Ammersbek

Nach Großfeuer: Neues Clubhaus steht im Herbst

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Harald Klix
Nach der Brandstiftung wird das Clubhaus der Tennisabteilung des SV Timmerhorn-Bünningstedt neu gebaut (v. l.): Handwerker Tobias Möck, Abteilungsleiter Nico Thieme, Architekt Chris von Mallinckrodt, stellv. Abteilungsleiter Marcus Fuchslocher, Handwerker Frederik Möck.

Nach der Brandstiftung wird das Clubhaus der Tennisabteilung des SV Timmerhorn-Bünningstedt neu gebaut (v. l.): Handwerker Tobias Möck, Abteilungsleiter Nico Thieme, Architekt Chris von Mallinckrodt, stellv. Abteilungsleiter Marcus Fuchslocher, Handwerker Frederik Möck.

Foto: Harald Klix

SV T.-Bünningstedt baut von Brandstiftern zerstörtes Tennisheim für 500.000 Euro wieder auf. Heizung mit Biogas und Solarthermie.

Ammersbek. Der Brandstifter schlägt im Schutz der Dunkelheit zu: An einem Montagabend vor fast zwei Jahren brechen rund um die Grundschule Bünningstedt in Ammersbek an drei Stellen nahezu gleichzeitig Feuer aus. Die Flammen vernichten das Tennis-Clubhaus des SV Timmerhorn-Bünningstedt (SVTB). Nach schwierigen Zeiten voller Improvisationen haben die rund 225 Mitglieder der Abteilung bald wieder ein Zuhause: Das rund 500.000 Euro teure neue Clubhaus wird im Herbst eingeweiht. Die Übergabe ist für September geplant.

„Wir hoffen, Ende März Richtfest feiern zu können“, sagt Abteilungsvorstand Nico Thieme. Je nach der Entwicklung der Corona-Vorschriften sollen möglichst viele Mitglieder dabei sein. Der zweite Vorsitzende Marcus Fuchslocher ergänzt: „Die Umstände der letzten zwei Jahre waren für alle Vereinsbeteiligten zeitweise äußerst herausfordernd. Der Neubau bietet uns nun aber auch enorme Möglichkeiten.“ Damit habe der Verein eine großartige Perspektive.

Zur Überbrückung wird ein Sanitärcontainer aufgestellt

„Erfreulicherweise hat es trotz aller Widrigkeiten keine Austritte gegeben“, sagt Thieme. Das habe schon Mut gemacht, zumal wenige Wochen vor dem Brand auch noch die Corona-Pandemie ausgebrochen war. In dem Jahrzehnt davor konnte die SVTB-Tennisabteilung dem allgemeinen Abwärtstrend in der Sportart sogar trotzen: Die Mitgliederzahl sei von knapp 140 auf mehr als 220 gestiegen, so Marcus Fuchslocher. Aktuell sind allein im Jugendtraining 70 Kinder. „Darunter sind auch etliche, die mit unserer speziellen Flex-Mitgliedschaft die Sportart einfach mal ausprobieren.“

Das Großfeuer am 30. März 2020 vernichtete das Clubhaus inklusive Umkleidekabinen und Duschen komplett. Im Sommer danach konnten die Teams von den Junioren über die Damen bis zu den Herren 50 auf der heimischen Anlage keine Punktspiele austragen, sondern mussten stets reisen. Eine kleine Holzhütte in den rot-weißen Vereinsfarben bot ab August zumindest provisorisch Unterschlupf. In der Saison 2021 wurden ein stabiles größeres Zelt und ein Sanitärcontainer aufgestellt. Beides soll für dieses Jahr erneut gemietet werden.

Nur die Bodenplatte hat das Feuer überstanden

Nach dem ersten Schock „und etlichen schlaflosen Nächten“ machte sich der Abteilungsvorstand an die Pläne für den Wiederaufbau. Mit dem Berliner Chris von Mallinckrodt wurde ein engagierter Architekt gefunden, der sofort erste Entwürfe entwickelte. Im November 2020 folgte das Okay von der Versicherung.

In Abstimmung mit der Ammersbeker Verwaltung und dem Bauamt des Kreises Stormarn wurde das Projekt vorangetrieben. Im vergangenen Dezember traf die Baugenehmigung ein. „Da hatten wir die konkrete Planung schon fertig in der Schublade, sodass die Handwerker direkt loslegen konnten“, sagt von Mal­linck­rodt. Die Bodenplatte, die das Feuer unbeschadet überstanden hatte, ist die Basis für den Neubau. Dieser wird minimal größer ausfallen als der fast 40 Jahre alte Vorgänger, da unter anderem strengere technische und energetische Anforderungen zu erfüllen sind.

Kripo fand keine Spuren zum mutmaßlichen Brandstifter

„Der Neubau wird um ein barrierefreies WC und einen deutlich großzügigeren WC- und Duschtrakt erweitert“, sagt der Architekt. Das Gebäud̈e entspreche der Effizienzhaus-Stufe 55 der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Eine bereits einkalkulierte Förderung erhält der Sportverein wegen der zu Anfang Februar überraschend eingestellten KfW-55-Förderung nicht mehr. Dagegen habe der Landessportverband Schleswig-Holstein einen Zuschuss zugesagt, so Abteilungsvorstand Nico Thieme.

Für die Wärmeversorgung kann auf fossile Energieträger verzichtet werden. „Das Gebäude wird mit einer Mischung aus Biogas und Solarthermie beheizt“, sagt Architekt Chris von Mallinckrodt. Die großzügige gen Süden ausgerichtete Fläche des Satteldaches biete sich geradezu an, um sie mit Solarpaneelen zu bestücken.

Kuddel-Muddel-Turnier soll nach zwei Jahren Pause zurückkehren

Mit der Aussicht auf das Woche für Woche wachsende Clubhaus hat der Abteilungsvorstand einiges vor. So soll das zweimal hintereinander ausgefallene Kuddel-Muddel-Turnier, zu dem auch Gäste willkommen sind, über Pfingsten zum 43. Mal ausgetragen werden. Für den Sommer sind die Vereinsmeisterschaften und ein Jugendcamp geplant, ehe im Oktober Fußball-Tennis die Saison beendet – dann mit modernem Clubhaus.

Der Brandalarm war am 30. März 2020 um 20.12 Uhr ausgelöst worden. Rund 80 Feuerwehrleute aus Ammersbek und Bargteheide waren bis zum nächsten Morgen im Einsatz. Sie können die Flammen an einem Fahrradhaus der Grundschule sowie einem Geräteschuppen des Sportvereins löschen, das Clubhaus aber nicht mehr retten. Die Kripo konnte den Brandstifter bisher nicht ermitteln.

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