Wirtschaft

Ahrensburger revolutionieren Brandschutz

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Thomas Pöhlsen
Markus Fiebig, Senior Business Development Manager der JOB GmbH, mit den kleinsten Feuerlöschern der Welt

Markus Fiebig, Senior Business Development Manager der JOB GmbH, mit den kleinsten Feuerlöschern der Welt

Foto: Thomas Pöhlsen

Die Job GmbH entwickelte den E-Bulb, den kleinsten Feuerlöscher der Welt, der überwiegend in Elektrogeräten zum Einsatz kommt.

Ahrensburg.  Klein und unscheinbar sind die Produkte der Job GmbH, doch sie spielen eine wichtige Rolle bei dem Schutz von Menschenleben und Sachwerten. An der Kurt-Fischer-Straße werden Glasampullen für Sprinkleranlagen gefertigt. Das 1971 gegründete Unternehmen hat es zum Weltmarkführer mit einem Marktanteil von 79 Prozent gebracht.

E-Bulb wurde entwickelt, um Feuer in Elektrogeräten schnell zu löschen

Um sich unabhängiger von möglichen negativen Marktveränderungen zu machen, wurde vor zehn Jahren eine Strategie gestartet, mit dem bestehenden Know-how der „thermisch-auslösenden Glaselementen“ neue Produkte zu entwickeln, erklärt Markus Fiebig (34), Senior Business Development Manager der Job GmbH. Teil dieser Entwicklung eines zweiten Standbeins für das Unternehmen ist die „E-Bulb“, von den Job-Mitarbeitern auch „kleinster Feuerlöscher der Welt“ genannt. Sie wurde entwickelt, um Feuer in Elektrogeräten schnell zu löschen, bevor größerer Schaden entstehen kann.

Fiebig verweist auf den Großbrand des Grenfell Tower in London 2017, bei dem 72 Menschen ums Leben kamen. Ein defekter Kühlschrank war der Auslöser des Feuers. Die Hersteller von Kühlschränken, Fernsehern und Computern hätten zwar die Sicherheit ihrer Geräte kontinuierlich verbessert. Doch es komme vermehrt zu Spannungsschwankungen im Netz und viele Elektrogeräte in den Haushalten werden dauerhaft im Stand-by-Modus betreiben, was dazu führt, dass Elektrogeräte sich selbst entzünden können.

„Laut dem Schadensforschungsinstituts IFS entstehen über 30 Prozent aller Brände in Deutschland aufgrund von Elektrizität und viele Feuer starten innerhalb von Elektrogeräten“, so Fiebig. Diese Zahlen sind in den vergangen 20 Jahren konstant geblieben.

Die Zusammensetzung der Flüssigkeit in den Ampullen ist das Betriebsgeheimnis

In den Glaskörpern ist etwas Luft enthalten („ein kleines bisschen Luft aus Schleswig-Holstein kommt so in die ganze Welt“, so Fiebig nicht ohne Stolz), dass sich bei Temperatur ausdehnt und die E-Bulb zum Platzen bringt. Die Abkürzung steht für „extinguishing bulb“, also Löschampulle. Die in der Ampulle enthaltene Flüssigkeit löscht nach dem Bersten das Feuer.

Die Zusammensetzung der Flüssigkeit in den Ampullen ist das Betriebsgeheimnis des Unternehmens. Es gibt je nach Einsatzgebiet unterschiedliche Zusammensetzungen. Die Ampullen können bei unterschiedlichen Temperaturen platzen. Dies ist auch von den vor Ort herrschenden Temperaturen und Luftverhältnissen unterschiedlich. Die Job GmbH ist nur Komponentenanbieter und verkauft seine Innovation nicht direkt an den Kunden, sondern den Geräteherstellern.

Die Ahrensburger verkaufen ihre Innovation an die Gerätehersteller

Bevor das Okay für die Produktion der Mini-Sprinkleranlage gegeben wurde, hatte die Job GmbH umfangreiche Marktforschung betrieben. Kunden sind durchaus bereit etwas mehr für ein Elektrogerät zu bezahlen, wenn es ihnen durch die Feuerstopp-Funktion mehr Sicherheit bietet als Konkurrenzprodukte, fand das renommierte Forsa-Institut heraus. Die Job GmbH hat nun einen grünen Sticker mit der Aufschrift „Fire Stop“ entwickelt, den die Firmen nach bestandenen Tests auf das Produkt kleben dürfen, das kleiner als eine Ein-Euro-Münze ist.

Auf Initiative von Fiebig, der sich auch um das Marketing kümmert, hat der Mittelständler aus Schleswig-Holstein sein neues Produkt in sozialen Netzwerken vorgestellt. „Wir haben eine Angel ausgeworfen“, sagt der Projektfachmann. 500.000 Mal wurde der Beitrag geklickt. Und mit Walton Hi-Tech Industries aus Bangladesch nahm dann ein in Deutschland praktisch unbekannter, aber weltweit aufstrebender Newcomer Kontakt mit den E-Bulb-Herstellern auf.

In Bangladesch wurde der erste Fire-Stop-Fernseher vorgestellt

„Sie wollen bis 2030 weltweit unter die Top Five im Bereich Haushaltsgeräte kommen“, sagt Fiebig. Walton sieht in dem neuen Produkt eine Möglichkeit, sich positiv von den etablierten Marktteilnehmern abzusetzen. Fiebig ist beeindruckt, wie schnell und effektiv die Bangladescher arbeiten. Werbewirksam während der Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Anerkennung der Unabhängigkeit Bangladesch und im Beisein des Deutschen Botschafters Achim Tröster wurde der erste Fire-Stop-Fernseher vorgestellt.

Neben dem privaten Sektor sehen die Brandschutzexperten im Unternehmensbereich einen großen Markt für ihr neues Produkt. „Der kleinste Feuerlöscher der Welt kann nicht nur Leben retten, sondern auch Werte“, sagt er. Denn Betriebsunterbrechungen durch Brände sind das größte Risiko für Unternehmen. Zudem haben Versicherungen ein Interesse, Schadensfälle wie Brände zu vermeiden.

Besonders in kritischen Infrastrukturen, wo besondere Sicherheitsstandards herrschen müssen, werden bei Job Einsatzmöglichkeiten gesehen. „Die Brandlast soll so gering wie möglich gehalten werden“, sagt er. So hat gerade der Flughafen in Berlin die Anschaffung von großen elektrischen Werbetafeln ausgeschrieben, die sehr hohe Sicherheit bieten. „Die Berliner haben anfangs medial ordentlich einen auf den Deckel bekommen mit ihren Brandschutzmaßnahmen. Sie haben daraus gelernt und sind heute Vorreiter in Deutschland“, sagt Fiebig.

Und was kostet das Ergebnis deutschen Ingenieurs- und Handwerkergeistes? Abhängig von Stückzahlen muss zwischen einem niedrigen und mittleren einstelligen Euro-Betrag bezahlt werden.

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