Karriere

Sparkasse Holstein holt erstmals Frau in den Vorstand

| Lesedauer: 5 Minuten
Lutz Kastendieck
Silke Boldt wurde gerade zum vierten Vorstandsmitglied der Sparkasse Holstein gewählt. Das Votum des Zweckverbands war einstimmig.

Silke Boldt wurde gerade zum vierten Vorstandsmitglied der Sparkasse Holstein gewählt. Das Votum des Zweckverbands war einstimmig.

Foto: Lutz Kastendieck

Silke Boldt soll in dem Geldhaus künftig das Privatkundengeschäft managen. Der Neuzugang kommt mit spannender Ost-West-Biografie.

Bad Oldesloe.  Erstmals in der Geschichte der Sparkasse Holstein steigt eine Frau in den Vorstand auf. Die 53-jährige Silke Boldt verstärkt künftig das Gremium und wird viertes Mitglied neben Thomas Piehl, Joachim Wallmeroth und Michael Ringelhann. Das hat der Zweckverband des Geldhauses auf seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen. „Die Wahl bildet den Abschluss eines langen, erfolgreichen Prozesses, mit der die Sparkasse Holstein ihre eingeschlagene Wachstumsstrategie konsequent fortsetzt“, sagt Landrat Henning Görtz in seiner Eigenschaft als Verwaltungsratsvorsitzender des Geldinstituts. Es sei überaus positiv, dass der Vorstand der Sparkasse Holstein mit Silke Boldt weiblicher werde.

Aufgewachsen in der Mecklenburgischen Schweiz

Mit ihr soll sich vor allem ein stärkerer Fokus auf das Privatkundengeschäft richten. Dafür erschien Boldt die perfekte Kandidatin, die sich letztlich gegen rund 60 Mitbewerber durchgesetzt hat, darunter viele Frauen. Bei ihren zurückliegenden Stationen trug sie vor allem Verantwortung in diesem wichtigen Geschäftsfeld. „Dass die Filialen das Herzstück der Sparkasse bilden, hat mir sofort gefallen. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mir den Teams dort, sie sind unsere Multiplikatoren in der Fläche“, erklärte der Neuzugang.

Silke Boldt kommt mit einer spannenden Ost-West-Biografie nach Bad Oldesloe. Aufgewachsen in Teterow in der Mecklenburgischen Schweiz, wechselte die Wirtschaftskauffrau nur deshalb in den Sparkassensektor, weil sich nach dem Mauerfall 1989 die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG), in der sie beschäftigt war, aufgelöst hatte. „Ich war damit praktisch gezwungen, mich beruflich neu zu orientieren, habe den Quereinstieg ins Bankengewerbe aber nie bereut“, sagte sie unserer Redaktion.

Umbau der Ostseesparkasse maßgeblich begleitet

An ihrem ersten Arbeitstag in einer Filiale der Ostseesparkasse ihrer Heimatstadt habe sie gleich einen ganzen Batzen Geld bewegen dürfen, was schon mal eine hoffnungsvolle Perspektive versprochen habe. 1998 wechselte sie dann in die Zentrale nach Rostock. Dort wurde sie rasch Sachgebietsleiterin fürs Vertriebsmanagement und die Personalbetreuung.

Ab 2009 war Boldt maßgeblich in den Umbau der Ostseesparkasse involviert, die heute zu den erfolgreichsten Sparkassen in Deutschland zählt. In Rostock stieg sie 2016 zur Vertreterin des Vorstands auf. 2019 folgte dann der nächste Karriereschritt, als sie in den Vorstand der Sparkasse Wilhelmshaven berufen wurde. In dem Haus mit 150 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von 850 Millionen Euro trug sie die Gesamtverantwortung für den Vertrieb, bevor die ausgewiesene Privatkundenexpertin vor einem Jahr in den Vorstand der Sparkasse Marburg-Biedenkopf wechselte.

Sehnsucht nach dem Norden war allgegenwärtig

„Obwohl ich dort sehr gut aufgenommen worden bin und viel bewegen konnte, war die Sehnsucht nach der Heimat doch immer gegenwärtig, mein Herz schlägt einfach für den Norden“, sagt Silke Boldt. Zumal ihr Mann als selbstständiger Maschinenbauingenieur in Rostock geblieben war. Und sie auch ihre Tochter (32) und die beiden Enkeltöchter (vier und eins) schmerzlich vermisste, die im Landkreis Rostock wohnen.

„Auf den vielen Heimfahrten ist mir bewusst geworden, wie verdammt weit weg Marburg doch ist“, berichtet Silke Boldt. Wenn es schlecht lief, hat sie für die 600 Kilometer bis an die Ostsee schon mal neun Stunden gebraucht. „Doch auch die Durchschnittszeit von sechseinhalb Stunden sind sehr viel Lebenszeit, die man auf der Autobahn verbringt“, so Boldt.

In Stormarn mit innerer Überzeugung sesshaft werden

Deshalb sei sie nun umso glücklicher, mit dem Engagement bei der Sparkasse Holstein in den Norden zurückkehren zu können. Sie wolle schon bald in den Kreis Stormarn ziehen, um viel Kraft und Zeit für die neuen Aufgaben zu haben. „Digitalisierung und Nachhaltigkeit stellen große Herausforderungen dar, denen wir uns konsequent und möglichst erfolgreich stellen müssen“, sagt die Finanzexpertin. Die Sparkasse Holstein sei ihr Lebensplan für die verbleibenden Berufsjahre, in Stormarn wolle sie jetzt mit voller innerer Überzeugung sesshaft werden.

„Mit unserer Strategie 2025+ hat sich die Sparkasse Holstein im Sinne einer kundenorientierten Wachstumsstrategie neu aufgestellt und tritt als moderner, attraktiver Arbeitgeber auf“, gibt der Vorstandsvorsitzende Thomas Piehl die Richtung vor. Mit dem vierten Vorstandsmitglied sollen insbesondere der Vertrieb und eine nachhaltige Filialpolitik gestärkt werden. Deshalb habe das Haus den Verantwortungsbereich für das Kundengeschäft jetzt geteilt.

Die 34 Filialen sind das Herzstück der Sparkasse Holstein

Joachim Wallmeroth wird sich künftig auf das Gewerbekundensegment, das Private Banking und das Geschäft in der S-International Schleswig-Holstein konzentrieren. Hier liege angesichts der Lage des Geschäftsgebiets der Sparkasse Holstein an der Verkehrsachse Hamburg--Kopenhagen innerhalb der Hansebelt-Region enormes Potenzial.

Silke Boldt soll hingegen das Privatkundengeschäft managen, das Herzstück einer Sparkasse. Hier stehe mit 34 Filialen eine starke Präsenz in der Fläche im Vordergrund mit allen wichtigen Offerten eines prosperierenden Kreditinstituts, von Finanzdienstleistungen über Vermögensbildung und Geldanlage bis zur Baufinanzierung.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Stormarn