Oststeinbek

Schon "fast wie die Elbphilharmonie"

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Katrin Bluhm

Rathausumbau: Politik kritisiert Kostensteigerung von rund 300 000 Euro gegenüber erster Schätzung

Dass sich der Um- und Anbau des Rathauses von im November geschätzten 1,274 Millionen auf jetzt etwa 1,525 Millionen Euro verteuern wird, machte den Mitgliedern des Bauausschusses zu schaffen. Deshalb unterbrachen sie die Sitzung, um sich zu beraten. Der Bitte des Bürgermeisters, im Nachtragshaushalt zusätzliche 300 000 Euro einzustellen, folgten sie nicht. Die Politik bewilligte nur 250 000 Euro, verbunden mit der Forderung, streng zu sparen.

Der Entscheidung ging eine lange, emotionale Debatte voraus. Architekt und Planer Jens Michaelis versuchte zunächst, den Politikern zu erläutern, warum die Baukosten von der geschätzten Grundlagenplanung (1,274 Mio.) über die bereits berechnete Entwurfsplanung (1,348 Mio.) und die Ausführungsplanung (1,48 Mio.) bis zur Kostenfeststellung auf 1,525 Millionen Euro angewachsen sind. So habe etwa die exzellente Baukonjunktur die Ausschreibung verhagelt. "Die Angebote liegen weit höher als geplant. Zum Teil haben wir Schwierigkeiten gehabt, überhaupt Angebote zu bekommen", beschrieb der Architekt die Situation. Auch die Gewerke, die die Kita bauten, hätten sich nicht an den Ausschreibungen beteiligt, ergänzte Gabriela Malone, Stabsstelle Controlling. Ein weiterer Punkt sei, dass der Bau im vorhandenen Bestand stets Überraschungen mit sich bringe, so Michaelis. Allein der Abriss des Anbaus sei doppelt so teuer geworden wie geplant, beschrieb Bürgermeister Jürgen Hettwer einen Teilaspekt.

Beunruhigende Stille lag im Bürgersaal, bis Jürgen Huth (SPD) das Wort ergriff: "Ich bin erschüttert! Von 1,274 Millionen Euro ausgehend, liegen wir 23 Prozent über den Kosten, das ist fast wie bei der Elbphilharmonie." Michaelis bedauerte: "Ich weiß, ich habe 2013 gesagt, für 1,3 Millionen müsste es zu machen sein. Aber der Anzug der Baukonjunktur war so nicht vorherzusehen."

"Ich bin sehr emotionsgeladen und fühle mich an der Nase herumgeführt", platzte es aus Hartmut Brand (CDU) heraus. "Wo verzichten Sie auf ihr Honorar? Es wird teurer, sie verdienen mehr." Der Architekt bekomme ein festes Honorar, berichtigte Hettwer.

Als Einsparmöglichkeiten, blieben allein die Wand- und Bodenbeläge sowie die Klimaanlage mit etwa 80 000 Euro", sagte Michaelis auf Nachfrage. Während Jürgen Huth diese streichen wollte, widersprach Peter Martens (CDU) energisch: "Wenn wir das Rathaus schon teilsanieren, dann richtig. Die Klimaanlage fördert die Arbeitsleistung. Wir sind kein Armenhaus und sollten auch auf Tapeten und Fliesen achten." Hettwers beantragter Nachtrag von 300 000 Euro wurde um 50 000 Euro gekürzt. "Wir wollen Ihnen nicht auf die Füße treten", sagte Ausschuss-Chef Rudi Hametner (OWG). "Aber wenn's nicht reicht, ist es auch nicht peinlich nachzubessern."

Umbau und Neumöblierung des Bürgermeisterbüros (50 000 €) sowie weitere neue Büromöbel (60 000 €) wurden mit den Stimmen von CDU und OWG befürwortet. Jürgen Huth hatte dafür plädiert, den Umbau auf 2015 zu verschieben.

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