Gesundheit

Honorarreform: Manchem Arzt droht die Pleite

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Jörg Ahrent

Glinde/Oststeinbek. Ab 1. Januar 2009 gibt es mehr Geld - davon gingen die niedergelassenen Ärzte in Schleswig-Holstein bisher aus.

Zahlreiche Hausarzt- und Facharztpraxen werden 2009 drastische Umsatzeinbußen erleiden.

Doch jetzt erhielten sie Post von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Schleswig-Holstein. In dem Schreiben wird den Ärzten mitgeteilt, dass viele von ihnen mit Umsatzeinbußen von mehr als 15 Prozent rechnen müssen. Das könne beim Gewinn "ein Minus von 30 Prozent und mehr" ausmachen, heißt es in dem Brief der KV. Für einige Praxen wäre eine solche Größenordnung das Aus.

"Die Nachricht kam überraschend", sagt Dr. Holm Schlegel, Hals-Nasen-Ohren-Arzt in Glinde. Er rechnet mit Umsatzeinbußen von zehn bis 15 Prozent bei den Honoraren, die die gesetzlichen Krankenkassen überweisen. "Das ist grenzwertig", so seine Einschätzung. Denn mit diesen Einnahmen würden Praxen wie seine gerade ihre Kosten decken, Gewinn sei nur mit Privatbehandlungen zu erzielen. "Wenn eintritt, was sich da abzeichnet, werden viele Kollegen aufgeben müssen", befürchtet Schlegel. Die KV habe bereits Rückstellungen gebildet, um Praxen in Not unterstützen zu können.

Schlecht sieht es auch für die Hausarztpraxis von Dr. Heidi Lührs-Höper in Oststeinbek aus. "Laut einem ersten Brief der KV sollten wir nur noch zwei Drittel dessen bekommen, was wir jetzt erhalten", sagt die Ärztin. "Das wäre Existenz bedrohend." In einem zweiten Schreiben seien die zu erwartenden Einbußen dann auf zehn Prozent reduziert worden, weil Posten wie Hausbesuche im Altenheim nun doch extra abgerechnet werden können.

"Plusminus Null" könnte es für die Praxis von Roland Emme in Glinde ausgehen. "Uns Chirurgen hat es tendenziell nicht so stark erwischt", so Emme. Er habe aber viele Arztkollegen gesprochen, die bis zu 20 Prozent Umsatzeinbußen befürchten.

Auf gleich bleibende Einnahmen stellt sich die Glinder Frauenärztin Christa-Maria Haas ein. "Wir haben uns nicht nach den Sparempfehlungen der KV gerichtet, sondern in diesem Jahr mehr Patienten angenommen und mehr Zeit investiert. Das zahlt sich aus."

Auch bei der KV Schleswig-Holstein wird die Situation als äußerst ernst angesehen. "Es besteht durchaus die Gefahr von Insolvenzen", sagt KV-Sprecher Jakob Wilder. Die Möglichkeiten gegenzusteuern seien aber sehr eingeschränkt. "Wir versuchen, durch Härtefallentscheidungen etwas abzufedern."

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