Ammersbek

Umzug für ein Neubaugebiet? Kleingärtner sagen Nein

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Harald Klix
Der Kleingartenverein liegt an der Ecke Hamburger Straße/Bültenbarg.

Der Kleingartenverein liegt an der Ecke Hamburger Straße/Bültenbarg.

Foto: Google Earth/Frank Hasse

Hoisbütteler Verein Neue Heimat möchte nicht 32 Reihenhäusern weichen. Grundstückseigentümer und Bauunternehmen kritisieren dies.

Ammersbek. Die ersten Familien haben ihr neues Zuhause im „Wohnpark Hoisbüttel“ in Ammersbek bezogen. In weiteren der 19 Reihenhäuser auf dem alten Betonwerk an der Hamburger Straße vollenden Handwerker den Innenausbau. Während auf dem 6100 Quadratmeter großen Grundstück emsige Geschäftigkeit herrscht, ist wenige Meter weiter beim Kleingartenverein Neue Heimat die Winterruhe eingekehrt. Dort möchte die Deutsche Reihenhaus AG (DRH) 32 weitere Reihenhäuser errichten. Dafür müsste allerdings der Kleingartenverein teilweise auf ein benachbartes Feld umziehen – was er nicht möchte.

Laut Vereinsführung haben die Pächter der 30 Parzellen bei mehreren Versammlungen über die Pläne gesprochen. „Das Ergebnis ist eindeutig: Von den betroffenen Mitgliedern ist keiner bereit, unter den aktuellen Umständen umzuziehen“, sagt der Neue-Heimat-Vorsitzende Jürgen Hoffmann. Diese Entscheidung sei allen anderen Beteiligten auch schriftlich mitgeteilt worden. „Es geht uns vor allem um die langfristige Sicherheit“, sagt Hoffmann. Denn das aktuelle Vereinsareal ist im Bebauungsplan als Fläche für Dauerkleingärten festgelegt. „Das wäre bei dem Ausgleichsgelände nicht der Fall, wodurch wir jederzeit eine andere Nutzung befürchten müssen“, so der Vereinschef. Hinzu komme, dass die Schrebergärten mit viel Arbeit oft über Jahrzehnte angelegt worden seien.

Verpächter beklagen fehlende Bereitschaft zu Gesprächen

Die vier Eigentümer der Flurstücke, die der Kleingartenverein gepachtet hat, kritisieren das strikte Nein. Sie stehen dem Projekt positiv gegenüber. „Alle könnten am Ende profitieren“, schreiben sie in einer gemeinsamen Erklärung. Die Kleingärtner könnten sich „auf Grund eines großzügigen Angebots wesentlich verbessern“. Junge Familien – auch aus dem Ort – fänden vergleichsweise günstigen Wohnraum. Handwerker bekämen Aufträge, Vereine und Verbände sicherlich neue Mitglieder.

Die Voraussetzung für das Neubaugebiet wäre der Umzug von 18 Parzellen auf ein freies Feld in der Nähe. Das Bauunternehmen DRH hat angeboten, dort ein Dusch- und Stromhäuschen zu errichten. Außerdem sollen den von der Verlegung betroffenen Mitgliedern neue Lauben finanziert werden. „Von einer Vertreibung und Benachteiligung der Kleingärtner kann nun wirklich keine Rede sein“, heißt es in dem Schreiben der Grundstückseigentümer. Ihnen fehle für das Verhalten einiger Pächter das Verständnis: „Wo bleibt hier der Zusammenhalt der Gesellschaft?“

Vereinsmitglieder sollen „mehr als gleichwertige Ersatz“ bekommen

Die Gruppe der Eigentümer beklagt zudem, dass es gar keine Chance gebe, Meinungsverschiedenheiten auszuräumen. So habe der Vereinsvorstand „monatelange, intensive Bemühungen, zum Beispiel ein Informationsgespräch mit uns Eigentümern zu vereinbaren“, stets verhindert. In Anbetracht der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt sollte eine Verständigung jedoch möglich sein. Schließlich trage Ammersbek als Mitglied im Stormarner Bündnis für bezahlbares Wohnen auch Verantwortung.

Wie die Grundstückseigentümer hat auch die Deutsche Reihenhaus AG weiterhin großes Interesse, ihr Neubaugebiet auszuweiten. „Wir bieten den Mitgliedern des Kleingartenvereins einen vom Materiellen her mehr als gleichwertigen Ersatz in direkt angrenzender Nachbarschaft an“, sagt Firmensprecher Achim Behn. Darüber hinaus auch Gespräche, um Sachverhalte und Detailplanungen intensiver beleuchten und verstehen zu können. „Das Wohlfühlerlebnis einzelner Mitglieder bleibt natürlich auf rechtlicher Grundlage unantastbar“, sagt Behn. Allerdings könnten Partikularinteressen die Weiterentwicklung der Gemeinde und vieler Ammersbeker Bürgerinnen und Bürger verhindern.

Verein fühlt sich angegriffen und unter Druck gesetzt

Die Nachfrage nach den 19 Reihenhäusern auf dem alten Betonwerk war so groß wie bei keinen anderen Projekt der bundesweit tätigen DRH, die mit standardisierter Bauweise der günstigste Anbieter für Wohneigentum im Neubau sein will. In Hoisbüttel kostete das Haus „Wohntraum“ (120 Quadratmeter) rund 330.000 Euro und das Haus „Familienglück“ (145 Quadratmeter) 360.000 Euro – jeweils mit Grundstück. Rund 130 Interessenten auf der Warteliste gingen leer aus. Das Erweiterungskonzept sieht 32 Reihenhäuser in neun Zeilen vor. Die Zufahrt zu dem rund 8700 Quadratmeter großen Gebiet erfolgt über den Bültenbarg. Für Autos sind 57 Stellplätze vorgesehen.

Der Kleingartenverein fühlt sich nun zu Unrecht angegriffen und unter Druck gesetzt. Er sieht in den öffentlichen Äußerungen der Verpächter eine Reaktion auf seine ablehnende Haltung zum Umzug. „Jetzt versucht man, auf allen Ebenen Stimmung gegen uns zu machen“, sagt der Vorsitzende Jürgen Hoffmann.

Appell an Politik, Bebauungspläne zu ändern

Der Ammersbeker Verwaltung bleibt die Rolle des Beobachters. „Solange es keine Einigung über die Nutzung der Grundstücke gibt, gibt es für uns keinen Anlass, etwas zu unternehmen“, sagt Bürgermeister Horst Ansén. Das sei auch Konsens unter den Parteien in der Gemeindevertretung. Vor einem Richtfest im ersten Reihenhausgebiet hatte Ansén betont, dass man es nur unterstützen könne, wenn Investoren tatsächlich beim Bau günstiger Wohnungen aktiv werden, da die Gemeinde keine eigenen Grundstücke habe.

Einen Ausweg aus der festgefahrenen Situation sehen die Grundstückseigentümer nun in der Politik. „Nur sie kann diesbezüglich Beschlüsse fassen“, heißt es. Ihr Vorschlag: Der Passus „Dauerkleingärten“ sollte im bestehenden Bebauungsplan aufgehoben und auf ein Ersatzgelände übertragen werden.

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