, halten wir für nicht förderlich.“

CDU und Grüne haben mit ihrer Mehrheit und einer SPD-Stimme ihren Willen durchgesetzt, dass die Verwaltung den Umbau bei laufendem Betrieb ausschreiben soll. Die Kinder müssten allenfalls kurzfristig woanders untergebracht werden, hieß es.

600 Kinder warten in Wentorf auf einen Kita-Platz

„Aber wo?“, fragt Jens Gehring. „Dass wir mehr Kita-Plätze brauchen, ist seit mehr als zwei Jahren bekannt. Wir wollen mehr Plätze schaffen und nicht vernichten. Eine Entscheidung ist längst überfällig.“

Auf der Warteliste finden sich mehr als 600 Kinder. Am heutigen Donnerstag, 25. November, steht das Thema wieder auf der Tagesordnung des Planungsausschusses. Die Sitzung beginnt um 19 Uhr im Rathaus, Hauptstraße 16.

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