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Werden die Händler selbst Chefs?

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Susanne Tamm

Wochenmarkt: Bürgermeister Rainhard Zug schlägt Privatisierung durch die Marktbeschicker vor

Der Glinder Wochenmarkt ist immer noch ein Kundenmagnet. Doch bei der Finanzierung gibt es eine Unterdeckung. Deshalb hat die Verwaltung eine Umstellung der Standgebühren auf Quadratmeter - statt bisher auf Frontlänge - orgeschlagen. Da dies weder bei den Marktbeschickern noch bei den Politikern gut ankommt, hat Bürgermeister Rainhard Zug jetzt einen neuen Vorstoß gemacht: Er schlägt vor, den Wochenmarkt zu privatisieren, um das Personal der Stadt zu entlasten. "Wenn ein Betreiber, am besten einige der Händler selbst, diese Arbeit übernehmen, kann die Stadt etwa 45 000 Euro einsparen." Somit hätten die Mitarbeiter Kapazitäten für andere Aufgaben. Strom, Wasser und Reinigung seien durchlaufende Kosten.

Die Marktbeschicker könnten dies in Eigenregie übernehmen. Die Händler sind jedoch geteilter Meinung, was diese Idee angeht. Viele wissen noch gar nicht, dass sie den Markt in Eigenregie führen sollen. Marktobmann Stefan Ohlhaver sieht das Vorhaben positiv: "Für uns ist die Privatisierung in der Tat ein Thema", sagt er. "Bei einem privaten Betreiber würde das Ganze eher noch teurer werden. Weil wir das aber selbst übernehmen sollen, sind wir nicht abgeneigt." Die Händler seien offen für Gespräche.

Fischhändler Dennis Haecks warnt jedoch davor, das Ganze auf die leichte Schulter zu nehmen: "Ich betreibe selbst den Wochenmarkt in Großhansdorf und einen kleinen in Ammersbek", erzählt er. "Das klappt dort hervorragend, weil die Gemeinden mitziehen. Aber da hängt auch viel Arbeit dran: "Der ganze Papierkram, die Versicherung, Müllentsorgung, Strom, Wasser: Man muss sich um alles kümmern. Nicht zuletzt die Verantwortung und das Risiko muss man bedenken." Ansonsten halte er von einer Privatisierung jedoch nichts: "Das wird für uns nur noch teurer."

Gemüsehändler Wolfgang Oppermann ist ebenso wenig erbaut von der Idee: "Es gibt zwar auch private Märkte, wo es top läuft, aber gewöhnlich klappt es nicht. Seine Frau Andrea ist skeptisch: "Dann müssten wir eine GbR gründen und hätten auch ein höheres Risiko." Ihr Mann ergänzt: "Da müssten wir uns erst einmal schlau machen. Außerdem hat sich der Markt durch den Umbau nicht unbedingt verbessert." Letztlich hänge dies auch von den Konditionen ab. Auch der Bäcker "Dinkelmeister" Eckhard Konetzki zögert, sich zu beteiligen: "Die Bereitschaft wäre zwar da. Aber Produktion, Verkauf und dann noch Organisation des Marktes wäre ein bisschen viel. Denn das sollte wohl überlegt sein: Die Arbeit kostet viel Zeit, ist somit auch ein Kostenfaktor." Er sähe den Betrieb des Marktes am liebsten weiter in den Händen der Stadt. Für Einsparungen hat er den Tipp, sich die Müllentsogung einmal genauer anzusehen. "Der Wochenmarkt ist auch eine Form der Kultur. Die und die Vielfalt des Angebots sollten wir erhalten."

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