Sie holen die Uni in die Mühle

Von Susanne Tamm

Glinde.
Wissenswertes spannend erzählt, Fragen ohne Hemmungen interessant und ausführlich beantwortet - und all das in der familiären Atmosphäre der Mühle: Wer einmal dabei war, der weiß, es geht um die Mühlengespräche. Professoren der Uni Kiel und weitere Wissenschaftler beleuchten aktuelle Themen aus ihrer Sicht. Für das neue Semester konnten VHS-Leiterin Dr. Marlies Lehmann und Hartmut Hager, Leiter der Sektion Glinde in der Universitäts-Gesellschaft Kiel, zehn Dozenten für die Zeit vom 22. September bis 8. Dezember gewinnen.

Darunter sind zwei Wissenschaftler, die erstmals in Glinde vortragen: Prof. Rainer Adelung vom Institut für Materialwissenschaft in Kiel erläutert am Dienstag, 17. November, die Nanotechnologie. Der Wissenschaftler habe bereits zweimal hintereinander den Wettstreit "Night of the Profs" der Uni Kiel gewonnen, sagt Hager. "Er berichtet über die Geschichte der Nanotechnologie, den aktuellen Wissensstand. Er gibt einen Ausblick und verspricht, dass diese Technologie das Problem der Energieversorgung löst."

Neu in Glinde ist auch Prof. Sebastian Krastel, der am 1. Dezember über das "Abenteuer Forschungsschiff berichtet. Der 48-jährige Geo-Wissenschaftler habe bereits an die 40 Forschungsreisen hinter sich. "Und das Forschungsschiff 'Geomahr' ist weltbekannt, das wird sehr interessant", bekräftigt Hager.

Einige Vorträge eignen sich sogar für die nächste Reisevorbereitung: Lehmann empfiehlt das Thema "Kroatien - das jüngste EU-Mitglied stellt sich vor", besonders in Kombination mit dem Referenten Prof. Ludwig Steindorff vom Historischen Seminar. "Die meisten nehmen Kroatien erst seit der Zerschlagung Jugoslawiens und zwar nur als Urlaubsland wahr", stellt sie fest. "Denn zuvor durfte es auch von den Bewohnern sozialistischer Länder nicht komplett bereist werden, wurde mehr als Billigstrand wahrgenommen. Es hat aber außer Strand auch eine reiche Geschichte und Kultur zu bieten." Sie rät dazu, vor einer Reise nach Kroatien am 3. November den Vortrag zu hören.

Auch Hartmut Hagers Tipp könnte in einer Reise münden: Am 13. Oktober referiert Prof. Andreas Müller vom Institut für Kirchengeschichte über "Äthiopien, das südlichste Stammland des Christentums". Im Februar bietet er eine Reise dorthin an. "Viele wissen nicht, dass Äthiopien bereits im 4. Jahrhundert christianisiert worden ist", berichtet Hager. "Der Gelehrte Meropios wollte mit Frumentius und Aidesios von Tyros nach Äthiopien reisen, damals das Königreich Aksum. Er wurde aber unterwegs von Piraten getötet. Seine Schüler landeten in der Sklaverei, wurden die Erzieher von Ezana, Kronprinz von Aksum. Sie bekehrten ihn zum Christentum, Frumentius wurde Bischof von Äthiopien."

Die meisten Dozenten sind wie die Hörer Stammgäste. "Viele sind so beliebt, da brauchen wir nicht einmal ein Thema nennen", so Lehmann. Hager stimmt zu: "Sie erzählen mitreißend." Zum Beispiel die Historikerin Dr. Katrin Schmersahl, die mit den Architekten Gustav Oelsner und Fritz Schumacher am 10. November ein Stück Hansestadt in die Mühle holt. "Sie öffnet den Blick auf ein neues, anderes Hamburg", sagt Lehmann.

Die Vorträge am Kupfermühlenweg 7 beginnen um 20 Uhr. Die Dauerkarte (zehn Vorträge) kostet 31, für Mitglieder der Universitäts-Gesellschaft 26 Euro. Einzelkarten (5,50) an der Abendkasse. Das Programm steht unter www. glinder-mühlengespräche.de.