Unternehmerin

Auto-Selbsthilfe erspart teure Werkstatt

Danuta Kriese-Kucharchskis ist die gute Seele ihrer Autoselbsthilfewerkstatt im Oststeinbeker Gewerbegebiet, öffnet sechs Tage die Woche und den Kaffee dazu gibt’s oben drauf

Danuta Kriese-Kucharchskis ist die gute Seele ihrer Autoselbsthilfewerkstatt im Oststeinbeker Gewerbegebiet, öffnet sechs Tage die Woche und den Kaffee dazu gibt’s oben drauf

Foto: Susanne Tamm / BGZ

Oststeinbek. Danuta Kriese-Kucharski vermietet Plätze mit Hebebühnen und Werkzeug stundenweise.

Oststeinbek.  Sein Start in den Tag verlief gestern ganz anders als gewünscht. Als Adrian Kimaszewski sich auf den Weg zur Arbeit machte, rauchten seine Räder, die Bremsen waren blockiert. „Heute geht aber auch alles schief“, fluchte der 32-Jährige. Er benachrichtige seinen Chef in Lübeck – und rettete sich zu Danuta Kriese-Kucharski in Oststeinbek.

Denn die 60-Jährige führt seit acht Jahren die Autoselbsthilfewerkstatt Am Knick 3 im Gewerbegebiet allein. Ihr Mann Stanislaus hatte sie vor 30 Jahren eröffnet. Doch dann starb er plötzlich. Seitdem ist sie die Chefin, vermietet die zehn Plätze in ihrer Halle stundenweise. Zudem Hebebühne, Schweißgeräte, verschiedene Elektro-Geräte, Richtbank, Kompressionsprüfgeräte, Abgastester, Druckluftwerkzeuge, Bosch-Diagnosetester, Altölfänger, Federspanne, Füll- und Entlüftungsgeräte und und und.

Die Autoselbsthilfe öffnet sechs Tage die Woche

„Die Möglichkeit hier finde ich super“, sagt Kimaszewski, der in Hamburg-Horn wohnt. Er hat in seiner Heimat Polen noch Kfz-Mechaniker gelernt, arbeitet nun als Lüftungstechniker. „Viele Kfz-Werkstätten nehmen doch schon 100 Euro allein dafür, dass man bei ihnen auf den Hof rollt“, schimpft der 32-Jährige über die Preise. „Deshalb ist es hier auch samstags und abends so voll. Viele kommen nach der Arbeit. Das mache ich sonst auch, aber heute war es ein Notfall.“ Die Autoselbsthilfewerkstatt ist montags bis freitags von 9 bis 21 Uhr, manchmal auch bis 22 Uhr geöffnet, sonnabends von 8 bis 21 Uhr. Wenn die Chefin kurz einkaufen oder etwas erledigen muss, springt ihr Cousin Marek Kriese ein, der nebenan eine Tüv-Prüf-stelle führt. „Wir helfen uns gegenseitig“, sagt sie.

Ansonsten steht Danuta Kriese-Kucharski hinter ihrem kleinen Schalter gleich hinter dem Eingang. Sie hat alles im Blick, teilt die Plätze ein, gibt die Werkzeuge aus und kassiert. Termine macht sie nicht, die Kunden müssen spontan hereinschauen – und zur Not warten.

Kaffee und einen Plausch gibt’s gratis

„Mit Terminen gab es immer Ärger, das mache ich nicht mehr“, erzählt sie. Aber in der Woche, vor allem vormittags, könnten die meisten gleich loslegen. Einen Kaffee bekommen ihre Kunden gratis dazu. Und einen Plausch auf Polnisch – wenn sie mögen.

Dafür ist Christoph Kielpinski extra noch einmal aus Billstedt vorbeigekommen. „Wir stammen beide aus derselben Stadt“, erzählt der einstige Lkw-Fahrer. „Aus Bromberg in Polen.“ Ausgerechnet bei den Minusgraden vergangene Woche war bei meinem Citroen C4 die Heizung ausgefallen. „Eine Katastrophe“, schimpft er. „Ich konnte nicht mehr durch die Scheiben gucken.“ Eine Werkstatt sei ihm als Rentner zu teuer. „Allein ein neues Gebläse kostet 150 Euro! Zum Glück ist ein ehemaliger Kollege Kfz-Mechaniker. Er hat mir hier geholfen. Das war die beste Lösung.“

Die Kunden sind sehr verschieden

Ob aus Hamburg, Barsbüttel, Glinde, Reinbek oder Oststeinbek, Polen oder Deutsche, alt oder jung – ihre Kunden seien ganz verschieden, erzählt die Chefin. „Auch Frauen sind ab und zu darunter, aber eher selten. Meist helfen sie ihren Männern, wenn für eine Reparatur mehrere Hände gebraucht werden.“ Nur vier, fünf Mal in all den Jahren habe sie es erlebt, dass auch einmal eine Auto-Schrauberin kam.

Wie behauptet sie sich in der Männer-Domäne? „Ich muss schon genau darauf achten, dass ich das Richtige sage, um mich durchzusetzen und damit die Kunden mich ernstnehmen“, sagt Danuta Kriese-Kucharski.

Die Chefin schraubt an ihrem VW auch selbst

„Aber wenn an meinem VW-Touran etwas ist, schraube ich das selbst zurecht.“ Und sollte sie doch einmal nicht weiter wissen, findet sie unter ihren Kunden immer Hilfe.

Die übliche Hebebühne kostet 7 Euro/Stunde, die größere für Transporter oder Wohnmobile 9 Euro/Std, ein Werkzeug 50 Cent/Std, ein Schweißgerät beispielsweise 7 Euro/halbe Std., ein Altölfänger pauschal 5 Euro. Nähere Informationen gibt es im Internet unter www.autoselbsthilfe-oststeinbek.de.