Glinde

Golfplatz-Schießerei: Anwalt hält Zeugin für unglaubwürdig

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Finn Fischer
Die drei Angeklagten betreten zum Prozessbeginn vor dem Landgericht Lübeck den Gerichtssaal.

Die drei Angeklagten betreten zum Prozessbeginn vor dem Landgericht Lübeck den Gerichtssaal.

Foto: Janina Dietrich / HA

Freundin des Angeschossenen sagt zum zweiten Mal vor Landgericht Lübeck aus. Verteidiger der drei Angeklagten erkennen Widersprüche.

Glinde/Lübeck.  Sie ist die einzige Zeugin im Prozess gegen die drei Angeklagten, von denen einer am Golfplatz in Glinde einen Mann niedergeschossen haben soll: Zehra M., die Freundin des Geschädigten Igor K. (Namen geändert), der von mehreren Kugeln getroffen wurde. Doch die Frau machte bei ihrer zweiten Aussage vor dem Landgericht in Lübeck keine gute Figur. Mehrfach musste die Sitzung unterbrochen werden, weil Zehra M. im Kreuzverhör zunehmend unkooperativ, beinahe schnippisch wurde. Für die Verteidigung steht sogar eine Falschaussage im Raum.

Gegenstand der Zweifel sind die Aussagen der Zeugin, in deren Wagen am Tatort zwei Messer gefunden wurden. Eines davon gehörte ihrem Sohn. Das andere, ein eigentlich schwer zu übersehenes Buschmesser, das die Polizei zwischen Mittelkonsole und Beifahrersitz entdeckt hatte, will sie nicht gekannt haben.

Verteidiger regt Verfahren wegen Falschaussage an

In ihrer ersten Vernehmung vor Gericht hatte sie jedoch ausgesagt, dass das Messer Igor K. gehöre. „Das habe ich der Polizei gesagt und das sage ich auch jetzt“, zitierte Rechtsanwalt Siegfried Schäfer aus dem Protokoll des ersten Vernehmungstages. In der Fortsetzung ihrer Vernehmung will sie sich jetzt nicht mehr erinnern, das so gesagt zu haben. Schäfer: „Die Staatsanwaltschaft sollte sich mal überlegen, ob hier nicht ein Verfahren wegen Falschaussage einzuleiten ist. Diese Aussage hier ist ein grober Verstoß gegen das Recht.“

Auch bei ihrer anfänglichen Darstellung, dass sie von einem der drei Männer mit einer Axt bedroht worden sei, äußerte die Verteidigung Zweifel. So war sie auf den Mann mit ihrem Auto zugefahren, um ihn – das sagte sie selbst – zu überfahren. Daraufhin hatte dieser offenbar die Axt gehoben.

Angeklagte berufen sich auf Notwehr

Das alles wird der Bewertung der Glaubwürdigkeit der Zeugin nicht dienlich sein. Strafverteidiger Uwe Maeffert zeigte sich während der Befragung der Zeugin zunehmend irritiert von dem Verhalten, das er später als „renitent“ bezeichnete: „Natürlich wollte Frau M. ihren Freund und vielleicht auch sich an dieser Stelle schützen.“ Ebenfalls pikant: Die Nebenklage traf sich kurz vor ihrer Zeugenaussage mit Zehra M. am Tatort. Die Verteidigung sieht darin eine unzulässige Zeugenbeeinflussung.

Gerade in diesem Prozess hängt die Wahrheitsfindung im Wesentlichen von den Aussagen der Augenzeugen ab. Die drei Angeklagten sagten aus, in Notwehr gehandelt zu haben. Igor K. soll demnach auf das Treffen am Golfplatz bestanden und sowohl am Telefon als auch am späteren Tatort beleidigend geworden sein, anschließend sein Messer gezückt und zugestochen haben. Daraufhin gab einer der drei Angeklagten einen Schuss in den Boden ab und lief weg. Ein anderer gab mehrere Schüsse auf K. ab, der an Armen und Beinen getroffen wurde. Ein Dritter hatte eine Axt dabei.

Hintergrund der Auseinandersetzung sind Schulden

Dass alle bei dem Treffen bewaffnet waren, begründeten sie damit, dass sie Angst vor Igor K. hatten. Dieser wiederum schilderte vor Gericht eine andere Version. Demnach sei er unter wüsten Beleidigungen zu dem Parkplatz des Golfplatzes zitiert worden, wo er seiner Aussage zufolge zunächst ins Gesicht geschlagen und dann beschossen wurde.

Hintergrund der Auseinandersetzung sind Schulden, die der Neffe des Geschädigten bei einem der drei Angeklagten gehabt haben soll.

Die Familien der drei Männer, die zum Tatzeitpunkt alle 26 Jahre alt waren, sind von ihrer Unschuld überzeugt. „Die Wahrheit wird schon noch ans Licht kommen“, sagte die Mutter eines der drei Angeklagten während einer der vielen Pausen. Besonders nach dem jüngsten Verhandlungstag ist sie zuversichtlich, dass ihr Sohn nach dem Verfahren nach Hause kommt.

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