Claudia Koop

Als Komparsin beim Hamburg-Tatort

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Annett Habermann

Foto: Annett Habermann

Havighorst. Schon immer wollte Claudia Koop gern Schauspielerin werden. Als Komparsin und Darstellerin in Reportagen hat die 48-Jährige einen Teil ihres Traums wahr gemacht. Kürzlich war sie bei einem Tatort-Dreh mit Til Schweiger dabei.

Mit quietschenden Reifen kommt ein Wagen vor dem grünen BMW von Claudia Koop zum Stehen. Die 48-Jährige aus Havighorst sitzt hinterm Steuer, zieht den Kopf ein und atmet schließlich erleichtert durch. Nur wenige Zentimeter fehlen zum Crash. Mehrere Kameras haben die Szene von allen Seiten eingefangen, die im November irgendwo in Hamburg gedreht wurde. Sie ist im neuen Hamburg-Tatort mit Til Schweiger zu sehen, der in diesem Jahr ausgestrahlt werden soll.

Claudia Koop war als Komparsin beim Dreh dabei. Ob der unbekannte Wagen das Fluchtauto eines Verdächtigen war oder der Kommissar höchstpersönlich darin saß – das darf sie nicht verraten. Schließlich soll es für die Zuschauer spannend bleiben.

„Das Spannende für mich war, so eine Stuntszene zu erleben und mitzukriegen, an was man da alles denken muss.“ Claudia Koop liebt diese Atmosphäre inmitten von Kameras, mit vielen unterschiedlichen Komparsen und Schauspielern. Auch wenn sie die Hauptdarsteller oft nur ganz kurz zu sehen bekommt, wie kürzlich Til Schweiger.

In dem neuen Lars-Becker-Film „Unter Feinden“ spielt Claudia Koop eine Barfrau. Die Szene ist nur drei Minuten lang, kostete aber einen ganzen Drehtag. „Sie besteht aus fünf Einstellungen, und jede Einstellung wird 10 bis 15 Mal gedreht. Deshalb sehe ich jetzt Filme völlig anders. Und ich sehe auch, dass Schauspielerei kein Zuckerschlecken ist“, sagt die 48-Jährige.

Sie selbst würde gern wichtigere Rollen, auch Sprechrollen, übernehmen. „Ich hatte immer schon Ambitionen, Schauspielerin zu werden, wurde mit dem Berufswunsch aber immer belächelt“, erinnert sie sich. Nach Ausbildung zur Steuer-Fachangestellten, Jobs in Werbeagenturen, Bars und als Reiseleiterin auf Teneriffa bewarb sie sich vor zwei Jahren bei einem Künstlerdienst. Seitdem arbeitet sie neben ihrem Job bei einer Cateringfirma als Statistin. Inzwischen wird sie in vier Agenturen geführt, auch als Fotomodell. So ist die gebürtige Oststeinbekerin unter anderem auf Werbeplakaten von großen Baumarkt- und Supermarktketten zu sehen.

Wie viel sie als Komparsin pro Drehtag verdient, hängt unter anderem von ihren Erfahrungen ab. „Anfangs gab es 60 Euro – ein guter Schnitt, wenn ein Dreh nur zwei Stunden dauert.“ Wer wie sie schon länger im Geschäft ist, kann pro Tag bis zu 200 Euro verdienen.

Im Laufe der Zeit wurden die Angebote immer interessanter, sagt Claudia Koop. Sie wurde für Produktionen wie „Die Schulermittler“ engagiert und als Lockvogel in Reportagen. Eine versteckte Kamera begleitete sie, als sie in Apotheken nach einem Erkältungsmittel fragte. „Alle haben mich auf ein teures Vitaminpräparat aufmerksam gemacht und gebetsmühlenartig die Argumentationslinie der Vertreterin wiedergegeben.“ Ihre schauspielerischen Fähigkeiten kamen auch zum Einsatz, als sie eine in Panik geratene Studentin spielte, deren Computer mitsamt der fertigen Diplomarbeit abgestürzt war. Sie bat mehrere PC-Services um Hilfe. Die Experten gaben dem Rechner, der in Wirklichkeit gar nicht kaputt war, keine Chance und boten ihr einen komplett neuen an.

Claudia Koop macht beides Spaß: Die Arbeit als Lockvogel genauso wie die Mitarbeit an Spielfilm-Drehs. Bei einem lernte sie den Schauspieler Sky du Mont kennen. „Er ist sehr offen und lässt Statisten nicht einfach links liegen.“ Dass andere Schauspieler von den Laiendarstellern häufig keine Notiz nehmen, dafür hat Claudia Koop jedoch Verständnis. „Was negativ rüberkommt, ist oft einfach eine Schutzhaltung. Sie müssen sich ja konzentrieren.“ Nur bei einem würde sie zu einem Autogramm nicht Nein sagen. „Ich würde furchtbar gern mal mit Sean Connery drehen.“

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