Politisches Kabarett

Zwei Wutbürger streifen nachts durch den Bundestag

| Lesedauer: 3 Minuten
Der Pfleger (Sebastian Wirnitzer, l.) und die Alleinerziehende (Nancy Spiller) fesseln den Abgeordneten Heinz Güdderath (Stefan Martin Müller),

Der Pfleger (Sebastian Wirnitzer, l.) und die Alleinerziehende (Nancy Spiller) fesseln den Abgeordneten Heinz Güdderath (Stefan Martin Müller),

Foto: Chris Gonz

Die Distel gibt Gastspiel im Kleinen Theater Bargteheide. Im Stück gipfelt ziviler Ungehorsam in der Entführung eines Politikers.

Bargteheide.  Das 1953 gegründete Ostberliner Kabarett-Theater Die Distel ist 32 Jahre nach dem Mauerfall aus der deutschen Kabarettlandschaft nicht mehr wegzudenken. Das laut eigener Aussage größte Ensemble-Kabarett Deutschlands kommt am Freitag, 28. Januar, erstmals zu einem Gastspiel ins Kleine Theater Bargteheide.

Protestler wollen sich Gehör verschaffen

„Nachts im Bundestag – Politiker am Rande des Wahnsinns“ heißt das Programm, bei dem zwei von Politik und Regierung enttäuschte Protagonisten sich mittels zivilem Ungehorsam endlich Gehör verschaffen wollen. „Warum stürmen eigentlich immer nur die Vollidioten die Parlamente?“, fragen sich der Pfleger aus Thüringen (Sebastian Wirnitzer) und die alleinerziehende Mutter (Nancy Spiller). Also beschließen sie, sich als Besucher in den Bundestag zu schmuggeln.

Dort angekommen, treffen sie auf den CDU-Abgeordneten Heinz Güdderath (Stefan Martin Müller), der als der Letzte der Landesliste ganz unten in der Hierarchie steht. Wie es weitergeht, beschreibt Sabine Walther, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Theaters, so: „Sie nehmen ihn als Geisel – allerdings geschieht das ganz sanft. Der Hinterbänkler findet daran immer mehr Gefallen, denn auch er verspricht sich von der Aktion mehr Aufmerksamkeit.“

Gruppe diskutiert über soziale Themen

Das Schöne sei, dass die drei schließlich ins Gespräch kämen und sich eine Diskussion über soziale Themen und darum entspinne, wie Demokratie gewährleistet werden könne. „Das Stück beschäftigt sich mit der Situation, was man macht, wenn alles im Wandel ist.“ Zwar werde auch ein bisschen mit dem Ost-West-Klischee gespielt, „aber wir machen kein Kabarett aus der ostdeutschen Perspektive“, betont Walther, „sondern gesamtdeutsches Kabarett“.

Vom Grundgedanken her gehe es um Menschen, „die sauer sind und wollen, dass man ihnen zuhört“. Das Programm werde laufend aktualisiert und um neue Themen ergänzt. Unter den Themen, die im Lauf der Handlung zur Sprache kämen, seien auch Querdenker, „braunes Denken“ und die AfD. Und als es darum geht, welche Forderungen die beiden Protestler überhaupt haben, muss ihnen der Hinterbänkler sogar bei der Formulierung unter die Arme greifen.

Nummernkabarett mit Rahmenhandlung

„Nachts im Bundestag“ ist ein Nummernkabarett mit Rahmenhandlung, Livemusik und kleinen choreografierten Tanzszenen. Diese Bausteine verleihen dem Konstrukt nicht nur großen Unterhaltungswert, sondern bieten zudem maximale Flexibilität – die auch von den Darstellern gefordert wird. Diese müssten sich auf immer wieder neue Inhalte einstellen, erläutert Sabine Walther. „Es gibt in den Textbüchern Passagen, die sich für eine fortlaufende Aktualisierung von Inhalten anbieten.“ Nachdem der Autor das Textbuch vorgelegt habe, gehe es im Ensemble in die Diskussion. „Die Schauspieler haben Anteil an der Inszenierung und steuern viel Input bei den Aktualisierungen bei.“

Die Vorfreude auf das Gastspiel ist beim Team des Kleinen Theaters groß. Vorstandsmitglied Anja Libnau sagt: „Das ist hochkarätiges politisches Kabarett – und noch dazu von super Schauspielern auf die Bühne gebracht.“

Kabarett: Fr 28.1., 20.00, Kleines Theater, Hamburger Straße 3, Karte im Vvk. 25,–, Vvk.: www.kleines-theater-bargteheide.de, Bargteheider Buchhandlung (Rathausstraße 25), Arkaden-Buchhandlung (Bahnhofstraße 5); Ahrensburg: Buchhandlung Stojan (Hagener Allee 3a); Bad Oldesloe: Stadtinfo im KuB (Beer-Yaacov-Weg 1)

( nick )

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