Gesprächsreihe

Mühlengespräche: Hartmut Hager tritt ab und schweigt

| Lesedauer: 2 Minuten
Von Susanne Tamm
Schluss mit Schulterschluss: Hartmut Hager, Leiter der Mühlengespräche, und Dr. Marlies Lehmann, Leiterin der Volkshochschule Glinde.

Schluss mit Schulterschluss: Hartmut Hager, Leiter der Mühlengespräche, und Dr. Marlies Lehmann, Leiterin der Volkshochschule Glinde.

Foto: Susanne Tamm / BGZ

Glinde. Hinter den Kulissen der Mühlengespräche knirscht es – Die Gesprächsreihe soll aber auch nach dem Rücktritt weiterlaufen.

Glinde.  Gerade haben die etwa 200 Stammhörer der Mühlengespräche nach dem Festvortrag der Kunsthistorikerin Dr. Gabriele Himmelmann und von Apotheker Dr. Peter Schmersahl sich in eine friedliche, besinnliche Adventszeit verabschiedet. Das Thema lautete: „Starker Tobak – eine Kulturgeschichte des Tabaks“. Unerhört finden allerdings viele Hörer, was sich hinter den Kulissen abspielt.

Denn jetzt wurde bekannt, dass Hartmut Hager, seit sechs Jahren Leiter der Sektion Glinde in der Schleswig-Holsteinischen Universitäts-Gesellschaft, per E-Mail zurückgetreten ist. Hartmut Hager bestätigte seinen Rücktritt gestern unserer Zeitung, möchte sich zu seinen Motiven aber nicht näher äußern. „Ich war immer mit Leib und Seele dabei“, sagt er hingegen über die Sektion Glinde. Auch die ausgebuchte Exkursion nach Erfurt will er noch leiten. „Die Mitglieder habe ich informiert“, sagte der 73-Jährige.

Einige Mitglieder wissen nicht vom Rücktritt

Doch einige der 65 Mitglieder wissen vom Rücktritt nur durch Hörensagen. Gerüchte kursieren. Und Stammbesucher sorgen sich nun um ihre geliebten Mühlengespräche, die genau am 10. Dezember 1996 vor 29 Jahren gegründet wurden. Die strenge Arbeitsteilung zwischen Universitäts-Gesellschaft und Volkshochschule war den Hörern allerdings schon länger aufgefallen. Hager und VHS-Leiterin Dr. Marlies Lehmann moderierten die Gesprächsreihe stets getrennt.

Für den Hintergrund: Winrich Benecken, damaliger Volkshochschulleiter, hatte die Mühlengespräche 1986 ins Leben gerufen. Um seinen Hörern ein besseres Repertoire an hochkarätigen Vorträgen bieten zu können, hatte er die Gründung der Sektion Glinde angeregt. Deren Leiter war bis 2009 Günther Stein, Hartmut Hager löste ihn ab. Als Moderator und Organisator war auf Benecken 1996 der Oststeinbeker Albrecht Hanf gefolgt. Hanf schied 2012 nach einem „Kompetenzgerangel mit Hartmut Hager“ aus, wie er damals unserer Zeitung mitteilte. Danach übernahm Sektionsleiter Hager selbst die Moderation der von ihm ausgewählten Referate, Marlies Lehmann begrüßte die von ihr beauftragten Dozenten.

„Die Mühlengespräche funktionieren“

Die VHS-Leiterin beschwichtigt nun besorgte Gemüter: „Die Mühlengespräche funktionieren. Das Programm für das neue Semester ist vorbereitet, kann bald in Druck gehen.“ Als Hagers Stellvertreterin leitet sie nun kommissarisch die Sektion Glinde – wie einst Winricht Benecken.

„Der Leiter einer Sektion wird eigentlich auf Lebenszeit berufen.“ Aber sie strebe nun für 2016 eine Mitgliederversammlung an, um das weitere Vorgehen zu besprechen. „Es gibt keine Gründe, das zu überstürzen. Denn die Mühlengespräche sind nicht in Gefahr.“ Tatsächlich sieht die Satzung der Universitäts-Gesellschaft den Rücktritt eines Sektionsleiters nicht vor.

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