Wohnungsmarkt

Darum hakt ein Oststeinbeker Wohnbauprojekt

| Lesedauer: 5 Minuten
René Soukup
Christian Stölken hockt an der Stelle auf dem Feld am Willinghusener Weg, wo er ein Bürogebäude bauen will. Dahinter sollen zwölf Mehrfamilienhäuser entstehen.

Christian Stölken hockt an der Stelle auf dem Feld am Willinghusener Weg, wo er ein Bürogebäude bauen will. Dahinter sollen zwölf Mehrfamilienhäuser entstehen.

Foto: René Soukup

90 Wohneinheiten für Senioren und ein Bürogebäude waren am Willinghusener Weg schon 2020 geplant. Passiert ist noch nichts.

Oststeinbek. „Ab 2020 wird hier etwas Gutes gebaut: nachhaltig, sozialverträglich, seniorengerecht.“ So steht es auf einer Homepage, auf der Christian Stölken den sogenannten „Willipark“ in Oststeinbek vorstellt. Ein Projekt mit 90 Wohnungen für ältere Menschen und einem Bürokomplex im Norden der Gemeinde. Passiert ist bis heute jedoch nichts. Auch in diesem Jahr hat der Landwirt als Pächter wieder den Acker bestellt. Dieser gehört der Familie des Großhansdorfer IT-Unternehmers. Der 49-Jährige steht in den Startlöchern, hat seine Hausaufgaben gemacht. Der städtebauliche Vertrag liegt im Rathaus unterschriftsreif vor.

Jährliche Baukostensteigerung von 20 Prozent

„Man muss die Nerven behalten und ruhig bleiben“, sagt Stölken. Die Finanzierung sei gesichert. „Auch wenn wir eine jährliche Baukostensteigerung von 20 Prozent haben, wird die Anzahl der Wohnungen nicht geändert.“ Es könne sein, dass er beim Gewerbe abspecke. 2019 war das Investitionsvolumen auf rund 33 Millionen Euro beziffert worden.

Eigentlich sollte für das Stölken-Vorhaben ein eigener Bebauungsplan aufgestellt werden, dann entschied die Politik, ein angrenzendes 44.000-Quadratmeter-Feld, das ebenfalls in Privateigentum ist und Gewerbegebiet werden soll, zu integrieren. Beide Projekte sind in einem B-Plan gefasst, die Erschließung ist über einen Weg geregelt. Und deswegen hakt es auch. Bürgermeister Jürgen Hettwer sagt: „Es gibt noch offene Fragen beim Ausbau der Straße im erweiterten Gewerbegebiet. Die Ausgestaltung des Kreisels ist zu regeln, speziell was die Kostenbeteiligung des Flächeneigners betrifft.“

Einigung mit der Gemeinde steht unmittelbar bevor

Mit der Verzögerung soll es jetzt aber ein Ende haben, eine Einigung steht unmittelbar bevor. Der Verwaltungschef will noch in diesem Jahr eine Sondersitzung der Gemeindevertretung ansetzen, wo der Bebauungsplan und der Erschließungsvertrag abgesegnet werden. Allerdings gibt es Widerstand in der rund 9100 Einwohner zählenden Gemeinde, eine Bürgerinitiative will die Vergrößerung des Gewerbegebiets nahe dem Willinghusener Weg verhindern und strebt ein Normenkontrollverfahren an.

Stölken sieht dem gelassen entgegen, mehrere Juristen hätten alles genau geprüft. Hettwer sagt dazu: „Alle Beteiligten haben sehr darauf geachtet, dass es rechtssicher ist, auch die Gemeinde.“

Die Dächer aller Immobilien sind begrünt

Stölken hat für sein Projekt zwischen Hamburger Kamp, Querweg und Willinghusener Weg einen Partner gefunden. Die Seniorenwohnungen erstellt die Baugesellschaft Vakon aus Neubrandenburg. Sie wird auch die Mieteinheiten betreiben, jeweils 30 werden zu marktüblichen Preisen angeboten und sind öffentlich gefördert. Ein Drittel steht zum Verkauf. Die Wohnungen sind von 40 bis an die 100 Quadratmeter groß, verteilen sich auf zwölf Häuser, die maximal drei Geschosse plus Staffelebene haben. Das Areal umfasst 1,9 Hektar. Laut Plan sind die Gebäude durch Lauben­gänge miteinander ver­bunden. Eine 2100-Quadratmeter-Parkanlage samt Teich und Bänken trennt Wohnbereich und Bürogebäude, das fünf Etagen haben soll. Die Dächer aller Immobilien sind begrünt.

Der Gewerbeabschnitt soll eine Art Technologiepark werden

Der Gewerbeabschnitt wird laut Stölken eine Art Technologiepark. Die Hälfte der 3376 Quadratmeter sind für seine Firma vorgesehen, der Rest wird vermietet. Auch bei dem Bürokomplex übernimmt Vakon die Bauleitung. Das Unternehmen ist als Projektentwickler in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und seit 2020 auch in Hamburg aktiv, verkauft und vermietet Immobilien. Zu den Referenzen zählen unter anderem die Modernisierung der Villa Maria im Ostseebad Koserow, der Neubau von Wohnungen im historischen Stadtkern von Neubrandenburg und eine Fünf-Sterne-Ferienanlage mit 42 Strandhäusern auf der Insel Usedom.

Wie Stölken und Vakon das Geschäft aufteilen und ob er Segmente des Areals an die Neubrandenburger Firma verkauft, ist noch nicht geklärt. „Vielleicht gründen wir eine gemeinsame Gesellschaft mit beschränkter Haftung“, sagt der Großhansdorfer.

Großprojekt der Firma Bauland wird forciert

Geht jetzt alles zügig voran mit einem Baustart im kommenden Jahr, wird es in Oststeinbek demnächst 170 neue Seniorenwohnungen geben. 80 entstehen gerade an der Brückenstraße gegenüber der Feuerwehrwache, 24 davon sind öffentlich gefördert mit einer Miete von 6,25 Euro pro Quadratmeter. Das Unternehmen Semmelhaack mit Sitz in Elmshorn investiert rund 16 Millionen Euro. Die Wohnungen sind für Einheimische vorgesehen. Die Nachfrage übersteigt das Angebot um ein Mehrfaches. Im Dezember beginnt das Auswahlverfahren. Bezugsfertig sind die 50 bis 80 Quadratmeter großen Wohnungen in sieben Gebäuden im Sommer 2022.

Bürgermeister Jürgen Hettwer kündigt an, ein weiteres Großprojekt zu forcieren auf einem Feld südlich des neuen Gewerbegebiets: „Mit Investor und Planer werden wir uns über die Gestaltung unterhalten, vor allem geht es um Anzahl und Art der Wohneinheiten.“

Weiteres Großprojekt südlich des neuen Gewerbegebiets?

Den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan hat die Gemeindevertretung bereits gefasst. Es ist eine Absichtserklärung ohne bindenden Charakter. Das Konzept der Firma Bauland sieht auf 4,7 Hektar 168 Miet-, 40 Eigentumswohnungen, 16 Reihen-, zwölf Einfamilien- und sieben Doppelhäuser vor. Hinzu kommen 400 Stellplätze für Autos. Dieses Volumen dürfte in der Politik aber nicht mehrheitsfähig sein. Das meint auch Oststeinbeks Rathauschef.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Stormarn