Stormarn

Initiative will neues Gewerbegebiet in Siek stoppen

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Filip Schwen
Sie wollen die Erweiterung des Gewerbegebiets Bültbek stoppen: Hans-Dieter Jürs (v. l.), Uta Kordinand, Grünen-Ortschef Sven Hansen, Regine Haas, Ekkehard Heinbockel (FDP), Solweig und Hans-Heinrich Just (Grüne) und Barbara Teetzmann.

Sie wollen die Erweiterung des Gewerbegebiets Bültbek stoppen: Hans-Dieter Jürs (v. l.), Uta Kordinand, Grünen-Ortschef Sven Hansen, Regine Haas, Ekkehard Heinbockel (FDP), Solweig und Hans-Heinrich Just (Grüne) und Barbara Teetzmann.

Foto: Filip Schwen / HA

Firma ATG Autotechnik möchte in Bültbek auf vier Hektar Ackerland nach Süden expandieren. Investor plant auch Transportmuseum.

Siek. Ekkehard Heinbockel ist fest entschlossen. Der Sieker, der für die FDP in der Gemeindevertretung sitzt, möchte verhindern, dass aus dem Ackerland westlich der Hauptstraße ein Gewerbegebiet wird. „Wenn dort gebaut wird, wäre das nicht nur ein heftiger Eingriff in das Ortsbild, sondern würde auch die örtliche Infrastruktur überlasten“, sagt er. Unterstützung erhält Heinbockel nicht nur von Anwohnern, sondern auch vom erst im vergangenen Jahr gegründeten Sieker Ortsverband der Grünen.

Sieker wollen Erweiterung für Gewerbegebiet Bültbek verhindern

„Wir möchten eine weitere Versiegelung von Flächen verhindern“, sagt der Vorsitzende Sven Hansen. Es gebe keine Notwendigkeit, das Areal nun für Gewerbe zu erschließen. „Wir rufen die Siekerinnen und Sieker dazu auf, den Plänen entgegenzutreten“, sagt Hansen. Mit grünen Holzkreuzen im Vorgarten machen die Unterstützer der Initiative auf sich aufmerksam. „Es ist eine Referenz an die Gründungsjahre unserer Partei, als solche Kreuze in gelb ein Symbol der Anti-Atomkraft-Bewegung waren“, erklärt Hansen.

Doch worum geht es überhaupt? Im November haben Sieks Gemeindevertreter eine Erweiterung für das Gewerbegebiet Bültbek nach Süden auf den Weg gebracht. Die Entscheidung fiel mit überwältigender Mehrheit. Einzig Heinbockel, einer von zwei Vertretern der FDP in dem Gremium, votierte gegen die Pläne. Anlass für das Vorhaben ist der Wunsch der Firma ATG Autotechnik zu expandieren. Das Unternehmen fertigt in Siek Gelenke und Wagenübergänge für Busse, Straßenbahnen, Züge und Sonderfahrzeuge.

Firma ATG möchte Verwaltung von Trittau nach Siek verlagern

Die Unternehmensverwaltung ist aktuell an einem separaten Standort in Trittau untergebracht. Die Firma möchte ihren Sitz vollständig nach Siek verlegen und hat dazu vier Hektar Acker von einem Landwirt erworben, die unmittelbar an das Firmengelände angrenzen. Dort möchte ATG neben Verwaltungsgebäuden zusätzliche Produktionshallen errichten. Geplant sind außerdem Flächen zur Vermietung an Start-Ups und kleinere Betriebe. Am östlichen Ende des Areals möchte die Firma außerdem ein Transport-Museum bauen. Laut Planunterlagen sollen dort „Entwicklungen und Produkte der Firma ATG Autotechnik sowie Fahrzeuge, Maschinen, Technik und Historie zum Thema Transport“ präsentiert werden.

Die Pläne des Investors sehen zusätzlich einen Museumsshop sowie Gastronomie- und Veranstaltungsmöglichkeiten in den Räumen vor. Für das Projekt müssen sowohl der Bebauungsplan (Nr. 8) als auch der Flächennutzungsplan geändert werden. Beides hat die Sieker Gemeindevertretung bereits auf den Weg gebracht. Voraussichtlich im Februar wollen die Politiker die öffentliche Auslegung der Änderungsentwürfe beschließen.

Gegner befürchten einen massiven Eingriff in das Ortsbild

Heinbockel, Hansen und ihre Mitstreiter kritisieren das Vorhaben scharf. „Der neue B-Plan würde es dem Investor ermöglichen, in Teilen bis zu 15 Meter hohe Hallen zu errichten“, warnt Heinbockel. Dies bedeute einen „massiven Eingriff“ in das dörfliche Ortsbild. „Es war über die vergangenen 30 Jahre Konsens, Bültbek nicht zu erweitern“, sagt der FDP-Politiker. Stattdessen sei das Gewerbegebiet Jacobsrade auf der anderen Seite der Landesstraße 224, getrennt vom Ortskern, angelegt worden. „Die Ackerfläche sollte eigentlich der Aufforstung dienen“, sagt er.

Sven Hansen fürchtet, neben einer weiteren Flächenversiegelung, vor allem eine Überlastung der Infrastruktur. „Die Erschließung soll über Bültbek und Hauptstraße erfolgen“, sagt er. Auf beiden Trassen sei die Verkehrsbelastung schon jetzt hoch. „Wir sehen auch ein erhebliches Gefahrenpotenzial für Kinder“, sagt Hansen. Die Anbindung des Gewerbegebiets, der Kreisverkehr an der Ecke Bültbek/Hauptstraße/Am Bürgerpark, werden von den Sieker Mädchen und Jungen täglich auf ihrem Schulweg nach Großhansdorf überquert. „Ein zusätzliches Lastwagenaufkommen würde die Situation dort noch gefährlicher machen.“

Anwohner sorgen sich um zusätzliche Lärmbelästigung

Der Verkehr bereitet auch Anwohnern Sorge, etwa Hans-Dieter Jürs. Dabei geht es nicht nur um den Lieferverkehr. „Wenn die Hallen wirklich so hoch werden, wird der Lärm von der Autobahn zunehmen“, sagt der Sieker. Dann werde der Schall von der nahen Autobahn 1 durch die Hallenwände zurückgeworfen. Sieks Bürgermeister Andreas Bitzer (CDU) verteidigt das Vorhaben. Er sagt: „Diese Erweiterung wird seit vielen Jahren diskutiert.“

Die Gemeinde müsse ansässigen Unternehmen Wachstumsmöglichkeiten bieten, um sie im Ort zu halten. „Gerade durch die Bandbreite an Betrieben in unseren Gewerbegebieten steht Siek wirtschaftlich gut da, auch in der Corona-Pandemie“, sagt Bitzer. Der Ort lebe von den Gewerbesteuereinnahmen, die Investitionen wie die neue Kita ermöglichten. Das Museum sieht der Bürgermeister als begrüßenswerte Ergänzung des Kultur- und Freizeitangebots. „Wir sollten uns freuen, dass ein Investor so etwas auch im dörflichen Umfeld verwirklichen möchte“, sagt Bitzer.

Die Gruppe möchte notfalls ein Bürgerbegehren initiieren

Heinbockel möchte das Argument der Gewerbesteuer nicht gelten lassen, sagt: „Die Gemeinde Siek hat ein sehr gutes Gewerbesteueraufkommen.“ Weitere Einnahmen würden zum großen Teil von Kreis und Land abgeschöpft und kämen dem Ort nicht zugute. Die Gruppe möchte weiter gegen das Projekt vorgehen. „Hält die Gemeindevertretung daran fest, werden wir ein Bürgerbegehren in die Wege leiten“, kündigt er an. Es lägen alle Mittel auf dem Tisch.

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