Erntehilfe

Die Spargelsaison auf Hof Posewang ist jetzt gerettet

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Timo Posewang hat auch in seinem Hofladen die Spargelsaison eröffnet. 

Timo Posewang hat auch in seinem Hofladen die Spargelsaison eröffnet. 

Foto: Susanne Tamm

Erntehelfer des Oststeinbeker Familienunternehmens wurden mithilfe des Bundes aus Rumänien und Polen eingeflogen.

Oststeinbek. Sogar die Gemeinde hatte schon um Erntehelfer für die ortsansässigen Landwirte geworben: „Aber auch wir hatten vor dem Erntebeginn bestimmt 100 Anfragen von Menschen mit Kurzarbeit oder auch Arbeitslosen, die bei uns Spargel ernten wollten, um sich etwas zu verdienen“, berichtet Landwirt Timo Posewang. „Wir waren überwältigt und dankbar dafür.“ Denn auch die Posewangs haben eine Zeit lang gezittert, ob es ihren angestammten Erntehelfern in Zeiten der Coronapandemie überhaupt möglich sein würde, Oststeinbek zu erreichen: Sechs von ihnen – eine ganze Familie – kommt seit fünf Jahren aus Rumänien. Ella Krawczyk aus Polen kommt sogar schon seit Jahrzehnten zum Arbeiten auf den Hof.

„Die wurden auch schon ganz nervös, weil sie von unseren Löhnen in ihren Heimatländern ein ganzes Jahr leben können“, erzählt Timo Posewang. „Wir haben uns sofort für das Bundesprogramm angemeldet, als wir davon hörten.“ Tatsächlich hatten sie Glück: Unter den 40.000 Rumänen, die vor zwei Wochen nach Deutschland geflogen wurden, waren auch die sechs für den Hof Posewang. „Bei den vielen Angeboten hatten wir natürlich schon überlegt“, erzählt der Landwirt und Familienvater. „Aber wir fühlten uns auch unseren Stamm-Helfern verpflichtet. Und bei denen können wir sicher sein, dass sie auch nächstes Jahr wieder zu uns zum Arbeiten kommen.“ Sie seien zudem erfahrene und zuverlässige Arbeiter. „Spargelernte ist harte Arbeit“, weiß Timo Posewang. „In den ersten drei Tagen tun abends alle Knochen weh. Bei unserem Team weiß ich, dass sie auch bei gleißender Sonne mit einem Lächeln aufs Spargelfeld gehen“. Sie würden sich auf die Arbeit freuen.

Verrückte Zeiten für die Spargelsaison

„Das sind schon verrückte Zeiten“, stellt der Landwirt angesichts der Umstände fest. Seine Erntehelfer seien nach ihrer Ankunft auf das Coronavirus getestet worden und mussten danach zwei Wochen in Quarantäne auf dem Hof bleiben. „Ich habe sie aber gebeten, auch jetzt auf dem Gelände zu bleiben“, erzählt Timo Posewang. „Sie pendeln quasi zwischen ihrer Unterkunft und dem Spargelfeld. Ella haben wir in einer Einliegerwohnung bei uns im Haus untergebracht. So kann ich sie am besten vor dem Virus schützen. Wir besorgen ihnen alles, was sie brauchen.“

Auf die Spargelpreise hätten die Umstände bisher jedoch keinen Einfluss. „Wir bieten ihn jetzt – je nach Sortierung – für 6 bis 11,50 Euro pro Kilogramm an“, sagt der Spargelbauer. Das entspreche in etwa den Preisen zum Saisonstart in den Vorjahren. „Aber auch wir merken natürlich, dass wir weniger Bestellungen haben. Sonst beliefern wir auch die Gastronomie, das fällt jetzt alles weg.“ Denn auch wenn Gastronomen einen Abholservice anbieten, hätten sie weniger Bedarf an Spargel und Kartoffeln als sonst.

Maskenpflicht gilt auch für Hofläden

Auch die Kunden des Hofladens sollten längere Wartezeiten einplanen als sonst. Am Donnerstag gab es an der Straße Heidstücken kaum noch einen Parkplatz. „Wir versuchen, es unseren Kunden so angenehm wie möglich zu machen“, verspricht Timo Posewang. „Wir haben einen zweiten, provisorischen Verkaufsstand in der Halle nebenan eingerichtet, damit wir die erforderlichen Sicherheitsabstände einhalten können. Außerdem bekommen wir noch einen zweites Zelt als Unterstand, falls es regnet.“

Wie andere Geschäfte auch, müssen auch die Verkäuferinnen des Hofladens die Kunden bitten, Mund und Nase zu bedecken. „Wenn wir unsere Kunden bitten, eine Maske zu tragen, tun wir das nicht, um sie zu ärgern“, betont der Landwirt. „Auch wir sind dem Erlass der Landesregierung unterworfen. Werden wir kontrolliert und die Kunden tragen keinen Schutz, müssen wir ein Bußgeld zahlen“. Außerdem würden die Alltagsmasken dem Schutz aller Kunden dienen. Auch Timo Posewangs Mitarbeiterinnen tragen während des Verkaufs alle eine Alltagsmaske – auch wenn sie das laut Verordnung überhaupt nicht bräuchten. „Das versteht aber niemand, warum das so ist“, sagt der Landwirt.

Bisher spielt das Wetter mit

Ob es eine kurze oder lange Spargelsaison gibt, vermag Timo Posewang noch nicht zu sagen. „Wir hatten einen guten Start, die Wärme der vergangenen Wochen mag der Spargel gern“, erläutert der Landwirt. „Er braucht auch viel Feuchtigkeit, aber im Winter hatten wir genug davon. Bisher brauchten wir noch nicht bewässern. Den Mai und Juni müssen wir noch mal abwarten.“

Der Hofladen (Heidstücken 1) ist montags bis sonnabends von 14 bis 18 Uhr, freitags von 8 bis 18 Uhr sowie montags, dienstags und donnerstags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Während der Spargelsaison – traditionell bis 23. Juni – wird außerdem an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 12 Uhr verkauft.

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