Einzelhandel Ahrensburg

Fraktionen streiten weiter über Ahrensburger Stadtgeld

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Mehr als die Hälfte der Stadtgeld-Coupons wurden im Ahrensburger Kaufhaus Nessler eingelöst.

Mehr als die Hälfte der Stadtgeld-Coupons wurden im Ahrensburger Kaufhaus Nessler eingelöst.

Foto: Filip Schwen / HA

Verwaltung legt Ergebnisse der Kaufleute-Befragung vor. Gegner und Befürworter der Gutschein-Aktion sehen sich bestätigt.

Ahrensburg.  Es war eine besondere und landesweit einmalige Aktion: das Ahrensburger Stadtgeld. Rund 1,3 Millionen Euro hatte die Stadt in Form von Einkaufsgutscheinen für die Einwohner der Schlossstadt bereitgestellt, um die Einzelhändler, Gastronomen und Dienstleister zu unterstützen, die während der Corona-Lockdowns schließen mussten. Diese Aktion war von Anfang an in der Kommunalpolitik umstritten – und bleibt es weiterhin. Das zeigte sich einmal mehr bei der abschließenden Beratung der Ahrensburger Stadtverordneten zu dem Thema.

Letzteren lag der Abschlussbericht der Stadtverwaltung und die Auswertung einer Unternehmensbefragung zum Stadtgeld vor. Die Verwaltung hatte alle 90 teilnehmenden Betriebe nach dem Ende des achtwöchigen Aktionszeitraums am 30. Juli eingeladen, an einer nicht-repräsentativen Online-Befragung teilzunehmen. Das Ergebnis: Von den 56 Unternehmen, die sich beteiligten, bewertet die Mehrheit das Stadtgeld positiv, hat aber keine oder nur geringe Umsatzsteigerungen verbucht.

Das Stadtgeld hatten die Stadtverordneten mit den Stimmen von CDU und Grünen beschlossen. Jeder erwachsene Ahrensburger erhielt drei Coupons zu je zehn Euro, Kinder und Jugendliche fünf Gutscheine á zehn Euro. Von den Gutscheinen wurden rund 78 Prozent bei teilnehmenden Geschäften eingelöst.

84 Prozent der befragten Kaufleute sehen „Erfolg“

Das Ergebnis der Umfrage: Eine klare Mehrheit von rund 84 Prozent der befragten Kaufleute bewertet das Stadtgeld als Erfolg. Rund 45 Prozent geben an, ihr Umsatz habe sich im Aktionszeitraum verglichen mit anderen Zeitspannen gesteigert. 50 Prozent antworten, ihr Umsatz sei nicht spürbar gestiegen. Fünf Prozent haben weniger Umsatz gemacht als normalerweise.

„Die Zahlen geben mir zu denken“, sagte dazu der SPD-Stadtverordnete Bela Randschau. „Mehr als die Hälfte der Befragten hat nicht von der Aktion profitiert. Dafür, dass die Stadt rund 1,3 Millionen Euro eingeplant hatte, steht dieses Geld nicht im Verhältnis zum Ertrag der Aktion. Das Geld wäre besser für das Stadtmarketing verwendet worden.“ Dem widersprach der CDU-Fraktionsvorsitzende Detlef Levenhagen: „84 Prozent bewerten das Stadtgeld als Erfolg. Das ist schon überraschend. Es war die richtige Maßnahme, die Innenstadt zu beleben.“

Kritik an der Erhebung der Befragungs-Daten

Grundsätzliche Bedenken wiederholte Wolfgang Schäfer (FDP): „Die Finanzlage der Stadt ist angespannt, sie hatte kein Geld zu verschenken.“ Er kritisierte zudem, dass an der Aktion Betriebe mit Innengastronomie nicht teilnehmen konnten, da sie damals noch geschlossen waren.

Sein Parteifreund Thomas Bellizzi sagte: „Aus den Zahlen der Umfrage kann man alles herauslesen.“ Er kritisierte die Art der Befragung: „Die Kunden der Geschäfte wurden nicht gefragt, ob sie durch die Aktion mehr Geld als sonst ausgegeben haben. Und sie wurden nicht gefragt, ob sie durch die Gutscheine im Laden statt im Internet gekauft haben.“

Auch Benjamin Stukenberg (Grüne) sah fachliche Mängel bei der Befragung. „Es wurde nicht definiert, ob als Vergleichszeitraum für die Umsatzentwicklung eine Zeitspanne vor oder nach Beginn der Corona-Pandemie herangezogen werden soll.“ Je nachdem, wie die Händler dies aufgefasst hätten, sei die Deutung eine andere.

( cit )

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