Klimawandel

So rüstet sich Großhansdorf gegen Hochwasser

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Filip Schwen
Im Mai 2016 sorgte ein heftiges Unwetter dafür, dass sich das Wasser auf dem Wöhrendamm vor der Feuerwache knietief aufstaute.

Im Mai 2016 sorgte ein heftiges Unwetter dafür, dass sich das Wasser auf dem Wöhrendamm vor der Feuerwache knietief aufstaute.

Foto: peter wuest / rtn

Nach Flutkatastrophe im Ahrtal: Hamburg Wasser baut neuen Kanal unter der Hoisdorfer Landstraße. Auch Frühwarnsystem geplant.

Grosshansdorf. Die Folgen des Klimawandels machen vor Deutschland nicht Halt. Das hat die Flutkatastrophe im Ahrtal eindrücklich vor Augen geführt. Auch Stormarn bekam die Konsequenzen der menschengemachten Veränderungen des Weltklimas bereits zu spüren. Unvergessen ist das Hochwasser am Himmelfahrtstag 2018 in Oststeinbek, das für immense Verwüstungen in dem 9000-Einwohner-Ort sorgte.

Experte: Wichtig, Gefahrenstellen zu kennen und Vorsorgemaßnahmen zu treffen

Auch Großhansdorf war infolge von Unwettern bereits mehrfach von Überschwemmungen betroffen. Während der jüngsten Einwohnerversammlung haben Experten des Versorgers Hamburg Wasser nun Maßnahmen vorgestellt, mit denen das Unternehmen Extremwetterereignissen in Zukunft begegnen möchte. „Wir befassen uns seit einigen Jahren sehr intensiv mit dem Klimawandel“, sagte Andreas Kuchenbecker, Referent des Unternehmens für Stadthydrologie.

Die Zunahme der Starkregenereignisse einerseits und die voranschreitende Besiedlung und Flächenversiegelung anderseits erhöhe den Druck auf die Abwassersysteme von zwei Seiten. „Deshalb ist es so wichtig, potenzielle Gefahrenstellen für Überschwemmungen zu kennen und Vorsorgemaßnahmen zu treffen“, so Kuchenbecker.

Karte im Internet zeigt das Überschwemmungsrisiko an

Hamburg Wasser habe daher ein sogenanntes Hydrologisches Stadtmodell für die Hansestadt erarbeitet. In Zukunft soll es die Daten auch für das Umland geben. „Ziel ist es, eine Prognose treffen zu können, was bei Starkregen mit den Entwässerungssystemen geschieht“, sagte Kuchenbecker. Anhand der Topografie werden maximale Wassertiefen, Gefährdungsgrad der Gebäude und die Fließgeschwindigkeit des Wassers für jeden Punkt kalkuliert und fließen in die Simulation ein. „Ziel ist es, dass wir die Bürger rechtzeitig warnen können“, erklärte er.

Bereits jetzt können Bürger sich im Internet unter sri.hamburgwasser.de über eine interaktive Karte einen Überblick über das aktuelle Überschwemmungsrisiko an ihrem Wohnort verschaffen. „Dort wird das aktuelle Niederschlagsgeschehen nach dem Starkregenindex kategorisiert und in verschiedenen Farben dargestellt“, so Kuchenbecker.

Der Index kennt zwölf Starkregen-Stufen. „90 Prozent der Niederschläge erreichen nicht einmal die erste“, so der Experte. Die Regenfälle, die zu der Flutkatastrophe im Ahrtal geführt hätten, seien eine Elf auf der Skala gewesen. „Ab Stufe drei sollten Bürger selbst Vorsorgemaßnahmen treffen, ab Stufe sechs müssen Gemeinde und Katastrophenhelfer tätig werden“, so Kuchenbecker.

Abwassersysteme im Bereich Wöhrendamm und Up de Worth schon ausgebaut

In Großhansdorf stehen unterdessen auch bauliche Anpassungen an besonderen Brennpunkten auf der Agenda. Bereits in diesem Jahr wurden die Abwassersysteme im Bereich der Straßen Wöhrendamm und Up de Worth ausgebaut. Dort war es in der Vergangenheit direkt vor der Feuerwache immer wieder zu Überflutungen gekommen.

Bei stärkeren Regenfällen laufen die Keller voll

Ab Dezember soll nun der Bereich der Hoisdorfer Landstraße zwischen Beimoorweg und Rümeland folgen. Dort kommt es ebenfalls wiederholt zu Überflutungen, bei stärkeren Regenfällen laufen Keller voll. „Die Kanalisation kann das Wasser nicht aufnehmen“, sagte Max Grobe, Projektingenieur bei Hamburg Wasser. Das Unternehmen plane deshalb, bis Dezember 2023 einen neuen, leistungsstärkeren Regenwasserkanal vom Erlenring bis zum Beimoorweg zu verlegen. Das Wasser soll künftig von Beimoorweg und Hasselkamp kommend unter der Hoisdorfer Landstraße in den Dorfteich geleitet werden. „Das Gewässer wird als Regenrückhaltebecken genutzt und dafür entschlammt und um 70 Zentimeter vertieft“, so Grobe.

Durch einen Mönch mit moderner Steuerungseinheit, mit der der Ablauf reguliert werden könne, soll das Wasser anschließend unter dem Erlenring hindurch zum Ostpreußenweg und dort in ein bestehendes verrohrtes Gewässer eingeleitet werden. „Wir werden in drei Bauabschnitten vorgehen, wobei wir am tiefsten Punkt beginnen müssen“, so Grobe. Dies sei der Dorfteich. Die Arbeiten dort seien von Dezember bis März 2022 geplant. Im Anschluss solle bis Oktober 2022 der neue Kanal unter Erlenring und Ostpreußenweg verlegt werden.

Parallel zu den Kanalarbeiten wird der Straßenbelag erneuert

Bis Juni 2023 sei die Verlegung der Rohre unter der Hoisdorfer Landstraße und dem ersten Teil des Beimoorwegs vorgesehen. Der Kanal auf dem Abschnitt Beimoorweg/Hasselkamp werde von Juni bis Dezember 2023 erneuert. „Insgesamt verlegen wir 800 Meter Kanal“, sagt Grobe. Die neue Leitung werde 30 bis 80 Zentimeter Durchmesser bieten und damit deutlich mehr Volumen aufnehmen können als die bisherige. „Die Arbeiten werden in Teilstücken als Wanderbaustelle umgesetzt, sodass die Straßen nicht permanent vollständig aufgegraben sind“, sagte der Projektingenieur. Die Anwohner würden im Vorfeld gesondert informiert. Die Kosten, zu denen das Unternehmen keine Angaben machte, trägt Hamburg Wasser.

Parallel zu den Kanalarbeiten plant Großhansdorf die Erneuerung des Straßenbelags von Hoisdorfer Landstraße und Beimoorweg. „Es macht Sinn, diese Maßnahmen zu verbinden“, sagt Bürgermeister Janhinnerk Voß. 200.000 Euro hat die Gemeinde dafür eingeplant.

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