Bauprojekt in Stormarn

Im Glinder Zentrum entstehen doch weniger Sozialwohnungen

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So soll es auf dem Areal Altes Gleisdreieck in Glinde aussehen. Die Sozialwohnungen sind in den Mehrfamilienhäusern.

So soll es auf dem Areal Altes Gleisdreieck in Glinde aussehen. Die Sozialwohnungen sind in den Mehrfamilienhäusern.

Foto: Stefan Krüger Computergrafik / HA

Am Alten Gleisdreieck entstehen 89 Wohnungen und 31 Reihenhäuser zur Miete. Die Stadt muss aber eine bittere Pille schlucken.

Glinde. Das Warten hat ein Ende: Im April startet die Bebauung des Alten Gleisdreiecks in Glinde. Auf einem 2,1 Hektar großen Areal entstehen 89 Wohnungen und 31 Reihenhäuser zur Miete. Die Stadt muss dabei eine bittere Pille schlucken: Anstatt 62 gibt es nur noch 36 öffentlich geförderte Einheiten in den Mehrfamiliengebäuden. Auf eine Reduzierung hatte das Wohnungsunternehmen Semmelhaack angesichts der Baukostensteigerung gedrängt. Die Politik stimmte dem jetzt mehrheitlich zu. Es ist bereits die zweite Planänderung.

Eigentlich hätten die Häuser im Zentrum längst stehen sollen. Die Planungen für das Projekt auf dem Gelände hinter der Buskehre Ecke Am Sportplatz/Möllner Landstraße waren 2013 gestartet mit dem Ziel, jenes bis 2016 zu bebauen. Ursprünglich hatte Semmelhaack 153 Wohnungen mit 60-prozentigem öffentlich geförderten Anteil vorgesehen.

Glinde: Bürgerinitiative gegen Wohnungen am Alten Gleisdreieck

Gegen das Vorhaben machte eine Bürgerinitiative, die dort weiterhin ein Waldstück will, mobil. Sie führte 2015 Beschwerde bei der Kommunalaufsicht, warf der Stadt vor, ein 12.405 Quadratmeter großes Grundstück auf dem Areal unter Marktwert an den Investor verkauft zu haben.

Der musste nachzahlen, obwohl der Gutachterausschuss des Kreises den Preis zuvor so festgesetzt hatte. Das Gremium kam später zu einer anderen Meinung, wertete den Bereich von Bauerwartungsland zu Bauland auf. Durch die Mehrkosten war diese Variante für Semmelhaack nicht mehr wirtschaftlich, die Politik machte Zugeständnisse. Bei den Sozialwohnungen wurde abgespeckt. Trotzdem ging es immer noch nicht los.

Denn die Initiative legte nach, ging juristisch gegen die Stadt wegen des Bebauungsplans vor. Im Eilverfahren wurde eine Normenkontrollklage vom Oberverwaltungsgericht in Schleswig abgewiesen. Eine Entscheidung im Hauptverfahren steht noch aus. Und sie ist nicht absehbar. Das Verfahren hat allerdings keine aufschiebende Wirkung.

Womöglich dauert es bis 2025, denn die Verwaltungsgerichte sind unterbesetzt und mit anhängigen Fällen überhäuft. Solange die Richter beim Gleisdreieck kein Urteil gesprochen haben, erhält Semmelhaack nicht die von der Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) zugesagten zinsgünstigen Darlehen sowie Zuschüsse. Deswegen wartete das Unternehmen ab – bis jetzt.

Investor hat drei Millionen Euro Vorkosten gezahlt

„Durch die Baukostensteigerung wird das Projekt sechs Millionen Euro teurer“, sagt Hartmut Thede, Leiter der Projektentwicklung bei Semmelhaack und Mitglied der Geschäftsleitung. Eingeplant war ein Investitionsvolumen in Höhe von 28 Millionen Euro. Er fürchtet eine weitere Preissteigerung, wenn das Vorhaben nicht zeitnah umgesetzt wird. Nun also der Kurswechsel: Das Unternehmen mit Sitz in Elmshorn beginnt mit dem Bau und finanziert vor. Auf die Darlehen von mehreren Millionen Euro will es zu einem späteren Zeitpunkt zurückgreifen. Das gilt ebenso für den Zuschuss. Pro Quadratmeter öffentlich geförderten Wohnraum steuert das Land laut Thede 500 Euro bei.

Das Areal wurde schon vor Jahren gerodet. Auf den Sandhügeln sind wieder Büsche gewachsen. „Wir sind mit drei Millionen Euro Vorkosten dabei“, so Thede. Zum Beispiel wurden Ersatzflächen aufgeforstet. Der Klimaschutz ist bei dem Wohnprojekt mitgedacht. Die Reihenhäuser werden im KfW-40-Standard gebaut mit Wärmepumpe. Die höheren Gebäude haben die energetische 55er-Variante und werden mit einem Grasdach ausgestattet. Thede berichtet von Personen, die auf der Warteliste für die Wohnungen stehen und in der Bürgerinitiative aktiv gewesen sind. „240 Menschen haben sich bei uns registrieren lassen.“

Semmelhaack zahlt für Verkehrskreisel 425.000 Euro

Glindes Bürgermeister Rainhard Zug wollte sich mit der Initiative in diesem Jahr an einen Tisch setzen. Er sagt: „Das wurde jedoch abgelehnt.“ Darüber sei er sehr verärgert. Das Ergebnis der jüngsten Gespräche mit Semmelhaack und den Politikern formuliert er so: „Es ist eine Einigung da. Wir brauchen die Wohnungen dringend, können das Projekt nicht weiter schieben.“ Details will er nicht nennen und verweist auf eine Pressekonferenz mit den Fraktionsvorsitzenden im Januar. Dann werden Parteienvertreter begründen, weshalb sie auch die 36 Sozialwohnungen akzeptieren.

Nach Informationen unserer Redaktion hat die Stadtvertretung auf ihrer jüngsten Sitzung im nicht öffentlichen Teil die Modifizierung des städtebaulichen Vertrags abgesegnet. Es gab aber auch Widerstand. Weder Thomas Kopsch, Fraktionschef der Liberalen, noch sein Pendant von der CDU, Rainer Neumann, wollten sich zu den Ereignissen im Gremium äußern.

Für das Entgegenkommen wird Semmelhaack seine Beteiligung am Kreisel an der Ecke Möllner Landstraße/Am Sportplatz von 330.000 auf 425.000 Euro erhöhen. Darüber hinaus schafft das Unternehmen einen Wanderweg samt Spielstation sowie einen Bürgersteig auf der Westseite der Straße, die zu den Anlagen des TSV Glinde führt. Hinzu kommen bis zu zwölf öffentliche Pkw-Stellplätze im nördlichen Bereich und der Bau von zwei barrierefreien Bushaltestellen auf Höhe des Altenheims. Die Genehmigung für den Bau der Wohnungen wurde übrigens bis 2023 verlängert.

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