Spendenaufruf

Metalldiebe schänden Gedenksteine auf Glinder Friedhof

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Wollen die Steine für die Heimatvertriebenen auf dem Friedhof wieder beschriften lassen: Pfarrer Markus Diederich, Glindes Bürgermeister Rainhard Zug und Pastor Sören Neumann-Holbeck (v. l.).

Wollen die Steine für die Heimatvertriebenen auf dem Friedhof wieder beschriften lassen: Pfarrer Markus Diederich, Glindes Bürgermeister Rainhard Zug und Pastor Sören Neumann-Holbeck (v. l.).

Foto: Barbara Schult

45 Bronzebuchstaben im Wert von 1500 Euro gestohlen. Jetzt sollen die Aufschriften für Heimatvertriebene ersetzt werden.

Glinde. Kupfer und etliche andere Metalle sind selten und teuer. Das lockt Diebe. So auch im vergangenen November auf dem Glinder Friedhof. Dabei verschwanden über Nacht metallene Aufschriften von Grabsteinen und jene vom Ehrenmal, die an Flucht und Vertreibung aus den ehemaligen Ostgebieten erinnerten.

Von den Gedenksteinen mit den Aufschriften Pommern, Ostpreußen, Westpreußen, Schlesien, Sudetenland und Danzig fehlen nun 45 Bronzebuchstaben mit einem geschätzten Wert von 1500 Euro.

Bronzene Aufschriften von Gedenksteinen auf dem Glinder Friedhof gestohlen

Für viele Menschen, die nach dem Krieg nach Glinde gekommen waren, ist das ein Verlust, der sie stark getroffen hat. „Es ist, wie noch einmal der Heimat beraubt zu werden“, habe ihm ein Gemeindemitglied gesagt, berichtet Pastor Sören Neumann-Holbeck von der evangelischen St. Johannes Gemeinde.

Deshalb hat er gemeinsam mit Pfarrer Markus Diederich von der katholischen Pfarrei Heilige Elisabeth beschlossen, für Abhilfe zu sorgen. „Für viele Menschen, die ich begleite, ist die Erinnerung an ihre Heimatgebiete ein wichtiges Herzensthema“, ergänzt Pfarrer Dietrich.

Evangelische und katholische Kirchengemeinden rufen zum Spenden auf

Beide Kirchengemeinden rufen zum Spenden auf, damit die Inschriften ersetzt werden können. Bronzebuchstaben soll es allerdings nicht wieder geben, um weiterem Diebstahl vorzubeugen. Über die konkrete Gestaltung wird noch entschieden. „Die Bandbreite zwischen Bronze und nichts ist groß“, so die Geistlichen.

Dagegen haben sie sich bereits darauf geeinigt, wer bedacht wird, wenn mehr Geld gespendet wird, als für die neuen Aufschriften benötigt. Dann wird die Kriegsgräberfürsorge unterstützt. Spenden werden erbeten an: Kirchenkreis Hamburg-Ost, IBAN: DE 79 5206 0410 5106 4460 19, Verwendungszweck: Spende für Instandsetzung Ehrenmal, Kostenstelle 031010, Sachkonto 46100.

Stadt diskutiert Erweiterung der Gedenksteine und Neugestaltung

Bürgermeister Rainhard Zug unterstützt das Vorhaben der Kirchen. Seine Eltern kamen einst selbst als Flüchtlinge aus Ostpreußen nach Glinde. „Mein Vater wurde hier auf dem Friedhof bestattet“, berichtet er. Gleichzeitig wird bei der Stadt darüber nachgedacht, das Ehrenmal neu zu gestalten oder zumindest zu ergänzen.

Es soll nicht länger allein an die Gefallenen der Weltkriege, an Flucht und Vertreibung aus jener Zeit erinnern. „Es gab und gibt seitdem zahlreiche Kriege, aber auch Terroranschläge“, betont der Vorsitzende des Kulturausschusses, Matthias Sacher. Auch deren Auswirkungen sollten nicht vergessen werden.

Metalldiebe bauten zweimal in Folge die Regenrinnen aus Kupfer ab

Bürgermeister Zug geht davon aus, dass es zusammen mit dem Stein zum Gedenken an die Gefallenen „ein schöner Dreiklang werden kann“. Details für die künftige Gestaltung und die konkrete Formulierung müssten jedoch noch festgelegt werden.

Wie begehrt Metalle sind, musste die evangelische Kirchengemeinde auch an anderer Stelle erfahren. Zweimal kurz hintereinander wurden die kupfernen Regenrinnen vom Gemeindehaus am Oher Weg gestohlen. „Jetzt haben wir Zink“, berichtet Pastor Neumann-Holbeck.

( bs )

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