Verkaufsschlager

Ein Kaufhaus für weniger Betuchte

| Lesedauer: 3 Minuten
Von Susanne Tamm
Sogar eine Café-Bar für die Kunden gibt es im Awo-Sozialkaufhaus. Die Glinderin Linda Ziemann kommt gern zum Stöbern hierher.

Sogar eine Café-Bar für die Kunden gibt es im Awo-Sozialkaufhaus. Die Glinderin Linda Ziemann kommt gern zum Stöbern hierher.

Foto: Susanne Tamm / BGZ Susanne Tamm

Glinde. Die neue Awo-Einrichtung wird von Spendern wie von Käufern sehr gut angenommen. Auch die Betreiber sind sehr zufrieden.

Glinde.  „Das ist genau das, was hier gefehlt hat“, stellt Linda Ziemann fest. Die Glinderin ist schon Stammkundin des neuen Sozialkaufhauses an der Mühlenstraße. „Die Mitarbeiter sind so hilfsbereit und freundlich, alles ist sauber und aufgeräumt: traumhaft! So macht es richtig Spaß, hier zu stöbern.“ Sie möchte Möbel kaufen, hat aber selbst auch schon Kleidung und Haushaltswaren spendiert.

Denn egal, ob Angelausrüstung, Musikinstrumente oder Weihnachtsdeko: „Wir bieten alles an, was gespendet wird“, erklärt Bodo Krüger, Projektleiter der Awo. „Möbel, Hausrat, Elektroartikel und Textilien.“ Björn Kiesel, technischer Assistent, ergänzt: „Alles wird von unseren Mitarbeitern durchsortiert und präsentiert.“

Die Mitarbeiter sind Langzeitarbeitslose

Die Mitarbeiter sind Langzeitarbeitslose, die eine Gelegenheit bekommen sollen, wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, sogenannte „Arbeitsgelegenheiten“ oder AGHler, landläufig auch Ein-Euro-Jobber genannt. „Ihre ,Mehraufwandsentschädigung‘, 1,02 Euro pro Stunde, die zu ihren Leistungen hinzukommt, zahlt das Jobcenter“, erläutert Krüger.

„Es geht uns dabei um die Bestätigung für die AGHler“, bekräftigt Andreas Franck, Teamleiter des Jobcenters Stormarn. „Einige von ihnen sind in den ersten zwei Monaten richtig aufgeblüht.“ Einer der Mitarbeiter ist Uwe Bollow aus Glinde (51), seit etwa zweieinhalb Jahren arbeitslos. „Die Arbeit macht Spaß“, sagt er. „Ich habe nette Kollegen. Sollte es mal Stress geben, regele ich das mit ihnen.“

Voraussetzung für die Beschäftigung: die Gemeinnützigkeit

Voraussetzung für ihre Beschäftigung sei die Gemeinnützigkeit des Kaufhauses. Krüger kritisiert allerdings, dass die Befristung auf sechs Monate zu kurz sei: „Erfahrungsgemäß brauchen die Menschen zwei Jahre, um in der Berufswelt wieder richtig anzukommen.“

Um die Gemeinnützigkeit zu wahren, können die gespendeten Waren – zu einem geringen Preis – nur an Bedürftige verkauft werden. „Jeder, der Leistungen bezieht, ist berechtigt, bei uns einzukaufen. Er muss dies einmal nachweisen.“ Mit den Einnahmen werden die Miete und andere laufende Kosten bezahlt.

Die Käufer brauchen kleine Möbel

Für Möbel vereinbaren die Spender einen Termin mit Uwe Bollow und seinen Kollegen (Rufnummer (040) 63 91 23 24). Das Team kommt vorbei, schaut, ob die Spende geeignet ist, demontiert größere Möbel und holt alles ab. „Die meisten unserer Kunden haben kleine Wohnungen“, erklärt Bodo Krüger. „Einige Möbel sind schlicht zu groß.“

Die Glinderin Doris Sack kommt mit vollen Taschen zur Tür herein. Die Mitarbeiter nehmen ihr gleich alles ab: Sie hat Gardinen und Decken dabei. „Nur gute Sachen!“, betont sie. „Wir bringen sicher noch mehr.“ Björn Kiesel rät: „Liefern Sie doch nächstes Mal über den Hof, an der Straße Zur Bek, an. Das ist leichter.“

Am 11. November wird offiziell Eröffnung gefeiert

Interessierte Bürger sind herzlich zur offiziellen Eröffnung am Mittwoch, 11. November, um 11 Uhr eingeladen.

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