Geesthacht

Mega-Transport: Dieser Koloss zwängt sich durch die Region

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Dirk Schulz
Vier Schwertransporte zwängen sich durchs Herzogtum Lauenburg und Stormarn: Die Tragschnabel-Brücke besteht aus einzelnen Modulen, die aneinander gekoppelt werden können. Der eigentliche Schwertransport wird doppelt so lang wie auf unserem Foto werden.

Vier Schwertransporte zwängen sich durchs Herzogtum Lauenburg und Stormarn: Die Tragschnabel-Brücke besteht aus einzelnen Modulen, die aneinander gekoppelt werden können. Der eigentliche Schwertransport wird doppelt so lang wie auf unserem Foto werden.

Foto: Dirk Schulz

Vier Schwertransporte bringen Trafos von Lauenburg nach Oststeinbek. Sogar Ampeln und Lichtmasten werden dafür ausgegraben.

Lauenburg/Oststeinbek. Der „G2 K600“ ist ein Koloss. Die sogenannte Tragschnabel-Brücke mit Selbstfahrer-Modulen besteht aus 48 Achsen mit 384 Reifen und hat eine Länge von 75 Metern. Derzeit steht das unbeladene Gefährt noch in Lauenburg am Ufer des Elbe-Lübeck-Kanals, von wo aus es nacheinander vier jeweils 300 Tonnen schwere Transformatoren zum Umspannwerk Oststeinbek bringen soll. Der erste Schwertransport – pro Fuhre kann nur ein Trafo geladen werden – macht sich am Dienstag um 20 Uhr von Lauenburg aus auf den Weg einmal quer durch unsere Region (siehe Karte).

Beladen ist der „G2 K600“ dann 4,70 Meter breit und 5,85 Meter hoch. Und weil wegen des enormen Gewichts und der gewaltigen Ausmaße nicht jede Brücke befahren beziehungsweise unter ihr hindurch gefahren werden kann, schieden andere Routen, etwa über die Autobahn, aus.

Schwertransport macht nachts in Geesthacht Station

Grob gesagt geht es von Lauenburg aus immer über die Bundesstraße 5 durch Geesthacht, Escheburg und Börnsen bis nach Bergedorf, dann über den Sander Damm nach Lohbrügge, weiter über die K 80 bis nach Glinde und schließlich über die Möllner Landstraße durch Glinde und Oststeinbek.

Für die rund 45 Kilometer lange Strecke werden zwei Tage benötigt, weil der Schwertransport nur nachts fahren darf und weil er auch gerade einmal fünf Kilometer pro Stunde „schnell“ ist. Zwischenstation wird in Geesthacht auf dem Parkplatz an der Zentralen Sportanlage gemacht. Am Mittwoch, womöglich ebenfalls ab 20 Uhr (der genaue Zeitplan steht noch nicht fest), geht es dann weiter bis zum Ziel, das um 5 Uhr erreicht sein muss. Im Anschluss, möglichst bis zum 27. November, werden die drei anderen Schwertransporte gefahren.

Klar ist, dass unterwegs diverse Hindernisse aus dem Weg geräumt werden müssen. Drei Ampelanlagen und sechs Lichtmasten werden gleich ganz ausgegraben und durch mobile Ampeln ersetzt, am Sander Damm in Bergedorf muss eine Baustelle geräumt werden. Zwischendurch kommt es abschnittsweise immer wieder zu Straßensperrungen.

Auf dieser Strecke rollen die Transporte durch die Region

Aufmerksamen Autofahrern, die die Kanal-Brücke in Lauenburg überquert haben, werden die einzelnen Module des Schwertransporters am Ufer des Elbe-Lübeck-Kanals schon aufgefallen sein. Am Donnerstag wurden die Teile zusammengesetzt, am heutigen Freitag lädt der ebenfalls nicht zu übersehene riesige gelbe Kran dann den ersten von insgesamt vier Transformatoren auf das Tragschnabel-Brücke genannte Gefährt auf.

Der „G2 K600“ ist für diesen Auftrag 75 Meter lang. Jede der 48 Achsen, die alle einzeln beweglich sind, verfügt über eine Traglast von 14,7 Tonnen. Auf insgesamt 384 Reifen begibt sich der erste von vier Schwertransporten am Dienstag ab 20 Uhr auf seinen langsamen Weg bis zum Umspannwerk Oststeinbek. Dort sollen die Trafos für eine bessere Auslastung des Übertragungsnetzes sorgen.

In der ersten Nacht geht es bis nach Geesthacht

Hergestellt wurden die jeweils 300 Tonnen schweren Transformatoren in Bad Honnef am Rhein. Per Schiff ging es dann über Flüsse und Kanäle bis nach Lauenburg. Dort ist am Dienstag ab 14 Uhr der Buchhorster Weg am nordöstlichen Ortsrand voll gesperrt, damit der Transport das erste Teilstück vom Kanal über die mit Schlaglöchern versehene Hans-Georg-Peters-Straße bewältigen kann.

Ab 20 Uhr geht es dann weiter mit fünf Stundenkilometern über die Bundesstraße 5 bis zur ersten Zwischenstation in Geesthacht. Dort macht der Koloss auf dem Parkplatz der Zentralen Sportanlage Halt, ehe es am nächsten Abend weiter bis nach Oststeinbek geht.

Neun Ampeln und Lichtmasten müssen abgebaut werden

Zunächst auf der B 5 durch Escheburg und Börnsen bis nach Bergedorf. „In Bergedorf fangen unsere ganzen Probleme an“, sagt Martin Neugebauer von der Firma RSV-Verkehrstechnik, der die Transporte organisiert.

So muss etwa die Brücke über den Schleusengraben wegen des hohen Gewichts diagonal überquert werden, was wegen der beweglichen Achsen aber kein Problem ist. Eng wird es beim Abbiegen in die Großbaustelle am Sander Damm, die für die Durchfahrt geräumt und anschließend sofort wieder eingerichtet werden muss. Vergleichsweise harmlos können die beiden Kreisverkehre am Binnenfeldredder durchfahren werden. Hier wird lediglich eine Laterne umgelegt.

In Glinde werden zwei Ampelanlagen abgebaut

Auf der K 80 geht es weiter nach Glinde, wo die Einfahrt von der Avenue St. Sebastien in den Oher Weg am kniffligsten wird. Hier werden gleich zwei Ampelanlagen abgebaut und bis zum Abschluss der Schwertransporte Ende November durch mobile Ampeln ersetzt.

Insgesamt müssen neun Ampeln oder Lichtmasten auf der Strecke aus dem Weg geräumt werden. Vor der Einfahrt vom Meessen in den Oststeinbeker Hegenredder müssen schließlich einige Achsen ausgebaut werden, weil der Kurvenradius zu klein ist. Zurück fährt der „G2 K600“ unbeladen und in zwei Teilen.

Das Vorhaben ist eine logistische Meisterleistung

Die Transporte sind eine logistische Meisterleistung. Mit 36 verschiedenen Ansprechpartnern bei Städten, Kommunen, dem Land und der Polizei muss Neugebauer die Route koordinieren. Erst am Donnerstagmittag kam die Genehmigung. Der genaue Zeitplan steht aber immer noch nicht. Klar ist nur, dass es immer wieder zu abschnittsweisen Sperrungen kommen wird.

Eine andere Route, etwa über die Autobahn, kam wegen der Höhe von 5,85 Metern und einem Gesamtgewicht von rund 700 Tonnen nicht in Betracht.

Übrigens: Es gibt keinen Fahrer. Gesteuert wird die Tragschnabel-Brücke von Andre Leichter und Benny Eilenbrock mittels je einer Fernbedienung, die rund 30 Knöpfe hat. Die beiden Bediener (englisch Operator) laufen neben dem Gefährt her und kommunizieren über Funk miteinander.

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