Klimaschutz

Ausstellung macht auf Meeresmüll aufmerksam

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Juliane Minow
Kathrin Borowski-Prilipp lädt Besucher für Sonnabend, 20. August, in ihr Atelier ein.

Kathrin Borowski-Prilipp lädt Besucher für Sonnabend, 20. August, in ihr Atelier ein.

Foto: Juliane Minow

Vor sieben Jahren begann Kathrin Borowski-Prilipp das Umdenken. Seitdem spielt Nachhaltigkeit in ihrem Leben eine große Rolle.

Ammersbek.  Luftpolsterfolie, Schuhsohlen, die Kunststoffborsten eines Besens: All das hat Kathrin Borowski-Prilipp über viele Jahre aus dem Meer gefischt – und zu Kunstwerken verarbeitet. Am Sonnabend, 20. August, können Interessierte ihr Atelier bestaunen. Von 10 bis 19 Uhr lädt sie zu ihrer Ausstellung in den Wulfsdorfer Weg 22 in Ammersbek ein. Ihre Tochter Sonja Borowski wird ebenfalls vor Ort sein und die Besucher über Foodsharing informieren.

Veranstaltung „Saturdays for Future“ soll keine einmalige Sache bleiben

Das Ziel der Veranstaltung ist für Kathrin Borowski-Prilipp klar: Sie möchte Menschen dazu ermutigen, die Welt ein bisschen besser zu machen. Nachhaltigkeit und Umweltschutz spielen im Leben der Ammersbekerin nämlich eine große Rolle. Vor vielen Jahren wurde sie auf das Problem des Meeresmülls aufmerksam und begann, ihn zu sammeln. Seitdem ist eine Menge passiert. Nun traut die Künstlerin sich auch in die Öffentlichkeit.

Einen Titel hat die Veranstaltung auch: „Saturday for Future“ – angelehnt an die globale Bewegung Fridays for Future, in deren Zuge Schüler und Studierende seit 2018 für mehr Klimaschutz auf die Straße gehen. „Ich frage mich manchmal, warum ich das eigentlich alles mache“, so Borowski-Prilipp. „Und dann komme ich zu dem Ergebnis: Weil ich mich verantwortlich fühle. Ich habe schon länger auf dieser Erde gelebt als die jungen Menschen, in unserer Generation wurde noch nicht so sehr auf Umweltschutz geachtet. Gerade deshalb fühle ich mir jetzt in der Verpflichtung, aktiv zu werden.“

Sie möchte versuchen, Lösungen zu finden, möchte ihr Leben dahingehend ändern, dass es der Welt möglichst wenig schadet. Sie vermeidet Müll, kauft im Unverpacktladen, lebt vom Foodsharing ihrer Tochter. „Es macht mir zu schaffen, dass wir die Natur so kaputt machen. Ich möchte zumindest nicht dazu beitragen“, sagt die Ammersbekerin. Deshalb versucht sie, ihr eigenes Leben so zu gestalten, dass sie einen positiven Unterschied macht. „Ich gucke bei mir selbst. Dann fühle ich mich nicht so machtlos“, sagt die Ammersbekerin.

Nach der Ausstellung möchte Künstlerin sich Papier oder Glas widmen

Nach der Ausstellung am 20. August möchte sie künstlerisch zunächst mit dem Thema Meeresmüll abschließen – und sich Themen wie Papier oder Glas widmen. Auch Wasser und Holz interessieren die Künstlerin Gemeinschaftsprojekte kann sie sich vorstellen, denn sie hat auch einen Kreativkreis, in dem sie Kunst mit anderen umsetzt. „Ich bin offen für das, was sich ergibt“, so die Künstlerin. In jedem Fall wäre ihr Wunsch, dass „Saturday for Future“ keine einmalige Sache bleibt, sondern dass unter diesem Titel alle paar Monate Veranstaltungen oder Aktionen stattfinden.

Was die Zuschauer am 20. August im Atelier in Ammersbek erwartet? „Mein Atelier soll sich wie ein Abtauchen in die Nordsee anfühlen“, sagt Borowski-Prilipp. Der ganze Raum wird voll sein mit Meeresmüll. Die Besucher sollen sich so in die Lage eines Meerestieres unter Wasser versetzen und direkt mit den Unmengen an Abfall konfrontiert werden. Die Vermüllung soll am eigenen Leib erfahren werden. Eine Zielgruppe hat Borowski-Prilipp nicht im Kopf: Ob jung oder alt – „es kann jeder kommen, der Lust hat.“ Wer mit ihr ins Gespräch kommen möchte, ist dazu eingeladen. Aber: „Wer nur gucken und nicht angesprochen werden möchte, ist auch herzlich willkommen.“

Tochter gibt Tipps zur Rettung von Lebensmitteln vor dem Wegwerfen

Bis zum Tag der Ausstellung hat die Künstlerin noch einiges vor, soll sich der Raum noch ziemlich stark verändern. Viele Plastikteile aus dem Meer hat sie gerade gesäubert, wird diese im Atelier verteilen, nach Farben sortieren. Einiges, das jetzt schon im Atelier ist, zum Beispiel ein großer Turm aus Müll, wird bleiben.

In der Küche können die Besucher mehr über Foodsharing erfahren. Seit einigen Jahren rettet ihre Tochter Sonja Borowski gemeinsam mit ihrem Mann Lebensmittel davor, weggeschmissen zu werden. Sie holt Lebensmittel von Supermärkten ab, die sonst in der Tonne landen würden, versorgt Bedürftige und lebt selbst davon. „Viele Menschen finden das interessant und fragen sich, wie das genau funktioniert. Deshalb wollte ich das Thema auch in meine Ausstellung integrieren“, sagt Kathrin Browoski-Prilipp.

Der Eintritt zur Ausstellung ist frei. Besucher werden gebeten, wegen begrenzter Parkmöglichkeiten möglichst mit dem Fahrrad zu kommen und eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Die Ausstellung selbst ist nicht barrierefrei und kann von Menschen mit Rollstuhl nicht erreicht werden. Dass sie überhaupt Menschen in ihr Atelier einlädt, ist für Kathrin Borowski-Prilipp schon ein Schritt aus ihrer persönlichen Komfortzone heraus. Deshalb ist allein das für sie schon ein voller Erfolg: „Ich bin glücklich, dass ich überhaupt das mache“, sagt sie.

Und: „Wenn ein paar Menschen Lust haben zu kommen, würde ich mich freuen.“ Im Idealfall entstehen während der Ausstellung Gespräche, aus denen sich wiederum Treffen ergeben. Wenn sie Menschen animieren könnte, sich über ihre Bemühungen in Sachen Umweltschutz auszutauschen, wäre das für die Künstlerin das schönste Geschenk. Borowski-Prilipp: „Ich bin gespannt darauf, ob sich etwas auftut – wie und wo auch immer.“

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