Lebensretter

Ein Bäcker aus Trittau ist Blutspender erster Klasse

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Lutz Kastendieck
Stefan von Hartz in seiner Backstube. Der Trittauer zählt zu den engagiertesten Blutspendern im Land Schleswig-Holstein.

Stefan von Hartz in seiner Backstube. Der Trittauer zählt zu den engagiertesten Blutspendern im Land Schleswig-Holstein.

Foto: Lutz Kastendieck

Mehr als 77 Liter in 40 Jahren: Stefan von Hartz wird von Gesundheitsministerin mit Ehrennadel des Landes geehrt.

Trittau/Kiel.  Wenn Gesundheitsministerin Kerstin von der Decken (CDU) am Dienstagnachmittag in Kiel 14 verdienten Blutspendern im Namen des Ministerpräsidenten Daniel Günther die Ehrennadel des Landes Schleswig-Holstein überreicht, gehört zu den Geehrten auch Stefan von Hartz aus Trittau. „Ich war echt überrascht, als der Brief aus der Staatskanzlei eintraf“, gestand der 58 Jahre alte Bäckermeister. Von einem besonderen ehrenamtlichen Engagement sei in dem Schreiben die Rede gewesen, das sehe er aber anders. „Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit. Es ist meine Art, der Gesellschaft, in der ich lebe, etwas zurückzugeben“, erklärt von Hartz.

Blutspenden hat in der Familie Tradition

Zwei Tage nach seinem 18. Geburtstag habe er das erste Mal Blut gespendet und seitdem 155-mal. „Das Blutspenden hat in meiner Familie Tradition. Meine Eltern haben das auch regelmäßig gemacht, da wollte ich nicht nachstehen“, sagt der Trittauer, der das von seinen Großeltern gegründete Bäckergeschäft nun in dritter Generation fortführt.

„Ich weiß noch, dass ich der ersten Spende regelrecht entgegengefiebert habe“, berichtet von Hartz. Damals sei er Auszubildender in Neumünster gewesen. Abgesehen von der inneren Überzeugung, dass Blut zu spenden wichtig sei, gebe es ja stets auch einen kleinen Imbiss zur Stärkung. Mal Schnittchen, mal Kuchen, mal eine warme Suppe mit Würstchen. „Das war für mich armen Azubi noch ein Grund mehr, mich freiwillig zu melden“, erzählt er mit einem Schmunzeln.

Alle 56 Tage bei einem Blutspendetermin

Der Bäckermeister ist aber dabeigeblieben. Sechsmal pro Jahr meldet er sich an, alle 56 Tage. In den 40 Jahren seit 1982 hat er nur einmal zwangspausieren müssen, im Nachgang eines Motorradunfalls. 1997 ist er sogar dem DRK-Ortsverein seiner Heimatgemeinde beigetreten, der seit Jahrzehnten Blutspende-Aktionen organisiert. Seit geraumer Zeit mit Brot, Brötchen und Kuchen aus dem Hause von Hartz.

Dass bei dem einstündigen Termin jedes Mal ein dreiseitiger Fragebogen mit 40 bis 50 Fragen als freiwilliger Selbstauskunft ausgefüllt werden muss, ist für den Trittauer längst gelassene Routine. „Gehört dazu, muss sein und ist auch gar nicht schlimm“, sagt er. Schließlich sei es sinnvoll, bereits vor der Spende abzuklären, ob die Blutabgabe wegen möglicher Infektionen oder eingenommener Medikamente ausgesetzt werden müsse.

200 Spenden und mehr sind die Ausnahme

Zum Glück hat der überzeugte Blutspender noch niemals selbst eine Blutkonserve gebraucht. Es mache ihn aber stolz zu wissen, dass er mit seinen mehr als 77 Litern gespendetem Blut vielen Menschen das Leben gerettet habe. „Theoretisch kann man bis zum 72. Lebensjahr Blut spenden. Sollte ich gesund bleiben, werde ich es jedenfalls noch viele Jahre tun“, ist Stefan von Hartz überzeugt.

Der ebenfalls zur Ehrung eingeladene Ahrensburger Holger Reuter hat bei 182 Terminen sogar schon 91 Liter Blut gespendet. Auf noch mehr Spenden blickt Dirk Schoppenhauer aus Köthel zurück: Er hatte im Mai 2022 bereits 205 Vollblutspenden geleistet. „200 Spenden und mehr sind eine absolute Ausnahme“, weiß Susanne von Rabenau, Sprecherin des DRK-Blutspendedienstes Nord-Ost mit Sitz in Lütjensee. Alle paar Jahre gebe es in Schleswig-Holstein gerade mal einen oder zwei Spender mit solch einer großen Zahl an Blutspenden.

Frauen dürfen nur viermal pro Jahr Blut spenden

Frauen können solche Werte nicht erreichen, da sie nur maximal viermal pro Jahr spenden dürfen. Deshalb werden die engagiertesten Frauen seit einigen Jahren bereits bei 75 Spenden geehrt. Auszeichnungen gibt es im Weiteren für 100, 125, 150, 175 und 200 Spenden.

Obwohl die Anzahl an Blutspenden, Spendern und angebotenen Terminen in den Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg in den vergangenen Jahren weitgehend konstant geblieben ist, werden allerorten vor allem mehr Erstspender gesucht. In Stormarn ist die Erstspenderquote 2021 im Vergleich zum Vorjahr von 8,7 auf 7,6 Prozent gesunken, im Herzogtum von 8 auf 7,1 Prozent.

Abgegebene Spenden sind wieder rückläufig

Das Gleiche gilt für die Anzahl der abgegebenen Spenden. 2020 ist sie im Vergleich zu 2018 zwar um mehr als 900 auf 9838 gestiegen, im Vorjahr aber dann auf 9176 gefallen. Im Herzogtum ist sie bereits seit 2018 (7368 Spenden) rückläufig. 2020 waren es 6912, im vergangenen Jahr nur noch 6617.

„Angesichts der Corona-Pandemie können wir mit der Entwicklung der Spenderzahlen in Stormarn dennoch sehr zufrieden sein“, sagt von Rabenau. Die Terminanzahl habe sich im Kreis zwar verringert, dafür würden im Schnitt jedoch mehr Spender als zuvor kommen. Im Herzogtum sei die Zahl der Spender pro Termin einigermaßen konstant geblieben.

Täglich werden 500 Blutkonserven benötigt

Eine positive Tendenz sei wichtig, da in Schleswig-Holstein und Hamburg täglich rund 500 Blutspenden benötigt würden, um den Bedarf der Kliniken und onkologischen Arztpraxen zu decken. Deutschlandweit werden täglich rund 15.000 Blutspenden gebraucht.

Den letzten eklatanten Mangel an Blutkonserven hat es gerade erst im Frühjahr dieses Jahres gegeben, er zog sich über mehrere Wochen hin. „Das hing mit der Infektionslage in der Pandemie zusammen“, erklärt Susanne von Rabenau. Viele Menschen hätten nach einem positiven Corona-Test nicht spenden können und seien folglich für mehrere Wochen von der Spende zurückgestellt worden

Bevorratung nur zeitlich begrenzt möglich

Außerdem waren nach den Lockdowns Urlaubsreisen wieder möglich, weshalb viele Spender nicht zur Verfügung standen. Dabei war und ist der Bedarf an Blutkonserven unvermindert hoch. In zahlreichen Kliniken werden nun viele Operationen nachgeholt, die pandemiebedingt verschoben worden sind, als akut gefährdete Corona-Patienten den Vorrang hatten.

„Diese Situation hat sich seit Mitte Juni ein wenig entspannt“, so die Sprecherin des DRK-Blutspendedienstes Nord-Ost. Jedoch könne wegen der geringen Haltbarkeit von Blutpräparaten kein Vorrat angelegt werden. Deshalb bedürfe es einer gewissen Kontinuität bei Blutspenden. „Diesmal sind wir recht gut durch die Ferienzeit gekommen. Das haben wir auch den fleißigen Stormarner Spendern wie etwa Herrn von Hartz zu verdanken, der unsere Blutspende-Aktionen seit Jahren mit großer Regelmäßigkeit wahrnimmt“, sagt Susanne von Rabenau.

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