Gastronomie

So soll Abriss der Villa Bode in Glinde verhindert werden

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René Soukup
Eigentümer der Villa Bode am Glinder Mühlenteich ist jetzt eine Immobiliengesellschaft aus Schleswig-Holstein.

Eigentümer der Villa Bode am Glinder Mühlenteich ist jetzt eine Immobiliengesellschaft aus Schleswig-Holstein.

Foto: René Soukup

Schließung des Restaurants San Lorenzo und Verkauf der Villa hat in Glinde für Entsetzen gesorgt. Was nun geplant ist.

Glinde. Sie ist ein Hingucker, die 1887 erbaute Villa Bode am Glinder Mühlenteich. Nur wie lange noch? Der neue Eigentümer hat die Möglichkeit, das Gebäude, in dem bisher das Restaurant San Lorenzo war, abzureißen und durch einen größeren Neubau zu ersetzen. Das will die Politik unbedingt verhindern und erwägt das Verhängen einer sogenannten Veränderungssperre. Bevor es dazu kommt, ist Bürgermeister Rainhard Zug gefragt. Er soll im Gespräch mit dem Käufer eruieren, welche Pläne dieser mit der Immobilie auf dem Filetgrundstück hat.

Es ist ein heikles Thema, deshalb behandelten es die Entscheidungsträger im nicht öffentlichen Teil des jüngsten Ausschusses für Umwelt und Klimaschutz. Auf der Gremiumssitzung soll es so abgelaufen sein: Die Christdemokraten preschten vor und verlasen einen Antrag mit dem Inhalt einer Veränderungssperre. Sie ist nach Paragraf 14 Baugesetzbuch ein Sicherungsinstrument, mit dem Kommunen kurzzeitig keine weiteren Baugenehmigungen auf einem bestimmten Gebiet erlassen. Das Dokument wurde dann beiseite gelegt, mit dem Verwaltungschef vereinbart, dass er sich jetzt um die Angelegenheit kümmert.

„Ich hätte ohnehin Kontakt aufgenommen“, sagt Zug. Die Sache sei ein „heißes Eisen“. Viele Worte will er nicht darüber verlieren, der Name des Käufers sei ihm noch unbekannt. Nach Informationen dieser Redaktion handelt es sich um eine Immobiliengesellschaft aus Schleswig-Holstein.

Aus für Nobel-Italiener in Glinde: Abriss der Villa Bode?

In dem Gebäude war seit 1998 das Nobel-Restaurant San Lorenzo beheimatet, ein Musterbetrieb und zugleich Aushängeschild für die Stadt. Gäste kamen auch aus Hamburg. Das Lokal wurde mehrfach ausgezeichnet, bereits ein Jahr nach der Eröffnung vom Guide Michelin erwähnt. Die Betreiber, Iris und Giuseppe Dellavecchia, waren erst Pächter, kauften das Haus 2007. Sie wollten die Erfolgsgeschichte weiterschreiben, die 70 Plätze um 20 erhöhen und den Komplex vergrößern. Geplant waren ein barrierefreier Zugang, eine neue Küche sowie eine Extra-Spülküche, moderne sanitäre Anlagen und ein Ausbau des Wohnbereichs.

Mit seinem Ansinnen trat das Ehepaar lange vor Corona an die Stadt heran. Ein erster Entwurf fand 2017 in der Politik keine Mehrheit. Daraufhin reduzierte der beauftragte Architekt die Grundfläche um 27 Prozent auf 226 Quadratmeter, hielt am Staffelgeschoss fest. Die SPD kritisierte an den neuen Skizzen den Flächenanteil des Grundstücks, der bebaut werden darf. Den Parteien wurde versprochen, dass das Haus die möglichen Ausmaße nicht ausschöpft, bestimmte Kennzahlen aber für die Umgestaltung der Außenanlagen nötig sind. Im Januar dieses Jahres stimmte die Stadtvertretung dem Bebauungsplan mehrheitlich zu. Ohne diesen Beschluss wäre ein Neubau nicht möglich.

Gastronomie: Betreiber konnten kein qualifiziertes Personal finden

Davon waren die Politiker ohnehin nicht ausgegangen. Sie wollten ausschließlich dem Unternehmen eine Perspektive bieten. Klar ist aber auch: Mit der Entscheidung ist der Wert des Grundstücks sprunghaft gestiegen.

Als die Dellavecchias die Schließung des Restaurants und den Verkauf der Immobilie vor Kurzem bestätigten, war das Entsetzen groß. Sie begründeten ihren Entschluss mit der Pandemie, würden kein qualifiziertes Personal finden. Der Großteil der Angestellten habe sich umorientiert.

Neubau mit drei Geschossen und Luxus-Wohnungen ist möglich

„Ich fühle mich getäuscht, auch wenn keiner Corona vorhersehen konnte. Das hat ein bisschen Geschmäckle“ sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Rainer Neumann. Jetzt will er nach vorne schauen mit dem Ziel, die Gründerzeitvilla zu erhalten. „Wenn es eine Einigungsmöglichkeit gibt, sollte man es versuchen. Wir wollen nicht gleich auf Konfrontationskurs gehen.“ Was er damit meint? Eine Veränderungssperre. Die Immobiliengesellschaft könnte nach derzeitigem Stand ein dreigeschossiges Gebäude mit Luxuswohnungen bauen.

Auf die Geschehnisse im Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz will auch SPD-Fraktionschef Frank Lauterbach nicht näher eingehen. Er sagt lediglich: „Wir werden versuchen, ins Gespräch zu kommen, um Schlimmeres zu verhindern. Allerdings nicht um jeden Preis.“ Seine Hoffnung: Der neue Eigner hält an einem Restaurant-Konzept fest. Somit wäre weiterer Ärger ausgeschlossen.

Veränderungssperre gilt maximal vier Jahre

Eine Veränderungssperre gilt maximal vier Jahre und muss vom Stadtparlament beschlossen werden. Wird sie dann verlängert und entstehen für den Bauherrn dadurch Vermögensnachteile, kann er Schadensersatz verlangen. Im Fall der Villa Bode, so ist es aus Kreisen der Politik zu vernehmen, bestehen Zweifel an der Rechtmäßigkeit einer Veränderungssperre. Alternativ könnte eine Baugenehmigung bis zu einem Jahr aufgeschoben werden. Das müsste Glinde aber begründen und gilt keineswegs als leichtes Unterfangen.

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