Glinde

Wochenmarkt leidet unter hohen Gebühren

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Barbara Mosczcynski

Schwund: Mittwochs hat sich die Zahl der Händler halbiert

Sonnabends ist Markttag und da zieht es nicht nur die Glinder auf ihren Marktplatz. Der Wochenmarkt ist in der ganzen Region bekannt für sein gutes Angebot, deshalb kommen auch viele Kunden aus Barsbüttel, Oststeinbek und Neuschönningstedt zum Einkaufen nach Glinde. Während sonnabends dort rund 40 Marktstände ein breites Angebot vorhalten, bietet der Wochenmarkt mittwochs ein trauriges Bild. Wo sich vor ein paar Jahren noch mehr als 50 Stände aneinander reihten, warten jetzt nur rund 20 Anbieter auf Kunden. Zwischen den Ständen klaffen teils große Lücken.

Der Rückgang ist nicht nur der traditionellen Urlaubszeit der Marktbeschicker in den frequenzarmen Monaten zu Beginn des Jahres geschuldet. Glindes Wochenmarkt hat massiv mit Nachfolgeproblemen zu kämpfen. Gerade haben sich zwei bewährte Anbieter in den Ruhestand verabschiedet: der Obst- und Gemüsehändler Udo König, bekannt für seine Mandarinen und Bananen, und der Wurst- und Feinkoststand von Wolfgang Kirchhoff. Nachfolger sind nicht in Sicht, dabei wünscht sich die Stadt dringend mehr Leben auf dem Marktplatz. "Obst und Gemüse oder Blumen haben wir. Wir hätten aber gerne wieder einen Kurzwarenstand, auch für Südtiroler Spezialitäten oder eine Suppenküche gäbe es Bedarf", sagt Bernd Mahns, Leiter des Bürgerservices im Rathaus. Allerdings sei es für Neuanbieter nicht einfach, in Glinde Fuß zu fassen.

Stephan Ohlhaver, Obsthändler aus Jork und Obmann der Glinder Marktleute, sieht auch in den Standpreisen einen Grund für die Lücken. "Mein Nachbar zahlt für seinen Stand auf dem Hamburger Isemarkt die Hälfte", sagt er. Auch der Kurzwarenhändler, der vergangenes Jahr noch mit einem Stand in Glinde vertreten war, sei nach Lübeck abgewandert, weil die Standmiete dort deutlich günstiger ist. Für die Marktleute liegt der direkte Vergleich mit Hamburg nahe, mittwochs und sonnabends sind auch dort wichtige Markttage.

Die Standgebühr auf dem Isemarkt beträgt zurzeit je angefangenen Frontmeter 3,90 Euro, in Reinbek sind es 4,65 Euro (für Barzahler) und im Lübecker Villenviertel am Brink zahlen Händler 2,26 Euro netto pro laufenden Meter. Dazu ist jeweils eine Strompauschale zu entrichten.

In Glinde wird nicht nach laufendem Meter abgerechnet. "Der Quadratmeter kostet 1,34 Euro", sagt Sonja Junghans, die für Marktleute Ansprechpartnerin bei der Stadt ist. Durch die Tiefe mancher Stände kommt ein höherer Mietpreis zustande, als wenn nur der laufende Frontmeter berechnet würde. In Glinde ist indes die Stromnutzung mit enthalten. Junghans sagt, sie hätte keine Probleme, neue Markthändler für den Samstag zu finden, die Stadt suche aber Anbieter, die mittwochs und samstags auf dem Markt stehen. Das sei schwierig.

Große Sorgen bereitet der derzeitig negative Trend Obmann Stephan Ohlhaver bislang nicht. "Wir haben immer mal solche Wellen - aber das gibt sich auch wieder."

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