Glinde

Gasleck: Feuerwehr evakuiert 13 Firmen

Explosionsgefahr legt Gewerbegebiet über Stunden lahm

Es zischt bedrohlich aus dem Erdreich. Wer in Windrichtung steht, riecht auch 50 Meter entfernt noch deutlich den Geruchsstoff des Erdgases. Bei Tiefbauarbeiten hat der Fahrer eines Minibaggers gestern Vormittag an der Straßenecke Beim Zeugamt / Ing.-Honnef-Straße eine Gasleitung angebaggert. Die Männer stellen die Arbeiten ein, alarmieren um 9.57 Uhr die Feuerwehr.

"Es besteht akute Explosionsgefahr", erklärt Tom Reher, Sprecher der Feuerwehr Glinde, an der Absperrung. Die Einsatzleitung alarmiert Verstärkung. Neben den Glindern werden noch die freiwilligen Retter aus Ohe, Schönningstedt und Oststeinbek zum Einsatzort gerufen. Insgesamt rücken 45 Feuerwehrleute an. Schläuche werden ausgerollt, Löschtrupps unter Atemschutz gehen in der Nähe des Lecks in Stellung.

Tom Reher hat inzwischen nähere Einzelheiten: "Es handelt sich um eine Mitteldruck-Leitung mit einem Gasdruck von 700 bis 800 Millibar. Das beschädigte Kunststoffrohr hat einen Durchmesser von 110 Millimetern." Der Einsatzleiter beschließt einen Evakuierungsradius von rund 400 Metern, die Polizei sperrt die Zufahrtsstraßen in das Gewerbegebiet mit Flatterband ab. Etwa 120 Mitarbeiter von 13 Firmen müssen ihre Arbeitsplätze verlassen.

Auch der Kerzenhersteller Gies, der seine Verwaltung direkt gegenüber dem Gasleck hat, ist betroffen. "Etwa 60 Kollegen aus der Verwaltung, Logistik und der Produktion mussten ihre Arbeitsplätze verlassen", sagt Anja Einfeld, Assistentin der Geschäftsführung. Nun müsse man abwarten. Zudem wird das Hotel 108 geräumt. "Glücklicherweise waren keine Gäste betroffen, da diese schon abgereist waren und wir die Zimmer erst um 14 Uhr neu belegen", so Betreiberin Irina Akulova später.

Spezialisten des Gasversorgers, der SH-Netz AG, treffen ein. Zunächst ist unklar, wie die Leitungen auf dem Baugrundstück verlaufen. Dort errichtet die Firma Leom International Hamburg, ein Großhandel für Kekse, ein neues Lager. Unter dem Schutz der Feuerwehrleute und ständigen Messungen der Gaskonzentration in der Luft und der umliegenden Kanalisation graben die Experten links und rechts der Leckstelle das Erdreich auf, um einen "Bypass" zu installieren.

Um 12.50 Uhr treffen Bürgermeister Rainhard Zug und Amtsleiter Bernd Mahns ein. "Bei so einem Großschadensereignis möchte ich mir einfach selbst ein Bild vor Ort machen und sehen, ob ich die Einsatzkräfte irgendwie unterstützen kann", erklärt Zug: "In diesem Fall ist es eher eine moralische Unterstützung."

Mit Hightech wird der Gasaustritt schließlich gestoppt. Die Monteure bringen zwei Kunststoffblasen in das defekte Gasrohr ein. Die zwei "Luftballons" werden stramm aufgepumpt und verstopfen so das Leck in beide Richtungen.

Gegen 13.15 Uhr verstummt das Zischen. Als Gasmessungen keine erhöhte Konzentration mehr ergeben, werden die Absperrungen aufgehoben. In der Kerzenfabrik Gies nehmen die Mitarbeiter wieder die Arbeit auf. Andere Unternehmen hatten ihren Angestellten wegen der unabsehbaren Dauer der Reparatur für den Rest des Tages freigegeben.