Gleichberechtigung für Radler gefordert

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Von Susanne Tamm

Glinde.
Die Glinder Radlerszene wieder beleben - das ist das Ziel von Hajo Wullschläger, dem neuen Ansprechpartner für den Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) in der Stadt.

Im Juni hatte er bereits 50 Glinder mobilisiert, die bei der großen Fahrradsternfahrt nach Hamburg mitfuhren. "Denn als ich vor drei Jahren von Hamburg nach Glinde zog, habe ich festgestellt, dass sich hier für Radfahrer wenig tut", berichtet der 66-Jährige. Er hat bereits Feierabendtouren für den TSV organisiert, zudem war er als Mitglied des DRK-Ortsvereins gemeinsam mit der Flüchtlingshilfe für das Projekt aktiv, bei dem den Glinder Flüchtlingen Fahrräder gespendet wurden. Da der Verein mit Radspenden überrannt wurde, solle es nun auf neue Beine gestellt werden.

Er selbst fährt seit seiner Jugend Rad. Ein Freund habe ein Rennrad gehabt: "Wäre das Geld nicht so knapp gewesen, wäre ich wohl in den Radsport eingestiegen", sinniert er. Stattdessen wurde er Läufer. Er war bei vielen Marathonläufen dabei, bis die Knie nicht mehr mitmachten. "Ich jogge nur noch ein wenig zwischen Mühlenteich und Glinder Au, nicht länger als eine Stunde", sagt er. Hajo Wullschläger stieg aufs gelenkschonende Fahrrad um. "Vor drei Jahren waren wir bei der Vättern-Rundfahrt in Schweden dabei - ein Volksfest und ein Abenteuer", erzählt er.

Doch Wullschlägers Aufmerksamkeit gilt vor allem der Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer auf den Straßen. "Ich will auf keinen Fall alle Radler heilig sprechen", stellt er klar. "Da sind einige Rowdys drunter. Aber ich habe schon erlebt, wie mir Autofahrer mit dem Seitenspiegel das Trikot ausgezogen haben." Es sei noch nicht bei allen Pkw-Fahrern angekommen, dass die Radwegebenutzungspflicht aufgehoben wurde.

"Radler und Autofahrer werden wohl keine Freunde mehr, sollten sich aber doch respektieren", sagt er. "Eigentlich sind sich alle einig: Schon wegen des Klimaschutzes sollte der Radverkehr gestärkt werden. Doch sobald es um Verkehrsraum für Autos geht, machen die Entscheider einen Rückzieher. Vielleicht, weil die Politiker selbst meist Pkw-Fahrer sind." Er selbst hat sein Auto vor drei Jahren seiner Tochter geschenkt. "Seither habe ich es nie vermisst."

Der Zustand der Glinder Radwege ist noch so ein wunder Punkt, auf den er bereits Bürgermeister Rainhard Zug hingewiesen hat: bis zu fünf Zentimeter hohe, "abgesenkte" Bordsteine, geflickte und abgesackte Radwege, die über lose Platten führen oder Schildermasten mitten auf dem Radweg. Zug konnte ihm aber keine Hoffnung machen. Er sehe keinen Handlungsbedarf. Laut Gutachten des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr seien 99 Prozent der Glinder Straßen in gutem Zustand. Die Radwege aber würden erst angefasst, wenn die Straßen dran sind.

Hajo Wullschläger ist erreichbar unter (040) 25 77 49 79.

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