Passionszeit

Glinder Kirche St. Johannes und Amnesty kooperieren

| Lesedauer: 3 Minuten
Susanne Tamm
So wie in der Vergangenheit können Pastor Sören Neumann-Holbeck (li.) und Manfred Kerruth momentan nicht mehr auf dem Marktplatz für Petitionen werben..

So wie in der Vergangenheit können Pastor Sören Neumann-Holbeck (li.) und Manfred Kerruth momentan nicht mehr auf dem Marktplatz für Petitionen werben..

Foto: Ann-Kathrin Schweers / BGZ

2019 konnten die sieben Wochen der Menschlichkeit etwas bewirken – dieses Jahr läuft die Aktion wegen Corona online.

Glinde.  Der Aufwand für jeden Einzelnen ist nicht groß – Die Auswirkung aber kann lebensrettend sein: Gemeinsam mit Amnesty International (AI) ruft die Evangelische Gemeinde St. Johannes auch in dieser Passionszeit wieder dazu auf, sechs Petitionen zugunsten von Schicksalen auf der gesamten Welt zu unterschreiben und abzuschicken. Da die Pastoren und die Vertreter der Amnesty-Gruppe Bergedorf jetzt, im siebten Jahr nicht auf dem Marktplatz werben dürfen, bitten sie jetzt online um Unterstützung.

Gestern hat Pastor Sören Neumann-Holbeck die Briefe auf die Homepage der Gemeinde gestellt (stjohannes-glinde.de/gemeindeleben/pe titionsbriefe/) – samt einer Anleitung für Interessierte, an wen sie die Briefe verschicken. „Wir haben zwar unter der gesundheitlichen und wirtschaftlichen Bedrohung zu leiden, aber das Unrecht geht auch weiter“, sagt der Glinder Pastor. Manfred Kerruth von der Amnesty-Gruppe Bergedorf stimmt ihm zu: „Die Menschenrechte sind immer wichtig und werden nach wie vor verletzt – trotz Corona.“ Auch wenn sie in dieser Krise manchmal in den Hintergrund treten und sogar in Deutschland fundamentale Rechte ausgesetzt sind. „Bei uns können wir davon ausgehen, dass sie nach der Krise wieder gelten. Das ist in anderen Staaten nicht unbedingt so.“

Gemeinsam etwas bewirken

Die Petitionen von Amnesty International sind durchschnittlich zu einem Drittel erfolgreich. „Schön ist, das wir für die Aktion 2019 zwei Erfolge vermelden können“, berichtet Kerruth. So darf die Peruanerin Vanessa Gómez Cueva, die aus Argentinien abgeschoben worden war, zu ihren beiden argentinischen Kindern (5 und 14 Jahre alt) nach Argentinien zurückkehren. Zudem wurden die drei Frauenrechtlerinnen Iman al-Nafjan, Aziza al-Yousef und Ruqayyaa al-Mhareb aus der Haft befreit und vor Folter bewahrt, die ein Ende des Fahrverbots für Frauen in Saudi-Arabien gefordert haben.

Die aktuelle Kampagne setzt sich für Dr. Peter Magombeyi ein, einen Arzt in Simbabwe, der vom Geheimdienst bedroht und von Unbekannten entführt wurde. Er hatte 2019 einen Streik im Gesundheitswesen des Landes angekündigt, weil Ärzte in Simbabwe weniger als 40 Euro monatlich verdienen.

Ungerechtigkeiten auf der Welt geschehen weiter

Ebenso für Pastor Victor Bet-Tramraz, seine Ehefrau Samiram Issavi sowie Amin Afshar-Naderi und Hadi Asgari. Sie wurden im Iran allein wegen ihres christlichen Glaubens verhaftet und zu jeweils mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteil. Oder für drei Nigerianer, den Journalisten Agba Jalingo, der einen regierungskritischen Artikel geschrieben hatte, sowie Omoyele Sowore und Olawale Adebayo Bakare, die zu einer Protestveranstaltung eingeladen hatten: Dafür droht ihnen jetzt die Todesstrafe. Eine Petition gilt der chinesischen Aktivistin Li Qiaochu die zur Zeit in Haft ist, ohne dass ihre Familie wüsste ,wofür oder wo sie sich gerade befindet. Auch ihre Medikamente erhält sie jetzt nicht mehr.

„Das Schöne an Amnesty ist, dass man nicht nur die schwierigen Folgen der Weltvernetzung sehen kann, sondern dass alle gemeinsam etwas bewirken“, sagt Neumann-Holbeck

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